Viel zu tun für Expats: Richtig krankenversichert zum Job im Ausland

Von: Berit Schmidt, dpa
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Abflug in den neuen Job: Vor der Abreise zum Arbeiten im Ausland sollte alle Fragen rund um das Thema Krankenversicherung geklärt sein. Foto: dpa

Hamburg. Der Ruf ins Ausland lockt viele deutsche Arbeitnehmer. Dort ist das Sozialsystem allerdings häufig anders als hierzulande. Bei der Krankenversicherung gelten besondere Regeln. Deshalb kommen viele der sogenannten Expats nicht umhin, ihren Krankenversicherungsschutz vor der Abreise neu zu justieren.

Mit den Klauseln zu diesem Thema haben sie eine harte Nuss zu knacken - und das in einer Zeit, in der ohnehin viele Änderungen zu organisieren sind.

Entscheidend ist für Expats zunächst, worin genau ihre Tätigkeit besteht. Wenn sie im Ausland für das gleiche Unternehmen wie in Deutschland arbeiten, werden sie im besten Fall ins Ausland „entsendet”, sagt Torsten Janßen, Berater beim Raphaels-Werk in Hamburg. Diesen Status regelt sein Arbeitsvertrag - und er ist von Vorteil.

„Diese Leute bleiben in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Es ändert sich für die Expats also nichts.” Derselbe Fall liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer eigens für das Arbeiten im Ausland angeworben wurde. In beiden Fällen muss das Arbeiten im Ausland befristet sein.

Ob eine Entsendung vorliegt oder nicht, sollten Betroffene prüfen. Dabei hilft die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland beim GKV-Spitzenverband in Berlin. Wer nicht entsendet wird, aber trotzdem für den gleichen Arbeitgeber im Ausland arbeitet, kann unter Umständen eine Gruppenversicherung seines Unternehmens in Anspruch nehmen. In der gesetzlichen Versicherung werden aber nur die Leistungen gewährt, die im jeweiligen Land auch üblich sind, warnt Janßen. So werde in einigen Ländern etwa weniger Krankengeld gezahlt. Zusatzschutz kann daher sinnvoll sein.

Nicht nur entsandte Angestellte stehen allerdings vor dem Problem. Wer auswandert und sich vor Ort auf eigene Faust einen Job sucht, hat ebenso viele Unterlagen zu studieren. Auswanderer müssen sich in Deutschland abmelden und sind damit nicht mehr sozialversicherungspflichtig, erläutert Janßen.

„Krankenversicherungsleistungen können grundsätzlich im Ausland nicht erbracht werden”, heißt es auch in der Broschüre „Versicherung bei Auslandsaufenthalt. Informationen für Auswanderer und Auslandstätige” des Bundesverwaltungsamtes in Köln.

Der erste Schritt sollte daher darin bestehen zu prüfen, ob das Traumland ein Sozialversicherungssystem hat, empfiehlt Janßen. In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sei es gang und gäbe, dass der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer anmelden muss, sobald dieser eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufnimmt. In der Schweiz müssten sich Arbeitnehmer laut Janßen dagegen selbst bei der Krankenkasse anmelden. Die zweite wichtige Frage sei die, ob sofort Anspruch auf Leistungen besteht.

In Kanada müsse ein Arbeitnehmer zwischen einem halben und einem Jahr bei der Krankenversicherung angemeldet sein, bevor er Leistungen nutzen kann. Für den Übergang empfiehlt Janßen eine private Krankenversicherung. „Eventuell greift auch der Arbeitgeber unter die Arme.” Bei einigen Sozialversicherungssystemen lohne sich eine private Aufstockung ohnehin zusätzlich.

Ist ein Arbeitnehmer in Deutschland ohnehin schon privat versichert und verlegt seinen Arbeitsplatz ins Ausland, besteht für die private Vollversicherung Versicherungsschutz innerhalb Europas, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Das gelte zumindest, solange ein Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland weiter besteht. Während des ersten Monats des Aufenthalts gelte die Versicherung ohne besondere Vereinbarungen auch in den außereuropäischen Staaten.

Verlegt der Versicherte seinen „gewöhnlichen Aufenthalt” aber dauerhaft in einen anderen Mitgliedstaat der EU oder in einen anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), liege der Fall anders, warnt Boss. Dann setze sich das Versicherungsverhältnis mit der Maßgabe fort, dass der Versicherer höchstens zu denjenigen Leistungen verpflichtet bleibt, die er bei einem Aufenthalt im Inland zu erbringen hätte.

Das Bundesverwaltungsamt rät in einem solchen Fall, den Versicherungsschutz zu erweitern: Es sollte zum Beispiel darauf geachtet werden, dass „ein medizinisch notwendiger Rücktransport im Sanitätsflugzeug tariflich abgedeckt ist”. Wenn jemand dauerhaft in ein Land außerhalb von EU oder EWR zieht, endet das private Versicherungsverhältnis, sagt Boss. Anderweitige Vereinbarungen können mehr kosten.

Welche Formulare benötigt werden

Bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt benötigen entsandte Arbeitnehmer eine „European Health Insurance Card”. Wer weiter in Deutschland sozialversicherungspflichtig ist, sollte sich das außerdem vor dem Umzug von seinen deutschen Sozialversicherungsträgern bescheinigen lassen. Dazu benötigt man ein sogenanntes E-Formular.

Diese sind beim jeweiligen ausländischen Sozialversicherungsträger einzureichen, um den Anspruch auf Sachleistungen zu übertragen.
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