Verzeihen tut auch der eigenen Psyche gut

Von: ddp
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Hamburg. Manche Konflikte versetzen einem auch nach Jahren noch einen Stich ins Herz. Ein böser Streit unter Freunden, die Enttäuschung über den Seitensprung des Partners - oft wurden solche Erlebnisse nicht verarbeitet und belasten Beziehungen daher nachhaltig.

„Wenn man anderen Menschen verzeihen kann, ist das immer auch für einen selbst gut”, sagt der Hamburger Lebenscoach Tom Diesbrock. Man könne so aus seiner Opferrolle heraustreten, seinen Groll loslassen und sich mit der Vergangenheit aussöhnen.

Jeder Mensch müsse selbst entscheiden, was er verzeihen kann und was nicht. Diesbrock empfiehlt allerdings, in sich zu gehen und zu überprüfen, welche Haltung man wirklich zu einem Konflikt hat.

Manchmal gerieten Menschen in Konfliktsituationen in eine sehr kindliche Trotzhaltung. „Da geht es dann nur noch darum, den anderen zu treffen und sich an ihm zu rächen, indem man ihm nicht verzeiht”, erklärt der Diplom-Psychologe. Dabei übersähen viele, dass sie auch sich selbst Schaden zufügten, wenn sie durch ihre Unversöhnlichkeit einen guten Freund verlören.

Diesbrock empfiehlt, sich für das Verzeihen Zeit zu lassen. „Wer einen Konflikt aus Harmoniesucht voreilig unter den Teppich kehrt, hat die Situation noch nicht wirklich verarbeitet. Dann bleibt immer etwas von dem Groll zurück und taucht irgendwann an anderer Stelle wieder auf”, sagt der Experte.

Wer verzeihen will, muss sich daher erst einmal selbst eingestehen, dass er sich getroffen fühlt. „Man sollte den Ärger oder die Trauer nicht kleinreden, sondern ernst nehmen und dem anderen auch ehrlich mitteilen”, sagt Diesbrock.

Wichtig sei auch, die Situation objektiv zu betrachten. „Man sollte sich fragen, welchen Anteil man vielleicht selbst an der misslichen Lage hatte und ob man es nachvollziehen kann, dass der andere so gehandelt hat”, sagt Diesbrock.

Zudem sollte man sich Gedanken darüber machen, was man von dem anderen erwartet. Möchte man eine Rechtfertigung hören? Reicht eine Entschuldigung? Oder erwartet man, dass der andere durch Taten beweist, dass er sich geändert hat? „Über diese Wünsche sollte man dann offen miteinander sprechen”, meint Diesbrock.

Habe man den Versöhnungsprozess wirklich abgeschlossen, könne man das mit einem Ritual besiegeln - indem man beispielsweise gemeinsam auf den Neuanfang anstößt. „Verzeihen bedeutet allerdings nicht, dass alles so wird wie zuvor”, betont Diesbrock.

Manchmal bleibe auch nach der Versöhnung ein Schaden zurück, mit dem man weiterleben müsse - so manche Beziehung reife aber auch durch einen Konflikt.
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