Wütenden Kleinkindern möglichst liebevoll begegnen

Von: dapd
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Ein Kleinkind. Foto: dpa

Braunschweig. Kleine Kinder bekommen oft mehrmals täglich Wutanfälle: Ihr Gesicht läuft rot an, die Händchen ballen sich zu Fäusten und ein lautes Gebrüll erschüttert Fußgängerzonen und Supermärkte. „Vor allem Zwei- bis Dreijährige werden von ihren Emotionen oft regelrecht überschwemmt”, sagt Maria Siede von der Erziehungsberatungsstelle am Domplatz in Braunschweig.

Die Kleinen könnten ihren Frust nicht in Worten ausdrücken und wüssten auch selbst oft nicht, was sie eigentlich so ärgert. „Zudem ist es Kindern in diesem Alter sehr wichtig, ihre Autonomie zu behaupten”, erklärt die Sozialpädagogin.

Die Expertin rät Eltern, genau zu prüfen, was hinter dem Ausbruch stecken könnte. „Nicht alles, was wie Wut aussieht, ist auch Wut”, gibt Siede zu bedenken. Manchmal sei der eigentliche Grund für den emotionalen Ausbruch beispielsweise Reizüberflutung, Müdigkeit oder auch einfach Trauer darüber, dass niemand mit dem Kind spielen möchte.

Was auch immer der Grund für den Wutanfall ist: „Die Kinder leiden in diesem Moment sehr”, betont Siede. Eltern sollten diese Not sehen und anerkennen - auch wenn die Situation gerade sehr anstrengend ist. Wichtig sei außerdem, dass das Kind die Wut nicht unterdrücken müsse. „Auch Wut ist ein wichtiges Gefühl, das seinen Raum braucht”, betont die Erziehungsberaterin und legt Eltern ans Herz, ihrem Kind in solchen Momenten zu zeigen, dass es sich auch mal aufregen darf und dass sie es dann trotzdem noch lieb haben.

Die Wut am Kissen oder Boxsack auslassen

In der hitzigen Situation helfe es manchmal, wenn man dem wütenden Kleinkind die Möglichkeit gibt, seine Aggressionen abzureagieren. „Beispielsweise könnte man ihm anbieten, auf einen Boxsack oder ein Kissen zu hauen oder mit Schaumstoffschwertern einen kleinen Kampf auszufechten”, sagt Siede. Anderen Kindern helfe es bei einem Wutanfall, wenn sie sich auf ihrem Zimmer austoben dürften. „Man sollte dann aber klar machen, dass man das Kind nicht zur Strafe aus dem Raum schickt - und dass es gleich wiederkommen darf, wenn es sich etwas beruhigt hat”, sagt Siede. Sei das Kind vor lauter Aufregung gar nicht mehr ansprechbar, sei es manchmal gut, es einfach auf den Arm zu nehmen und ohne Gewalt festzuhalten. So gebe man dem Kleinen das Gefühl der Sicherheit.

„Eltern müssen das Geschrei aber auch aushalten”, sagt Siede. Nur so lerne das Kind irgendwann, seinen Frust zu ertragen. „Wenn man hingegen inkonsequent wird und dem Kind nach langem Brüllen doch den geforderten Lolli gibt, gewöhnt sich der Nachwuchs dieses Verhalten schnell an.”

Habe das Kind sich beruhigt, sei es sinnvoll, noch einmal über die Situation zu sprechen. So könne man beispielsweise fragen, was denn gerade so ärgerlich war. Eltern sollten ihren Kindern dann aber auch andere Strategien an die Hand geben, um ihren Frust auszudrücken. „Wenn ein Kind beispielsweise schlägt, wenn man ihm etwas wegnimmt, kann man ihm vorschlagen, das nächste Mal einfach zu sagen, dass es das nicht möchte”, sagt Siede. Wichtig sei aber auch, dieses positive Verhalten dann zu loben, wenn es dem Kind gelingt.
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