Zollbeamte sind Schmugglerjäger und Artenschützer

Von: Claudia Bell, dpa
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Zollbeamte sind Schmugglerjäger und Artenschützer
Ein Zollbeamter durchsucht am Flughafen in München den Koffer eines Passagiers. Foto: Andreas Gebert/dpa/tmn

Freiburg/Münster. Schmuggler sind erfinderisch: Im September fanden Zollbeamte 25 Kilo Kokain - abgefüllt in rund 800 Deoroller. Solche Funde zeigen, mit was für gewieften Tricksern es Zollmitarbeiter zu tun haben. Und sie machen noch mehr, als Schmugglern das Handwerk zu legen.

Der Schinken in Griechenland war besonders lecker. So lecker, dass man unbedingt ein großes Stück davon aus dem Urlaub mit nach Hause nehmen wollte - doch aus dem Verzehr am heimatlichen Küchentisch wurde leider nichts.

„Solche Mitbringsel muss der Zoll leider am Flughafen beschlagnahmen, auch wenn es keine große Menge ist”, erklärt Armin Winterhalter von der Bundesfinanzdirektion Südwest in Freiburg. Denn auch wenn solche Dinge in kleinen Mengen eigentlich nicht zu verzollen sind, müssen die Zollbeamten hierbei für die Veterinärämter eingreifen und der Einfuhr von Fleisch rigoros den Riegel vorschieben.

Kontrollen am Flughafen sind aber nur eine der Aufgaben, die von den bundesweit rund 40.000 Zöllnern zu erledigen sind. „Wir sind einer der abwechslungsreichsten Berufe innerhalb einer Behörde”, betont Winterhalter.

Längst nicht jeder Zollbeamter fahndet dabei in grüner Jacke und mit Hund an der Leine an Autobahnraststätten oder am Airport nach Schmugglern. Es gebe genügend Beamte, die während ihrer Laufbahn nie eine solche Uniformjacke tragen oder direkten Kontakt mit Gesetzesbrechern haben. „In den fachlich-steuerlichen Bereichen etwa sitzt man meist am Schreibtisch.”

Zollbeamte sind dafür zuständig, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen und die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu schützen. Das beinhaltet es, die Einhaltung von Embargos zu überwachen, Schwarzarbeit zu unterbinden und Produktpiraten das Handwerk zu legen. Oft genug sind Mitarbeiter vom Zoll aber auch als Umweltschützer gefragt.

„Es ist schon verblüffend, welche toten und lebendigen Tiere die Menschen aus dem Urlaub mitbringen”, erzählt Winterhalter. Gerade in diesem Bereich seien Experten gefragt, die sich gut mit dem Thema Artenschutz auskennen. Denn geschützte Pflanzen oder Tierarten wie Korallen darf man nicht von der Reise mit nach Hause nehmen.

Solches Spezialwissen ist aber keine Voraussetzung, um einen der begehrten Ausbildungsplätze zu bekommen. Zollanwärter für den Mittleren Dienst brauchen einen Abschluss von der Realschule. Oder sie haben die Hauptschule und eine Ausbildung absolviert. Für den Gehobenen Dienst ist das Abitur nötig.

Daneben wird Kommunikationstalent sowie Teamgeist, Flexibilität und körperliche Fitness erwartet. Ein Ausbildungsanwärter sollte mindestens 1,63 Meter groß sein und darf keine extreme Sehschwäche haben. Zudem unterschreibt er bereits zu Beginn seiner Ausbildung, dass er deutschlandweit überall eingesetzt werden kann.

„Wir haben jedes Jahr etwa 20.000 Bewerber, können allerdings nur etwa 600 pro Jahr ausbilden - da sind unsere Ansprüche natürlich hoch”, sagt Bernd Wallner vom Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung in Münster, wo die Azubis in der Theorie unterrichtet werden.

Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung zum Zollbeamten. In dieser Zeit werden Anwärter in mehreren Dienststellen eingesetzt. Zwischendurch absolvieren sie mehrmonatige Lehrgänge und Studienabschnitte in der Bildungseinrichtung in Münster und an den Dienstsitzen Sigmaringen und Plessow. „Es braucht eine gute Portion an Biss und Ausdauer, um die Zwischen- und Laufbahnprüfungen zu bestehen”, betont Wallner.

Wallner hat beobachtet, dass die meisten Bewerber inzwischen recht gut über den Beruf Bescheid wissen, wenn sie zum Vorstellungsgespräch kommen. Offenbar hätten TV-Serien dafür gesorgt, dass die Arbeit eines Zollbeamten Jüngeren bekannt ist.

Jeweils zum 1. August beginnt die Ausbildung zum Zollbeamten. Der Bewerbungsschluss ist immer am 1. Oktober des Vorjahres. Die Perspektiven sind gut - denn der Bedarf an Zollbeamten dürfte in den kommenden Jahren noch steigen. Nicht zuletzt für Kontrollen im Kampf gegen Schwarzarbeit würden künftig noch mehr Zollbeamte benötigt, sagt Wallner.

In Deutschland gibt es etwa 40.000 Zollbeamte. Sie sind den fünf Bundesfinanzdirektionen in Nürnberg, Potsdam, Hamburg, Köln und Freiburg unterstellt. Der Verdienst liegt laut der Bundesagentur für Arbeit im Mittleren Dienst zwischen rund 1900 und 2900 Euro brutto im Monat, im Gehobenen Dienst sind es gut 2200 bis 4400 Euro.
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