Studie: Bis zu 1,5 Milliarden Euro für Nachhilfe

Von: dpa
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Rund 1,1 Millionen Schüler nehmen mittlerweile regelmäßig bezahlten Nachhilfeunterricht in Anspruch, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm für die Bertelsmann Stiftung. Foto: dpa

Gütersloh. Die private Nachhilfe für Kinder und Jugendliche in Deutschland boomt: Rund 1,1 Millionen Schüler nehmen mittlerweile regelmäßig bezahlten Nachhilfeunterricht in Anspruch, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm für die Bertelsmann Stiftung (Gütersloh).

Insgesamt geben Eltern demnach jährlich zwischen 942 Millionen und knapp 1,5 Milliarden Euro dafür aus. Dabei gibt es ein starkes Gefälle zwischen West und Ost.

Der Studie zufolge ist Nachhilfe bereits in Grundschule an der Tagesordnung: Besonders häufig wird sie in Anspruch genommen, wenn es am Ende der Grundschulzeit um die Empfehlung für die weiterführende Schule geht. Die Sonderauswertung der IGLU Bildungsstudie aus dem Jahr 2006 ergab, dass im Schnitt aller Bundesländer 14,8 Prozent der Viertklässler Nachhilfe im Fach Deutsch erhalten. Während in Baden- Württemberg 18,5 Prozent der Viertklässler Nachhilfe in Deutsch bekommen, sind es in Mecklenburg-Vorpommern nur 8,8 Prozent und in Sachsen-Anhalt 8,9 Prozent.

Legt man die Untergrenze der jährlichen Gesamtausgaben für Nachhilfeunterricht auf alle Schüler allgemein bildender Schulen um, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Am höchsten sind die durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler mit jährlich 131 Euro in Hamburg und Baden-Württemberg. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen sie hingegen nur bei 74 Euro. Der Bundesdurchschnitt beträgt 108 Euro.

Im Alter von 15 Jahren nehmen der Pisa-Studie aus dem Jahr 2003 zu Folge im Bundesländerdurchschnitt 19,1 Prozent der Jugendlichen Nachhilfe im Fach Mathematik in Anspruch.

Nachhilfe ist der Studie zufolge längst nicht mehr eine zeitlich begrenzte Ausnahmeerscheinung für leistungsschwächere Schüler. „Sie hat sich vielmehr zu einem etablierten, privat finanzierten Unterstützungssystem neben dem öffentlichen Schulsystem entwickelt”, heißt es in der Untersuchung. Da sich aber vor allem Kinder aus wohlhabenden und höher gebildeten Familien diese Möglichkeit der außerschulischen Förderung leisten könnten, nehme dadurch die Chancenungerechtigkeit unseres Bildungssystems tendenziell zu.

Die starke Nachfrage nach privatem Ergänzungsunterricht sei ein deutlicher Ausdruck dafür, dass Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden seien, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Sie haben den Eindruck, dass ihre Kinder im Schulunterricht nicht bestmöglich gefördert werden und Nachhilfe soll diese fehlende individuelle Förderung ausgleichen.”

Ziel eines chancengerechten und qualitativ guten Schulsystems müsse es daher sein, Nachhilfe weitestgehend überflüssig zu machen, forderte Dräger. Dass das möglich sei, zeigten internationale Beispiele wie Finnland, Kanada oder die Niederlande. Dort kommen Schüler weitgehend ohne Nachhilfe aus. „Individuelle Förderung darf nicht einem privat organisierten Nachhilfe-System überlassen bleiben.”

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