Düsseldorf - Abheben oder überweisen? Fallen bei der Auflösung von Sparbüchern

Abheben oder überweisen? Fallen bei der Auflösung von Sparbüchern

Von: Sebastian Knoppik
Letzte Aktualisierung:
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150.000 Euro für die Katz: Ein Hausbesitzer aus Düsseldorf darf zwei bei Renovierungsarbeiten gefundenen Geldkassetten nicht behalten. Foto: dpa

Düsseldorf. Auf dem vor vielen Jahren angelegten Sparbuch hat sich eine hübsche Summe angesammelt. Mehrere zehntausend Euro hat der fleißige Sparer auf die hohe Kante gelegt.

Allerdings ärgert er sich über die mickrigen Zinsen und will das Geld lieber woanders für sich arbeiten lassen, vielleicht auf einem Tagesgeldkonto. Doch so einfach ist das gar nicht. Das Geld direkt auf ein anderes Konto überweisen kann man nicht. Zunächst ist mindestens ein Umweg nötig, der auch zu Kosten führen kann.

Das Sparbuch steht immer noch hoch im Kurs. Rund 52 Prozent der Deutschen haben eines, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des Verbands Privater Bausparkassen 2011 ergab. Laut Bundesbank-Statistik lagen im Januar 2012 mehr als 500 Milliarden Euro auf deutschen Sparbüchern. Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf kann verstehen, dass der Klassiker bei den deutschen Sparern immer noch beliebt ist: „Da weiß man, was man hat. Das ist ein Produkt, das man von Kindheit an kennt.”

Doch Sparbücher liefern ihren Besitzern meist nur eine geringe Rendite. Laut einer Auswertung der unabhängigen Finanzberatung Max Herbst (FMH) bieten sie im Schnitt lediglich Zinsen in Höhe von 0,64 Prozent. Einige wenige Anbieter zahlen zwar mehr als 2 Prozent. Bei den meisten Banken liegt der Zinssatz aber bei unter 1 Prozent.

Heute gibt es nicht mehr nur das Sparbuch aus Pappe, wie Steffen Steudel, Sprecher des Spitzenverbands Die Deutsche Kreditwirtschaft in Berlin, erklärt: „Grundsätzlich gibt es zwei Varianten von Spareinlagen: zum einen das klassische gebundene Sparbuch, in das die Zinsgutschriften und Einzahlungen eingetragen werden, und zum anderen eine neuere Form, bei der der Kunde anstelle eines gebundenen Sparbuchs Kontoauszüge erhält, auf denen die Umsätze vermerkt werden.” Bei einer weiteren Variante könne der Kunde seine Sparumsätze per Online-Banking vom heimischen Computer aus verwalten.

Für alle diese Formen des Sparbuchs gilt: „Spareinlagen sind nicht zum Zahlungsverkehr zugelassen, unabhängig davon, ob der Kunde ein gebundenes Sparbuch oder Sparkonotoauszüge enthält”, erklärt Steudel. Und dies führt zu einem Problem, wenn man das Geld umschichten möchte, wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart erklärt: „Von einem Sparbuch kann man in der Regel kein Geld überweisen.”

Der Kunde müsste sich das Guthaben also auszahlen lassen und mit mehreren Zehntausend Euro Bargeld in der Tasche zu seiner Hausbank gehen. Allerdings lässt sich dieser unsichere Weg vermeiden. Besonders einfach ist es, wenn der Kunde bei der Bank, die das Sparbuch führt, auch ein normales Girokonto hat. „Man kann sein Geld sofort wieder auf sein Girokonto einzahlen”, sagt Nauhauser. In der Regel werde das Sparguthaben dabei vom Sparbuch auf das Konto transferiert, ohne dass der Kunde das Geld tatsächlich in den Händen hält. Gebühren fallen dafür in der Regel nicht an.

Etwas komplizierter und meist auch kostspieliger wird es, wenn man bei der Bank, die das Konto führt, kein Girokonto hat. „Hat man sein Girokonto bei einer anderen Bank, ist es ratsam, sich das Geld bar auszahlen zu lassen und bei seiner Bank selbst einzuzahlen”, empfiehlt Banken-Sprecher Steudel. Das bedeutet allerdings wieder, dass man eine größere Summe Bargeld erst einmal mit sich herumschleppen muss.

Eine andere Variante besteht darin, das abgehobene Bargeld von der Sparbuch führenden Bank auf sein Girkonto bei der Hausbank überweisen zu lassen. „Die Banken verlangen dafür Gebühren”, erklärt Verbraucherschützer Nauhauser. Wie hoch die Kosten sind, ist von Bank zu Bank unterschiedlich geregelt. Nach Erkenntnissen von Nauhauser kann die Gebühr bei einer Summe von mehreren Zehntausend Euro mehr als 100 Euro betragen.

Die Bank kann das Geld aber auch auf das Girokonto bei der Hausbank überweisen, ohne dass das Geld zuvor an den Kunden ausgezahlt werden muss. „Es gibt die Möglichkeit, dass die Bank das über ihr allgemeines Verrechnungskonto bucht”, erklärt Verbraucherschützer Feck. Auch hierfür werden aber meist Gebühren verlangt. Und außerdem sei die Bank rechtlich nicht zu dieser komfortableren Variante verpflichtet. In der Regel zeigten sich die Institute aber kulant.

Wohin aber nun mit dem Geld, das nun auf dem Girokonto schlummert? Wer es nicht sofort für eine größere Investition ausgeben möchte, sollte sich nach einer sinnvollen Anlage umsehen. Was sinnvoll ist, hängt davon ab, wie lange man auf das Geld verzichten kann und wie groß die eigene Risikobereitschaft ist.

Wer ein ähnliches Produkt wie das Sparbuch sucht, ist nach Expertenmeinung mit einem Tagesgeldkonto gut beraten. So bietet es die gleiche Sicherheit wie das Sparbuch, sagt Verbraucherschützer Feck: „Es unterliegt auch der deutschen Einlagensicherung.”

Anders als beim Sparbuch sei das Tagesgeld ständig verfügbar. Der Kunde muss keine Kündigungsfrist einhalten. Vor allem aber ist die Rendite meist deutlich besser. Laut FMH-Finanzberatung liegt sie im Schnitt bei 1,6 Prozent. Top-Anbieter zahlen sogar 2,8 Prozent. Etwaige Gebühren für das Umschichten holt man da schnell wieder rein.
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