Vierbeinige Freunde: Welches Tier zu welchem Kind passt

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Mit einem Meerschweinchen schmusen: Das wünschen sich viele Kinder. Welches Haustier zu welchem Kind passt, muss jedoch im Vorfeld überlegt werden. Foto: ddp

Bremen. „Ich hätte so gerne ein Meerschweinchen!” oder „Darf ich einen Hund haben?”: Viele Kinder wünschen sich sehnlichst ein Haustier. Doch selbst wenn die Eltern einverstanden sind: Einfach losziehen und einen Vierbeiner kaufen, das geht nicht.

Denn Haustiere können nicht nur zu treuen Gefährten werden, sie verlangen auch eine Menge Verantwortung und Pflege.

Grundsätzlich seien Tiere eine Bereicherung für Jungs und Mädchen, sagt Carolin Hinz vom Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft in Bremen. „Mit ihnen lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen und die Bedürfnisse anderer Lebewesen zu beachten.” Allein das Streicheln eines Vierbeiners kann Schulstress reduzieren. „Es ist darüber hinaus gut für das Selbstwertgefühl, wenn Kinder merken, dass sie gebraucht werden.”

Trotzdem sollte nicht jeder Sprössling, der sich ein Tier wünscht, tatsächlich eines bekommen. „Wenn die Kinder zu jung sind, können sie meist nicht einschätzen, wann sie einem Tier wehtun”, erklärt Dieter Krowatschek, Diplom-Psychologe und Buchautor aus Marburg. Mindestens sechs Jahre alt sollte der Sohn oder die Tochter deswegen sein, bevor der erste Vierbeiner oder auch Vogel angeschafft wird.

Doch auch Väter und Mütter, die das beachtet haben, sollten zwei Dinge wissen: Ein Teil der Arbeit wird an ihnen hängenbleiben - und es empfiehlt sich, zu kontrollieren, ob das Kind seine Aufgaben rund um den tierischen Schützling erledigt. „Tiere haben Ansprüche, die nicht alle von Kindern oder Jugendlichen erfüllt werden können”, sagt Astrid Behr, Sprecherin des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte in Frankfurt/Main. Und welches Tier sollte es sein?

Hunde sind als Rudeltiere ideal für Familien, so Behr. Allerdings gelte: „Ein jüngeres Kind wird in der Rangordnung nie über einem Hund stehen, deshalb spielen die Eltern bei der Erziehung und Haltung eine zentrale Rolle.” Der Vierbeiner dürfe nicht für das Kind allein gekauft werden, die Eltern müssen ihn ebenfalls wollen. „Denn auch das Gassigehen kann Kinder immer wieder in Situationen bringen, die sie überfordern” - etwa, wenn der eigene Vierbeiner plötzlich blindwütig auf einen anderen losgeht.

Grundsätzlich können Hunde aber ideale Partner für Kinder werden, ist Expertin Hinz überzeugt: „Hunde brauchen viel Aufmerksamkeit, so können Kinder Verantwortung lernen.” Collie, Labrador und Co. zeigen deutlich, dass sie Zuneigung brauchen und genießen. Außerdem können Kinder mit ihnen draußen spielen und sitzen dadurch weniger zu Hause.

Katzen sind eigenwilliger als Hunde. Laut Dieter Krowatschek gehen zwar auch sie auf Kinder zu und nehmen Kontakt auf. Doch besonders Exemplare mit Freigang stehen nicht so oft bereit wie ein Hund. „Kinder müssen lernen und akzeptieren, dass eine Katze nicht immer geschmust werden will und ihre Ruhe braucht”, ergänzt Carolin Hinz.

Letzteres kann der Expertin zufolge aber auch ein entscheidender Vorteil sein: „Katzen benötigen nicht so viel Aufmerksamkeit wie Hunde, sie können leichter ein paar Stunden alleine gelassen werden.” Das sei gerade für Kinder mit langen Schultagen oder bereits „flügge” gewordene Jugendliche gut.

Kleintiere wie Nager haben andere Vorteile: „Nicht alle Familien haben die Möglichkeit, einen Hund oder eine Katze zu halten”, sagt Astrid Behr. Das sei mit einem Meerschweinchen, einem Hamster oder einem Kaninchen oft einfacher. Auch die Kosten von der Anschaffung über die Haltung bis zu den Tierarztbesuchen sind meist niedriger. Hinzu kommt, dass Kleintiere einfacher zu versorgen sind und Kinder trotzdem einen Freund zum Kuscheln haben, dem sie auch mal Sorgen oder Wünsche anvertrauen können.

Einschränkungen gibt es aber auch bei Kleintieren: „Hamster sind absolute Einzelgänger und nachts aktiv, das ist für Kinder nicht so schön”, sagt Behr. „Meerschweinchen sind zwar handlicher, sollten aber immer mindestens zu zweit gehalten werden.” Carolin Hinz gibt zu bedenken, dass Meerschweinchen und Kaninchen bei Krach schreckhaft sein können - laute Musik oder mehrere tobende Kinder in einem Zimmer sind alles andere als optimal.

Fische lassen sich nicht streicheln, doch manche Kinder finden sie trotzdem spannend. „Immerhin kann man die Farben bestaunen, die Tiere beobachten und ihr Gruppenverhalten studieren”, sagt Hinz. Die Pflege des Aquariums sei aber so aufwendig, dass die Eltern besser mithelfen - indem sie etwa darauf achten, dass die Aquariums-Technik beim Hantieren mit Wasser auch wirklich vom Stromnetz genommen sind.

Literatur: Dieter Krowatschek: Kinder brauchen Tiere: Wie Tiere die kindliche Entwicklung fördern, Patmos, ISBN: 978-3-4914-0115-0, 14,90 Euro.
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