Berlin - Womit Eltern rechnen müssen: Soviel kosten Kinder

Womit Eltern rechnen müssen: Soviel kosten Kinder

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Wenn es nur die Schnuller wären: Je älter sie werden, desto mehr Geld müssen Eltern für ihre Kinder einplanen. Foto: dpa

Berlin. Die Entscheidung für ein Kind sollte nicht vom Geldbeutel abhängen. Doch eine vernünftige Planung der Ausgaben für den Nachwuchs schützt vor bösen Überraschungen.

Immerhin rund 120.000 Euro geben Eltern im Schnitt bis zur Volljährigkeit für ihre Kinder aus, haben Experten errechnet. Das Zahlen fängt bei der Erstausstattung für das Baby an und hört bei Ausbildungskosten in der Regel noch lange nicht auf. Womit Eltern rechnen müssen, lässt sich für jede Lebensphase aufrechnen.

Aus den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden geht hervor, dass die deutsche Durchschnittsfamilie Monat für Monat 549 Euro pro Kind ausgibt. Veröffentlicht wurden die Daten 2003. Das sei allerdings nur ein Anhaltspunkt, erläutert Reiner Hardt, Leiter des Beratungsdienstes „Geld und Haushalt” des Sparkassenverbands in Berlin: „Wieviel Geld ein Kind tatsächlich kostet, hängt vom Alter und vom wirtschaftlichen und sozialen Umfeld ab.”

Neben Eltern interessieren sich auch Wirtschaftswissenschaftler für diese Zahlen. Wer die durchschnittlichen Ausgaben bis zum 18. Lebensjahr hochrechnet, kommt auf rund 120.000 Euro. Das ist der Wert eines kleinen Einfamilienhauses, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Wissenschaftler haben 2007 für alle Haushalte die Werte zusammengezogen. Die Summe unter dem Strich: 237,4 Milliarden Euro.

Ein bestimmender Faktor ist das Einkommen der Eltern. So wenden Geringverdiener mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von bis zu 1717 Euro laut der amtlichen Statistik durchschnittlich 325 Euro für ein Kind auf. Bei gut verdienenden Paaren mit einem Einkommen von mehr als 5427 Euro steigen die Ausgaben auf 862 Euro. Und die Zahlerei beginnt schon vor der Geburt.

Allein für die Baby-Erstausstattung haben die Experten von „Geld und Haushalt” Kosten von rund 3000 Euro errechnet - von der Steckdosensicherung für einen Euro bis zum Kinderwagen zu Preisen ab 200 Euro. Eltern können schon zu diesem Zeitpunkt mit dem Sparen anfangen, empfiehlt Hardt. Alte Tugenden machen sich bezahlt: „Man sollte sich überlegen, ob man Dinge wie einen Kinderwagen ausleihen oder aus zweiter Hand kaufen kann.”

Wird das Kind älter, entfällt etwa die Hälfte der Aufwendungen für sogenannte „sächliche Ausgaben” - also für Nahrung und Kleidung. Der Rest seien Ausgaben für Betreuung, Erziehung und Ausbildung, wie Siegfried Stresing, Geschäftsführer des Deutschen Familienverbandes in Berlin, erklärt. Die Betreuungs- oder Ausbildungskosten können Eltern meist nur bedingt beeinflussen.

An Lebensmitteln und Kleidung lässt sich allerdings sehr wohl sparen, sagt Stresing. Preisvergleiche helfen. „Und es ist nichts dagegen einzuwenden, im Discounter einzukaufen.” Er rät außerdem, Kinderkleidung im Second-Hand-Laden oder auf dem Basar zu kaufen - sie werde häufig nur kurz getragen. Das werde mit zunehmendem Alter der Kinder schwieriger, räumt der fünffache Familienvater ein: „Ein 15-Jähriger wird sich damit nicht abfinden.”

Nicht nur deswegen steigen die Ausgaben für Kinder mit zunehmenden Alter, hat die Redaktion der Zeitschrift „Guter Rat” mit Sitz in Berlin ausgerechnet: Während Kinder bis zum Alter von 6 Jahren durchschnittlich 33 552 Euro kosten, sind es in der Phase vom 13. bis zum 18. Lebensjahr 47 232 Euro. „Hier bewahrheitet sich mal wieder der Spruch: Kleine Kinder - kleine Sorgen. Große Kinder - große Sorgen”, schlussfolgert Stresing.

Kostentreiber insbesondere in der letzten Phase bis zur Volljährigkeit sei auch der Konsumdruck, dem Kinder und deren Eltern oft ausgesetzt sind. Es müssten aber nicht immer Markenklamotten sein, findet Hardt. Wer es schafft, sich davon zu befreien, hat es gut: „Dann ist es auch finanziell kein Problem, Kinder zu haben.”

Informationen: Eine kostenlose Budgetanalyse können Familien unter http://www.geldundhaushalt.de erstellen lassen. Hier gibt es auch Publikationen und Rechenhilfen. In der Rubrik „Tipps” findet sich die Aufstellung über die Kosten für die Erstausstattung.

Literatur: Elke Pohl: Finanzratgeber für die junge Familie, Ratgeber der Verbraucherzentralen, ISBN 978-3938174371, 9,80 Euro.

Neben laufenden Kosten Vorsorge nicht vergessen

Manche Eltern empfinden es so, dass die Kinder ihnen die Haare „vom Kopf fressen”. Experten raten aber, trotz aller regelmäßigen Etatbelastungen auch für später etwas zurückzulegen: „Man sollte auf jeden Fall frühzeitige Vorsorge treffen für die Ausbildung”, rät Reiner Hardt vom Beratungsdienst „Geld und Haushalt”. Unerlässlich sei auch die Absicherung für den Fall, dass der Hauptverdiener ausfällt - das leiste zum Beispiel eine Risikolebensversicherung.
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