Anruf vom Headhunter: Gelassen und bescheiden reagieren

Von: Maria Hilt, ddp
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Ein klassisches Bewerbungsgespräch: Der Arbeitnehmer bewirbt sich, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekommt im besten Fall den Job. Doch nicht immer läuft es so. Manchmal rufen sogenannte Headhunter angestellte Arbeitnehmer an und bieten ihnen einen Job an. Sie wurden von einem Unternehmen beauftragt, eine Stelle mit einem geeigneten Kandidaten zu besetzen. Foto: ddp

Bonn/Wiesbaden. Jeder wird gern umworben. Im Berufsleben buhlen traditionell die Arbeitnehmer um die Gunst der Arbeitgeber. Doch manchmal schickt ein Unternehmen auch einen Headhunter los, um die Fähigsten im Lande in ihren jetzigen Jobs auszukundschaften und sie per Telefon abzuwerben.

Wenn eine Firma heutzutage eine Stellenanzeige schaltet, erhält sie eine Menge Zuschriften von Bewerbern, die von vornherein nicht passen. Diese auszusortieren ist oft ein großer Aufwand”, erklärt Headhunter Hans Rainer Vogel aus Wiesbaden.

Der Headhunter geht daher umgekehrt an die Sache heran: „Bekommt er von der Firma den Auftrag, eine Besetzung für eine bestimmte Position zu finden, recherchiert er gezielt nach passenden Kandidaten und spricht diese dann direkt an.” Dadurch präsentiere er seinem Kunden nicht nur eine überschaubare Auswahl an potenziellen neuen Mitarbeitern, sondern liefere ihm auch solche, die sich vielleicht in einem normalen Verfahren gar nicht beworben hätten.

„Manchem Kandidaten fällt vor Schreck fast der Hörer aus der Hand, wenn ich anrufe”, berichtet Vogel. Doch er rät zur Gelassenheit. Schließlich gehe es in diesem ersten Kontakt erst einmal darum zu klären, ob der Kandidat überhaupt Interesse an einem Stellenangebot hat. „Es reicht also schon, wenn man dem Headhunter sein Interesse bekundet und mit ihm einen Telefontermin außerhalb der Arbeitszeit vereinbart”, sagt Vogel.

So könne man sich von dem Schreck erholen und auf das Gespräch vorbereiten. Auch wenn man nicht an einen Stellenwechsel gedacht habe, lohne es sich immer anzuhören, was der Anrufer zu erzählen hat.

Im zweiten Gespräch wird es dann schon ernster. Wichtig ist, dass man die Fragen des Headhunters gezielt beantwortet. „Man sollte sich nicht gleich in Szene setzen und ausführlich seinen Lebenslauf referieren”, sagt Wolfgang Lichius, Vorsitzender des Fachverbands Personalberatung beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater in Bonn.

Oft reagierten Kandidaten nämlich auf den Anruf eines Headhunters mit überzogener Selbstvermarktung und ließen den Gesprächspartner kaum noch zu Wort kommen.

Auch die meist brennende Frage „Wie kommen Sie denn auf mich?” sollte man sich verkneifen. „Diese Frage lässt den Kandidaten sehr weltfremd wirken”, sagt Lichius. So viel Unwissenheit sei ein klares Indiz dafür, dass der Betreffende die Gepflogenheiten im Business nicht kenne.

Auch sollte man dem Anrufer nicht gleich auf die Nase binden, dass man nur darauf gewartet hat, seine jetzige Position verlassen zu können. Dadurch wirke man dem eigenen Unternehmen gegenüber illoyal und das mache einen schlechten Eindruck.

Hans Rainer Vogel empfiehlt, das Angebot des Headhunters genau zu prüfen. „Manche arbeiten eher wie Makler: Sie kontaktieren erst die Kandidaten und suchen dann nach passenden Angeboten für sie”, erklärt er. Für die Bewerber sei diese Praxis jedoch mithin riskant, da sie keinen Überblick darüber hätten, an welche Firmen ihr Lebenslauf weitergeleitet werde: „Für eine Führungskraft, die einen guten Ruf zu verteidigen hat, kann das problematisch sein.”

Man sollte sich deshalb genau erkundigen, ob es bereits ein Anforderungsprofil für die potenzielle Stelle gebe und ob man dieses einsehen dürfe. „Nach dem Namen des Unternehmens, das einen Mitarbeiter sucht, sollte man aber beim ersten Kontakt nicht fragen. Dieser bleibt zunächst inkognito”, sagt Vogel.

Ist die angebotene Position tatsächlich einen Jobwechsel wert, sollte man seinem jetzigen Chef allerdings nicht gleich die Kündigung servieren. „Man darf auf keinen Fall davon ausgehen, dass man eine Stelle schon in der Tasche hat, nur weil der Headhunter damit an einen herangetreten ist”, sagt Lichius. Gehe man auf das Angebot ein, werde man zu einem normalen Bewerber unter mehreren Kandidaten, gegen die man sich durchsetzen müsse. „Ich rate daher auch dringend davon ab, mit dem Anruf des Headhunters zu prahlen und vielen Leuten davon zu erzählen”, sagt Lichius.

Wer über einen Stellenwechsel nachdenkt, muss aber nicht tatenlos warten, bis endlich mal ein Headhunter anruft. „Man kann Headhunter auch durchaus selbst kontaktieren. Eine Initiativbewerbung mit der Information, dass man sich beruflich verändern möchte, wird von den Vermittlern gerne angenommen”, sagt Vogel.

Dabei sollte man darauf achten, sich an eine allgemeine Adresse im Unternehmen zu wenden. „Richtet man sein Schreiben nur an einen Berater, kann es sein, dass dieser den Kontakt nicht weitergibt, falls er in seinem Geschäftsbereich kein passendes Angebot findet”, sagt Vogel.
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