Oranienburg - Zwischenzeugnis und Schulempfehlung: Endspurt bringt wenig

Zwischenzeugnis und Schulempfehlung: Endspurt bringt wenig

Von: Carina Frey, dpa
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Für die Schulempfehlung bringt es nichts mehr, wenn sich Schüler im zweiten Halbjahr im Unterricht ins Zeug legen. Foto: dpa

Oranienburg. Für Viertklässler ist es ein wichtiger Moment: die Vergabe der Zwischenzeugnisse Ende Januar. Denn aus den Noten ergibt sich die Empfehlung für die weiterführende Schule.

In der Hälfte der Bundesländer haben Eltern das letzte Wort, wenn es darum geht, ob ihr Kind auf Haupt-, Realschule oder Gymnasium geht, erläutert der Bundeselternrat (BER) in Oranienburg (Brandenburg). In den anderen Ländern zählt die Entscheidung der Schule. Die kann durch Beratungen, Aufnahmeprüfungen oder Probeunterricht zwar revidiert werden. Ein Kind durch Nachhilfe oder gemeinsames Pauken gezielt darauf vorzubereiten, sehen Elternvertreter allerdings kritisch.

Lässt sich die Schulempfehlung durch gute Noten noch ändern?

In vielen Fällen - etwa in Nordrhein-Westfalen (NRW), Baden-Württemberg und Bayern - ist das im zweiten Schulhalbjahr nicht möglich. Es zählt das Zwischenzeugnis. In Sachsen kann durch eine Verbesserung des Notendurchschnitts bis Ende des Schuljahres noch eine neue Empfehlung ausgestellt werden, erklärt Gisela Grüneisen vom Landeselternrat Sachsen. Die Wunschschule könne dann aber schon ausgebucht sein.

Gibt es andere Wege, noch auf die Höhere Schule zu kommen?

Ja, aber die sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt. Beispiel NRW: Dort können Eltern ihr Kind für einen dreitägigen Prognoseunterricht anmelden, der im Laufe des zweiten Schulhalbjahres stattfindet, erklärt Birgit Völxen von der Landeselternschaft NRW. Jeweils ein Vertreter des Schulamtes, der weiterführenden Schule und der Grundschule begutachten das Kind. Nur wenn sie die Schulempfehlung einstimmig teilen, werde sie verbindlich. Sieht einer das Kind auch in einer höheren Schule, darf es dorthin wechseln.

In Baden-Württemberg gibt es eine Aufnahmeprüfung. Davor spricht ein externer Beratungslehrer mit dem Kind über seine Wünsche und macht Tests mit ihm, erläutert Christiane Staab, Vorsitzende des Landeselternbeirates Baden-Württemberg. Der Beratungslehrer könne danach ein Votum in der Klassenkonferenz geben, dem diese aber nicht folgen muss. Stimmt diese Entscheidung nicht mit dem Wunsch der Eltern überein, könne das Kind eine Aufnahmeprüfung absolvieren.

Ist es sinnvoll, das Kind auf Prüfung und Probeunterricht vorzubereiten?

Nur bedingt. War ein Kind längere Zeit krank oder hatte es einen Hänger, weil zum Beispiel die Oma gestorben ist, könne es helfen, das Kind vor dem Probeunterricht oder der Prüfung gezielt zu fördern, meint Staab. Auch bei einem Schüler, der im ersten Halbjahr der vierten Klasse schlicht zu faul zum Lernen war, könne „ein Schubs der Eltern” helfen.

Anders sieht das aber bei Schülern aus, die immer ihre Hausaufgaben gemacht und vor Arbeiten gelernt haben. „Dann würde ich keine Nachhilfe oder viel Lernen empfehlen”, sagt Staab. Wichtig sei, kritisch zu fragen, ob das Kind die nächsthöhere Schule aus sich heraus schafft oder nicht. Wenn es schon in der vierten Klasse auf ständige Nachhilfe angewiesen ist, werde es mit den steigenden Anforderungen in der fünften kaum klarkommen.

„Ich würde es dem Kind überlassen, ob es den Probeunterricht machen möchte”, rät Birgit Völxen. Entscheidet sich das Kind dafür, gelte es, den Unterricht als Chance zu sehen. „Wenn es nicht klappt, sollte das auch in Ordnung sein.” Denn der Druck auf die Schüler sei enorm groß, ergänzt Heike Hein vom Bayerischen Elternverband: „Die Kinder werden drei Tage lang in einer fremden Schule von fremden Lehrern auf Herz und Nieren geprüft. Das packt nicht jedes Kind.”
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