Suchthilfe: Jugendliche, die Alkohol trinken, trinken riskanter

Von: Margot Gasper
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Sie schmecken süß und sind enorm angesagt: Mixgetränke mit Hochprozentigem stehen bei Jugendlichen hoch im Kurs. Foto: imago/Thomas Frey

Aachen. Wenn Fete ist, dann soll´s richtig knallen: Reichlich Alkohol ist für viele Jugendliche ganz normal. „Betrunkensein gehört zu einer guten Party einfach dazu”, zitiert die Suchthilfe Aachen einen Jungen.

Die Fachstelle für Suchtprävention warnt Jugendliche vor der Promille-Falle. Und sie schult regelmäßig Erwachsene, die mit Jugendlichen zu tun haben.

Gerade erst haben Lehrer und Mitarbeiter in der Jugendarbeit eine Fortbildung absolviert, damit sie das Thema Alkohol gezielt ansprechen können. „Es gibt Jugendliche, die trinken riskant”, erläutert Yvonne Michel, Fachkraft für Suchtprävention, „aber sie sehen sich selbst nicht als gefährdet an”.

Die Suchthilfe legt Zahlen vor, die nachdenklich machen. So stellte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bereits 2008 fest, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen zwar generell sinkt. Mit Sorge betrachtet wird aber der exzessive Konsum von Alkohol. „Man könnte sagen: Immer weniger Jugendliche trinken immer mehr”, fasst Michel zusammen. „Und diejenigen, die trinken, trinken riskanter.”

Offenbar haben sich Trinkverhalten und Konsumgewohnheiten junger Leute in den letzten Jahren gewandelt, stellt die Suchthilfe fest. Mixgetränke mit hochprozentigem Alkohol stehen weiter hoch im Kurs, obwohl der der Gesetzgeber zum Schutz der Jugend die sogenannten Alkopops massiv verteuert hat. Jetzt mixen die jungen Leute selbst: hochprozentigen Schnaps mit Limo, Cola oder süßen Säften.

Die Wirkung dieser Drinks aber werde meist falsch eingeschätzt, da die Softdrinks den bitteren Alkoholgeschmack überdecken, warnt die Suchthilfe: „Das kann eine Höllenmischung ergeben.” Oft konsumierten junge Leute so in kurzer Zeit große Mengen Alkohol, ohne es zu merken.

Zudem vermarkte die Alkoholwerbung Hochprozentiges aggressiv als Trendgetränk: „Heute ist Schnaps cool und sieht aus wie süße Limo.”

Saufen bis zum Umfallen

Saufen bis zum Umfallen: Mit Sorge betrachtet die Suchthilfe das „Binge-Trinken”. In der Gruppe der 16- bis 17-Jährigen geben zwei von drei Jungen laut Suchthilfe an, in den letzten 30 Tagen bei mindestens einer Trinkgelegenheit fünf alkoholische Getränke oder mehr hintereinander getrunken zu haben. Und auch ein Drittel der Mädchen in dieser Altersgruppe trinkt mindestens einmal im Monat exzessiv.

„Früher tranken Jugendliche eher heimlich”, berichtet Yvonne Michel. Heute werde zunehmend auch öffentlich geschluckt - auf dem Schulweg, im Park oder an der Bushaltestelle. Jüngst erst merkten Politiker der Bezirksvertretung Mitte mit Sorge an, wie viele Jugendliche man mittlerweile mit der Flasche in der Hand auf der Straße sehe. Auch das „Vorglühen” ist ein eher neues Phänomen: Um Geld zu sparen, kippen junge Leute schon auf dem Weg zur Party reichlich oder treffen sich zum gemeinsamen Vortrinken.

Früher machten Jugendliche nach Erkenntnissen der Suchthilfe im Schnitt mit 14 Jahren erste Erfahrungen mit Alkohol. Heute hat bereits die Hälfte der Zwölfjährigen einmal Alkohol ausprobiert.

Und Mädchen, sagt Yvonne Michel, fangen in der Regel früher mit dem Alkohol an als Jungen: „Mädchen haben häufig ältere Freunde, die bereits Alkohol trinken, sie orientieren sich in ihrem Trinkverhalten an diesen Freunden. Erst ab dem 15. Lebensjahr überholen die Jungen die Mädchen beim Alkohol.”

Die Folgen der Trinkerei bei Jugendlichen beschäftigen auch die Krankenhäuser. Ins Aachener Uniklinikum wurden im vergangenen Jahr 105 zugedröhnte junge Menschen eingeliefert, die jüngsten waren erst zwölf. „Neun Jugendliche mussten sogar auf der Intensivstation behandelt werden”, berichtet Dr. Peter-Friedrich Petersen, Leiter der Notaufnahme am Uniklinikum.

Innerhalb von fünf Jahren, so bilanziert der Arzt, habe sich die Zahl der alkoholbedingten Notaufnahmen von jungen Leuten glatt vervierfacht. Einen weiteren Anstieg im laufenden Jahr erkennt er allerdings nicht. Dennoch: „Alkohol ist ein großes Problem”, sagt Petersen. „Und was mich erschreckt: Neun junge Alkoholpatienten waren im vergangenen Jahr gleich mehrfach da.”

„Man wird dumm davon”

Wer bis zur Bewusstlosigkeit trinkt, der riskiert sein Leben, erklärt Petersen. Aber auch in nicht ganz so massiven Mengen schädige Alkohol das Gehirn: „Man wird dumm davon. Man kann sich richtig doof saufen.”

Alkohol: Tipps und Hinweise für Eltern

An Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren darf kein Alkohol verkauft werden. An Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keine Spirituosen abgegeben werden. Diese Regeln sollten auch Eltern berücksichtigen, rät die Suchthilfe: „Kein Alkohol bei unter 16-Jährigen, keine harten Alkoholika bei unter 18-Jährigen!” Eltern sollten den Kauf von alkoholischen Getränken nicht unterstützen - auch nicht „ausnahmsweise”.

Um den Vollrausch zu verhindern, sollte mit den Kindern ein maßvoller, verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol ausgehandelt werden.

Falls das eigene Kind dennoch betrunken nach Hause kommt, sollten Eltern zunächst Ruhe bewahren, den Vorfall aber am nächsten Tag ohne Vorwürfe besprechen. „Eltern sollten Jugendliche über die Risiken des frühen Alkoholkonsums und des Komasaufens informieren”, sagt Präventionsberaterin Yvonne Michel. „Wichtig ist, dass Eltern sich bemühen, mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben.”

Unter dem Motto „Check it!” bietet die Suchthilfe Aachen eine neue Unterrichtsreihe zur Suchtvorbeugung in der Jahrgangsstufe 8 an. In fünf Unterrichtseinheiten geht es um Sucht und verschiedene Drogen, gesundheitliche Risiken und rechtliche Folgen.

Informationen zu „Check it!” sowie zu weiteren Fragen rund um Sucht und Drogen erhalten Interessierte bei der Suchthilfe Aachen, Hermannstraße 14, 0241/41356130, an michel@suchthilfe-aachen.de per E-Mail.
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