Übelkeit beim Autofahren: Am besten rausgucken

Von: ddp
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Düsseldorf. Die Ärztin Bettina Flörchinger weiß: „Dem Fahrer wird eigentlich nie schlecht, nur die Beifahrer spucken.” Vor allem die Kleinen, die auf den hinteren Sitzen.

Doch mit einigen Ratschlägen und Tipps lässt sich kindlicher Übelkeit beim Autofahren entgegensteuern. Ablenkung und der Blick aus den Wagenfenstern seien hilfreich, rät die Medizinerin am Düsseldorfer Centrum für Reisemedizin (CRM).

Reicht das Angebot an Zerstreuung nicht, können bei besonders empfindlichen Naturen Akupressurbänder helfen. Sie sind in Apotheken erhältlich. „Wir haben damit bei Kindern gute Erfahrungen gemacht”, berichtet die Ärztin. In das elastische Material ist eine Kugel eingearbeitet, die auf den gegen Übelkeit wirksamen Akupressurpunkt am Unterarm drückt. Auch Medikamente können Reiseübelkeit verhindern. Vor deren Einsatz sollte allerdings ein Arzt um Rat gefragt werden. Zudem sind einige Mittel nur auf Rezept erhältlich.

Die richtige Anti-Übelkeits-Strategie beginnt aber schon vor der Fahrt. „Zur Vorbeugung nicht mit vollem oder ganz leerem Magen starten”, empfiehlt Bettina Flörchinger. Die Nahrung sollte zudem leicht verdaulich sein: „Ein Brot mit Nuss-Nougat-Creme, nicht drei.” Unterwegs lässt sich mit regelmäßigem Durchlüften und Pausen ebenfalls dem flauen Gefühl im Magen begegnen. Außerdem sollte der Fahrer Kurven nicht zu rasant nehmen.

Erste Anzeichen, dass Kindern trotz aller Vorbeugung übel wird, sind Gähnen, Blässe, Speichelfluss oder Schweißausbrüche. Dann hilft nur noch, so schnell wie möglich anzuhalten, bevor raus kommt, was dann raus will.

Die Ursache dafür, dass vielen Kindern beim Autofahren schlecht wird, liegt an der Orientierung des Menschen im Raum. Mittels der Augen bestimmt der Mensch seine Position in der Senk- und Waagerechten. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr wiederum ortet die tatsächliche Lage. Die Ärztin erläutert: „Wenn beide Informationsquellen unterschiedliche Informationen liefern - zum Beispiel bei Kurvenfahrten - kommt es zu einem Übelkeitsreflex.”

Um solches Informationschaos zu vermeiden, sollten empfindliche Kinder während der Fahrt nicht lesen oder sich mit Spielekonsolen beschäftigen. Beides verstärkt unstimmige visuelle Eindrücke. Suchspiele wie „Wir gucken nach roten Autos” können eine beginnende Übelkeit im Griff halten, sagt Flörchinger. „Rausgucken ist das Wesentliche”, erläutert sie. „Damit orientiert man sich an der Horizontalen, unstimmige visuelle Eindrücke werden vermieden."

Mit zunehmendem Alter scheint sich eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Fahreindrücken einzustellen. Empfindlich reagieren zumeist Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr. Es gibt allerdings auch kleine Reisende, denen es nichts ausmacht, wenn Vater oder Mutter mit dem Wagen um die Kurven wetzen. Sie sitzen ungerührt da und lesen Bücher bis zum Fahrtziel. Sogar innerhalb derselben Familie können die Reaktionen sehr unterschiedlich sein, hat Bettina Flörchinger beobachtet.
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