Zorn macht männlich, Freude weiblich

Von: ddp
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Heute schon gelacht? Das ist gut, denn die meisten Menschen gehen viel zu ernst durchs Leben. Foto: ddp

Moffett. Der Gesichtsausdruck beeinflusst die Geschwindigkeit und Präzision, mit der Menschen ihr Gegenüber als Mann oder Frau einordnen. Zu diesem Schluss kam ein internationales Forscherteam um Ursula Hess von der University of Quebec in Montreal.

In Versuchen mit Freiwilligen fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein zorniges Gesicht prinzipiell männlicher wirkt, während Freude oder Angst einem Gesicht weiblichere Züge verleihen. Dementsprechend konnten die Versuchsteilnehmer ein zorniges Männergesicht oder eine fröhlich aussehende Frau besonders schnell dem richtigen Geschlecht zuordnen.

Um aber beispielsweise eine Frau mit zornigen Gesichtszügen als Frau zu erkennen, benötigten die Probanden deutlich mehr Zeit. Ihrem Gehirn fiel es offensichtlich schwer, den Gegensatz zwischen dem weiblichen Gesicht und der als männlich eingestuften Emotion aufzulösen. Von ihren Erkenntnissen berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Vision” (Band 9, Nr. 12, S. 1).

Aus früheren Studien war bekannt, dass männliche Gesichter als umso männlicher wahrgenommen werden, wenn sie zornig aussehen. Der Grund: Wer zornig schaut, zieht dabei die Augenbrauen zusammen und verkürzt dadurch den Abstand zwischen den Brauen und der Oberlippe - ein optisches Merkmal, das als männlich eingestuft wird.

Bei einem weiblichen Gesicht wirken hingegen die Emotionen Freude und Furcht verstärkend: Angst geht mit weit aufgerissenen Augen einher und dadurch mit einer verlängerten Brauen-Oberlippen-Achse, einem typisch weiblichen Attribut. Auch ein fröhliches Frauengesicht wird als besonders weiblich interpretiert, denn beim Lachen oder Lächeln runden sich die Gesichtszüge.

Ursula Hess und ihre Kollegen fragten sich nun, ob der Gesichtsausdruck bei der Frage Mann oder Frau sogar zum alleinigen Erkennungsmerkmal werden kann. Zudem interessierte sie, ob die Reaktionszeit bei der Geschlechtererkennung von den gezeigten Gefühlen beeinflusst wird.

Um die erste These zu überprüfen, zeigten die Forscher 300 Versuchsteilnehmern Bilder von einem computergenerierten androgynen Gesicht und zwar in den Varianten zornig, ängstlich oder fröhlich. Der Test bestätigte die Wissenschaftler in ihrer Vermutung: Die Probanden stuften das eigentlich geschlechtslose Gesicht deutlich häufiger als weiblich ein, wenn es lächelte oder Angst widerspiegelte. Zeigte es die entscheidenden Merkmale von Zorn hielten die Teilnehmer das Gesicht hingegen meist für das eines Mannes.

Im zweiten Versuch sollten 96 Probanden je 10 männliche und weibliche Gesichter - ebenfalls computergeneriert und in den Varianten zornig, ängstlich oder fröhlich - per Mausklick dem Geschlecht zuordnen.

Anhand der Reaktionszeiten stellten die Forscher fest, dass die Teilnehmer das Geschlecht besonders schnell bestimmen konnten, wenn die anatomischen Gesichtszüge mit den gezeigten Emotionen übereinstimmten: Die Kombinationen männliches Gesicht und Zorn, weibliches Gesicht und Freude oder Angst wurden demnach am schnellsten erkannt. Besonders schwer taten sich die Probanden hingegen, wenn eine Frau die als männlich eingestufte Emotion Zorn zeigte, oder ein Mann ängstlich oder fröhlich schaute.
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