Umziehen im Alter: Ortswechsel als Chance für eine Neugestaltung

Von: Judith Csaba, ddp
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Wer im fortgeschrittenen Alter noch einmal umzieht, hat meist gute Gruende dafür: Man sucht die Nähe der Kinder und Enkel, eine seniorengerechte Wohnung oder auch die Möglichkeit, in den eigenen vier Waenden Pflege zu bekommen. Dennoch fällt es vielen älteren Menschen nicht leicht, sich an eine neue Umgebung anzupassen, Gewohnheiten zu ändern und vertraute Dinge loszulassen. Foto: ddp

Bonn/Freiburg. Wer im fortgeschrittenen Alter noch einmal umzieht, hat meist gute Gründe dafür: Man sucht die Nähe der Kinder und Enkel, eine seniorengerechte Wohnung oder auch die Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden Pflege zu bekommen.Dennoch fällt es vielen älteren Menschen nicht leicht, sich an eine neue Umgebung anzupassen, Gewohnheiten zu ändern und vertraute Dinge loszulassen.

„Ein Umzug ist immer eine Veränderung mit einem lachenden und einem weinenden Auge”, sagt Counselor Anette Bartoschewitz. Die Freiburgerin begleitet in ihrer Praxis Menschen bei Veränderungsprozessen und bietet Seminare zur Stärkung der inneren Kräfte an. Sie rät, bereits im Vorfeld eines Ortswechsels zu bedenken: Wie reagiere ich auf Veränderungen? Kann ich Dinge gut abschließen? Hadere ich mit meinen Entscheidungen, unterschätze ich Projekte eher?

Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), rät zudem, sich den neuen Wohnort genau anzuschauen: Gerade wenn es Senioren in eine Gegend ziehe, in der sie viele Urlaube verbracht haben, sei es wichtig, auch einmal bei schlechtem Wetter und außerhalb der Saison dort Zeit zu verbringen. Wer in die Nähe seiner Kinder umsiedeln will, wohnt am besten bereits im Vorfeld einige Tage bei ihnen und erkundet bewusst die Umgebung.

Wenn es dann konkret losgeht, empfiehlt Bartoschewitz mit Aktionen wie einem Abschiedsfest oder einer Tombola eine positive Stimmung rund um den Umzug zu schaffen. „Ein Fest ist ein schöner Anlass, um sich von Freunden, Nachbarn und Bekannten zu verabschieden und zugleich noch einmal die Bande mit ihnen zu festigen”, erläutert die Freiburgerin. Zugleich sei dies eine gute Gelegenheit bei einer Tombola, Dinge zu verschenken, die nicht in die neue Wohnung mitgenommen werden können, aber zu schade zum Wegwerfen sind.

Da mit einem Umzug im Alter meist eine Verkleinerung des Wohnraums einhergehe, sei es wichtig beim Sortieren der Dinge bewusst vorzugehen, rät Bartoschewitz. Man müsse in sich hineinhören und entscheiden, "was ist wichtig für mich und kommt mit und was kann ich jetzt loslassen”, betont sie.

Dies beziehe sich nicht nur auf Möbel und Hausrat, sondern auch auf Hobbys, Interessengebiete oder den Tagesablauf - ein Umzug sei die Gelegenheit, in vielerlei Hinsicht etwas Neues zu beginnen. „Gerade bei Senioren herrscht oft die Haltung, ich brauche nichts Neues mehr, doch auch im Alter ist aktives Gestalten und Loslassen weiterhin ein Bestandteil des Lebens, den es zu üben lohnt”, weiß Bartoschewitz.

Am neuen Wohnort geht es dann darum, sobald wie möglich neue Gewohnheiten zu installieren und Anlaufstellen für Sozialkontakte zu finden. „Eine realistische Antizipation hilft bei der Eingewöhnung”, sagt Lehr und warnt vor zu hohen Erwartungen bezüglich häufiger Besuche. „Es kommt darauf an, sich schnell einen neuen Bekannten- und Freundeskreis aufzubauen und zugleich, soweit es geht, Kontakte in die alte Wohngegend zu pflegen”, betont sie.

Bartoschewitz empfiehlt älteren Menschen, nach einem Umzug nicht zu viel von der eigenen Familie zu erwarten. „Was mein Recht ist, nämlich in meinem Tempo anzukommen und mich einzuleben, muss ich auch meiner Familie zugestehen”, sagt sie. Sie rät Senioren, mit dem Umzug die eigene Identität zu stärken und die Familie eher als Geschenk zu betrachten.
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