Berlin - Weltweit gefragt: Bierbrauern stehen viele Berufswege offen

Weltweit gefragt: Bierbrauern stehen viele Berufswege offen

Von: Andreas Thieme, dpa
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Weltweit gefragt: Bierbrauern stehen viele Berufswege offen
Von Hand gebraut wird Bier heute kaum noch: Den Gärprozess überwachen Brauer und Mälzer meist am Computer. Foto: dpa

Berlin. „Hopfen und Malz - Gott erhalts” lautet ein bekannter Spruch unter Biertrinkern. Nicht nur der Genuss des „kühlen Blonden”, auch seine Herstellung hat in Deutschland lange Tradition. Etwa 110 Millionen Hektoliter Bier werden hierzulande jährlich gebraut, 14 Millionen davon weltweit exportiert.

Den Gärprozess überwachen Brauer und Mälzer heute meist am Computer. Dazu braucht es neben einer Portion Leidenschaft auch technisches Know-how.

Von Hand gebraut wird Bier kaum noch. „Bierbrauer haben eher mit der Produkt- und Prozessüberwachung zu tun”, sagt Michael Assenmacher von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin. Sie müssen technische Einrichtungen, Anlagen und größere Maschinen bedienen, mit denen der Brauprozess gesteuert wird. Die Tätigkeit des Brauers erfordere daher ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Sorgfalt.

Vom Einkauf der Rohstoffe bis zum Abfüllen des Biers ist der Brauer für den gesamten Herstellungsprozess zuständig. Er hat auch die Verantwortung für die Hygiene der Rohre und Tanks, in denen das Bier gebraut wird, und muss Proben entnehmen. Bewerber für den Beruf sollten daher fit in Mathematik, Chemie und Physik sein, da sie auch Analysen und Berechnungen machen müssen, erklärt Assenmacher. Die Maische müsse bei einer bestimmten Temperatur durchkochen, der Gärprozess stimmen und das Malz vom Vorlieferanten geprüft werden.

Das Berufsbild habe sich seit der Einführung der automatisierten Sud-, Gär- und Abfüllprozesse in den Brauereien stark gewandelt, sagt Achim Nieroda vom Deutschen Brauer-Bund in Berlin. Wo früher noch die Gärbottiche von Hand gereinigt wurden, seien heute eher EDV-Kenntnisse gefragt, die in der dreijährigen Berufsausbildung zum Brauer und Mälzer vermittelt werden. Darin lernen die Azubis auch die Rohstoffe der Bierproduktion kennen, üben sich im Bereiten von Malz sowie dem Bedienen und Warten von Brau- und Abfüllanlagen.

„Auch die Anforderungen an Auszubildende haben sich durch die technischen Innovationen der letzten 20 Jahre wesentlich geändert”, ergänzt Anica Stief von der Brauerei Binding in Frankfurt/Main. Das Handwerk sei einer systemorientierten Steuerung gewichen, in der mit modernster Messtechnik gearbeitet wird. Technisches Verständnis und analytisches Denken sind daher eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung.

Gefragte Fähigkeiten sind laut Nieroda auch eine rasche Beobachtungsgabe, Konzentrationsfähigkeit und eine schnelle Reaktion. Körperliche Arbeit falle eher in kleineren Brauereien an, in denen die Automatisierung noch nicht so weit ist. Damit das Bier nicht nur schmeckt, sondern sich der Verkauf für die Brauereien auch rechnet, werde betriebswirtschaftliches Wissen in der Berufsschule vermittelt. Daneben stehen Mikrobiologie, Botanik, Biochemie und Analytik auf dem Lehrplan der jährlich rund 800 Auszubildenden.

Gute Chancen auf eine Lehrstelle haben Schüler mit einem sehr guten Hauptschul-, einem guten Realschulabschluss oder Abitur, sagt Stief. Die breitgefächerte Ausbildung zahlt sich aus: Neben den klassischen Sparten Brauerei und Mälzerei hätten Bierbrauer anschließend die Möglichkeit, in der Softdrink-Produktion, der Mineralwasserherstellung, in Molkereien oder der Zulieferer-Industrie zu arbeiten. Sie verdienen dort nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes zwischen 2000 und 2500 Euro im Monat - je nach Größe und Standort der Brauerei. Auch die Pharmaindustrie ist laut Nieroda ein potenzieller Arbeitgeber für Brauer und Mälzer, da die Produktions- und Überwachungsmechanismen mitunter sehr ähnlich sind. Zudem kann sich jeder Brauer selbstständig machen.

„Da Bier weltweit gebraut wird, bestehen mit Gesellenbrief auch gute Chancen auf einen Job im Ausland”, sagt Stefan Leppin von der Warsteiner Privatbrauerei. Vorteilhaft dafür ist der Ruf Deutschlands als Land des Bieres - deutsche Brauer seien im Ausland hoch angesehen. „Wer bereit ist, auch international zu arbeiten, hat sehr gute Karrierechancen”, hat Wolfgang Janssen vom Friesischen Brauhaus zu Jever beobachtet.

In Deutschland sinken die Beschäftigtenzahlen dagegen stetig. Waren 1996 noch 45 038 Bierbrauer am Werk, gab es laut dem Statistischen Bundesamt 2007 nur noch 30 953. „Die Anzahl der Brauerei sinkt aber nicht, sondern der Automatisierungsgrad steigt an”, erklärt Nieroda. Dadurch werde weniger Personal benötigt.

Neben den Tätigkeiten in der Bierproduktion sind Brauer und Mälzer auch im Ausschank tätig. Dort werde das fertige Produkt gefiltert, in Fässer abgefüllt und schließlich für die Lagerung oder den Endversand vorbereitet, erklärt Assenmacher. Immer wichtiger seien Aufgaben im Vertrieb, wo es etwa darum geht, Trends am Markt aufzuspüren und neue Szenedrinks wie Biermischgetränke zu entwickeln. „Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.”

Weiterbildungsmöglichkeiten für Bierbrauer

Brauer und Mälzer können sich vielfach weiterbilden. Gesellen können laut Wolfgang Janssen vom Friesischen Brauhaus zu Jever an der Brauerschule Ulm, der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) in Berlin oder der Doemens-Akademie in München zum Braumeister aufsteigen. Einen Studiengang zum Diplom-Braumeister bieten die VLB Berlin und die TU Weihenstephan, wo Bewerber mit Hochschulreife auch einen Abschluss als Brauerei-Ingenieur erwerben können.
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