Teenager-Partys: Klare Absprachen besser als Verbote

Von: Sebastian Schöbel, dapd
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Köln/Bargteheide. Nur der erste Kuss oder das erste Auto sind noch besser: Partys rangieren auf der Liste der schönsten Jugenderinnerungen ganz weit oben.

Für Eltern ist die Feierwut ihrer Teenagerkinder, die beispielsweise bei Flat-Rate-Besäufnissen sogar gefährlich für Leib und Leben werden kann, eine Gratwanderung: Sie müssen genau jene Grenzen ziehen, die sie als Jugendliche selbst einmal „uncool” fanden. Wie viel Freiraum sollte man Jugendlichen in Bezug auf ihr Partyleben gönnen und wann muss man die Verbote aussprechen, mit denen man sich bei seinem Nachwuchs unbeliebt macht?

Der Pädagoge und Familienberater Jan-Uwe Rogge aus dem schleswig-holsteinischen Bargteheide rät Eltern beim Thema Partys vor allem zu Gelassenheit. „Eltern sind immer uncool, deswegen kann dieser Vorwurf der Kinder nicht gelten.” Der ehemalige Marineoffizier hat mehr als 15 Bücher über Erziehung geschrieben.

Teenagern militärische Disziplin aufzuzwingen hält er jedoch für falsch. „Bei Jugendlichen hat man es immer mit Versuch und Irrtum zu tun”, sagt Rogge. Deswegen ende jede Anstrengung, das Partyleben von Teenagern mit Verboten einzuschränken, „immer im Chaos”.

Gegenseitiges Vertrauen ist besser als Verbote

Statt eines kategorischen Neins sei es effektiver, klare Absprachen zu treffen, sagt Rogge. Bei Teenagern unter 16 Jahren rät er, zeitliche Grenzen zu setzen und die Kinder von Festen bei Freunden auch abzuholen. „Es ist sicherlich auch sinnvoll, wenn die Eltern bei der ersten Party noch dabei sind”, meint Rogge.

Von 16-Jährigen könne man dagegen schon mehr Eigenverantwortung erwarten. „Alkohol und Zigarettenkonsum sollten aber streng kontrolliert werden”, sagt Rogge, „notfalls auch durch klares Untersagen.”

Wirklich ausschlaggebend sei aber nicht der feste Regelkatalog, sondern das Verhältnis zwischen den Heranwachsenden und ihren Eltern. „Manche Jugendliche sind schon sehr früh verantwortungsvoll, das kann man nicht verallgemeinern”, sagt Rogge.

Mit übermäßiger Strenge habe gute Teenagererziehung nichts zu tun, findet der Pädagoge, sondern mit der „Konsequenz und Zuverlässigkeit” der Eltern. Regeln müssen befolgt und Versprechen eingehalten werden, und zwar von beiden Seiten. Wenn eine Party dann doch mal aus dem Ruder gelaufen ist, sollten Eltern am nächsten Tag ein klärendes Gespräch suchen.

„Pubertierende sind normalerweise gerne bereit über Fehler zu reden”, erklärt Rogge, „vorausgesetzt, das Verhältnis zu den Eltern stimmt.”

Ein „Recht auf Partys”, wie es die Hip-Hop-Band „Beastie Boys” einst einforderte, gibt es übrigens nicht. „Der Staat darf bei der Erziehung nicht reinregieren”, sagt Sebastian Gutknecht von der Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz in Nordrhein-Westfalen. Fließt bei der rauschenden Party ihres minderjährigen Kindes auch Alkohol, machten sich die Eltern des Gastgebers also nicht automatisch strafbar. So gelte zum Beispiel die Altersbeschränkung bei Alkohol nur in der Öffentlichkeit, nicht aber in den eigenen vier Wänden.

Juristische Folgen möglich

Artet das Fest jedoch in ein Gelage aus, bei dem am Ende die Gesundheit eines Teenagers in Gefahr ist, kann das unter Umständen juristische Folgen haben. „Das gilt dann, wenn den Eltern eine bewusste Verletzung ihrer Fürsorgepflicht nachgewiesen werden kann”, sagt Gutknecht. Wer seinem feierfreudigen Spross also das Haus überlässt, obwohl es vorher schon einmal Probleme mit Alkohol gab, der kann sich im schlimmsten Fall eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung einhandeln.

„Wir raten nach so einem Zwischenfall jedoch davon ab, die Sache gerichtlich zu klären”, sagt Sebastian Gutknecht. Vor allem solle man aus Fehlern lernen. Die gesetzliche Altersbeschränkung für Alkoholkonsum liefert laut Gutknecht einen ganz brauchbaren Richtwert für den erzieherischen Alltag. „Jugendliche ab einem Alter von 15 oder 16 Jahren kann man schon mal allein feiern lassen”, meint Gutknecht. „Jüngere sollte man eher beaufsichtigen.”

Partys als wichtige Erfahrung für Jugendliche anerkennen

Schlagen Teenager aber doch einmal über die Strenge, rät Gutknecht zu hartem Durchgreifen. „Manche Grenzen muss man auch dann setzten, wenn es hinterher Streit gibt.” Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß der Vater von drei Kindern, dass Jugendliche vor allem auf elterliches Vertrauen positiv reagieren: „Es hilft, sich vor einer Party kurz mit den Kindern zu beraten, vielleicht Probleme aufzuzeigen, Lösungen und Unterstützung anzubieten.”

Je älter Teenager werden, desto mehr Freiraum sollten sie bekommen, rät Gutknecht, das sei wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. Der gebürtige Kölner ist sich sicher: Eine gute Party sei eben auch ein Schritt hin zum mündigen Staatsbürger.
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