Bremen/Freiburg - Wann kommt Opa zurück? Trauernde Kinder verstehen und begleiten

Wann kommt Opa zurück? Trauernde Kinder verstehen und begleiten

Von: Maria Hilt, ddp
Letzte Aktualisierung:
Trauer Tod Kinder
Wenn Kinder trauern, sind gute Erklärungen wichtig. Foto: ddp

Bremen/Freiburg. Vor der endgültigen Trennung von einem nahestehenden Menschen möchte man Kinder am liebsten bewahren. Doch viele müssen schon in jungen Jahren die Erfahrung machen, dass der Tod ihnen Eltern, Großeltern oder Freunde entreißt.

Damit ein Kind so ein einschneidendes Ereignis gut verkraftet, sollten Erwachsene es in dieser Zeit aufmerksam begleiten - und vor allem ehrlich zu ihm sein. „Kinder spüren ganz intensiv, wenn ihre Eltern traurig sind. Wenn sie den Grund dafür nicht kennen, fantasieren sie sich möglicherweise besonders bedrohliche Szenarien zusammen oder entwickeln diffuse Schuldgefühle„, sagt Gertraud Finger, Autorin des Ratgebers „Wie Kinder trauern”.

Es sei daher wichtig, Kindern gleich von dem Todesfall zu berichten und dabei klare Formulierungen zu verwenden. „Umschreibungen wie er ist eingeschlafen oder sie ist auf eine lange Reise gegangen werden von Kindern wörtlich genommen. Dadurch entstehen möglicherweise Ängste, etwa dass der schlafende Opa im Sarg plötzlich aufwacht und eingesperrt ist”, sagt Finger.

Bis zum Grundschulalter wissen Kinder allerdings meist noch nicht, was tot sein überhaupt bedeutet. Oft stellen sie sich vor, dass Tote zwar nicht mehr Rad fahren können, dass sie aber beispielsweise im Grab frieren. „Dass der Tod etwas Endgültiges ist, begreifen sie noch nicht. Man sollte Kindern diesen Zustand daher konkret erklären”, sagt Finger. Beispielsweise könne man erläutern, dass der Opa nie wieder mit dem Kind in den Zoo gehen wird und nie wieder mit ihm Bücher lesen kann.

„Vor allem Vorschulkinder belasten sich nach dem Tod eines nahestehenden Menschen oft mit Schuldgefühlen”, sagt die Diplom-Psychologin. Sie fürchteten dann etwa, sie hätten durch einen Streit oder durch Wut auf den Verstorbenen dessen Tod verursacht. Dieses „dunkle Geheimnis” beschäftige die Kleinen oft stark. „Es ist daher wichtig, dass man dem Kind schon vorbeugend ganz deutlich sagt: Niemand hat Schuld an Opas Tod, Du auch nicht. Er wusste genau, dass Du ihn sehr lieb hast.”

Wenn man keine starken emotionalen Reaktionen von den Trauergästen erwarte, könne man ein Kind durchaus zu einer Beerdigung mitnehmen. „Dabei ist es wichtig, dass es von jemandem begleitet wird, der Fragen beantworten und die Beerdigung jederzeit mit dem Kind verlassen kann, wenn es das wünscht”, sagt Finger. Außerdem sollte man Kinder vorher darauf vorbereiten, was sie auf dem Friedhof erwartet: „Man muss beispielsweise erklären, dass der Tote in einem Sarg liegen wird, aber dass er nichts mehr spürt und sich auch nicht eingesperrt fühlt.”

Außerdem sollten Kinder wissen, dass die meisten Leute auf einer Beerdigung schwarz angezogen sind, dass viele weinen werden und dass auch sie selbst unter Umständen weinen müssen. „Wenn der Tote nicht entstellt ist, kann es für Kinder sehr gut sein, ihn vor dem Begräbnis noch einmal zu sehen. Aber auch dabei sollten die Kleinen von jemandem begleitet werden”, sagt Finger. So hätten sie die Gelegenheit, sich noch einmal persönlich zu verabschieden und dem Toten vielleicht ein selbst gebasteltes Abschiedsgeschenk in den Sarg zu legen.

Meistens sind Eltern auch stark mit ihrer eigenen Trauer beschäftigt. „Man kann seine Trauer vor Kindern nicht ganz verstecken, und das muss man auch nicht”, sagt Beate Alefeld-Gerges vom Zentrum für trauernde Kinder in Bremen. Allerdings sollte Eltern klar sein, dass sie gerade in dieser schwierigen Zeit die wichtigste Bezugsperson für ihr Kind sind: „Man sollte versuchen, dem Kind jetzt Stabilität zu geben und ihm seinen Alltag zu bewahren.”

Eltern und Kinder könnten oft nicht gemeinsam trauern, da sie verschiedene Bedürfnisse hätten. „Kinder trauern anders als Erwachsene und zeigen dabei oft Verhaltensweisen, die Erwachsene nicht verstehen”, sagt Gertraud Finger. So könne es vorkommen, dass Kinder lachen, wenn sie von dem Todesfall erzählen, dass sie Aggressionen zeigen oder dass sie sich plötzlich wieder wie ein kleines Kind verhalten.

Beate Alefeld-Gerges hält es daher für ratsam, wenn sich sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder mit ihrer Trauer an Außenstehende wenden. Für die erste Zeit nach dem Todesfall empfiehlt sie, Kindern einen Trauerbegleiter an die Seite zu stellen. „Das kann ein Verwandter, Lehrer, Kindergärtner oder eine andere Vertrauensperson sein, die nicht so stark vom Tod der Person mitgenommen ist”, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Ein regelmäßiges Treffen mit diesem Unterstützer könne gerade in der Anfangsphase sehr hilfreich sein. Auch der Besuch in einem Zentrum für trauernde Kinder, wo sich Pädagogen und Psychologen um die Kleinen kümmern, könne Kinder bei ihrer Trauerarbeit unterstützen.

„Kinder sind viel stärker als wir denken”, ist Gertraud Finger überzeugt. Gerade in schwierigen Situationen bewiesen sie oft die Fähigkeit, sich Wege zur Selbsthilfe zu suchen. So verarbeite ein Kind den tödlichen Autounfall einer nahestehenden Person beispielsweise dadurch, dass es ihn immer wieder nachspiele. In diesem Spiel könne es wichtige Fragen nach dem Wie und Warum stellen und besser begreifen, was passiert ist.

„Auch beim Malen und Schreiben setzen sich trauernde Kinder instinktiv mit dem Sterben auseinander und verarbeiten das Geschehen so”, sagt Finger und empfiehlt Eltern daher, ihren Kindern die Freiheit zu gewähren, ihren eigenen Weg des Trauerns zu finden und sie dabei zu unterstützen.
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