So viel Nippes wie möglich: Zimmer im Heim persönlich einrichten

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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So war das früher: Fotoalben können Senioren dabei helfen, sich im Heim schneller wie zu Hause zu fühlen. Foto: dpa

Köln. Dem Einzug ins Heim sehen viele Ältere mit gemischten Gefühlen entgegen. War ihnen im bisherigen Zuhause alles vertraut, beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Der ist häufig mit Einschränkungen verbunden.

Schließlich bietet ein Zimmer im Heim weniger Freiräume als eine Wohnung oder gar ein ganzes Haus. Gerade deswegen sollten Bewohner darauf achten, dem Heimzimmer einen persönlichen Anstrich zu geben.

„Es ist sehr wichtig, sich sein Zimmer mit möglichst vielen privaten Gegenständen einzurichten”, sagt Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe in Köln. „Das stärkt die persönliche Identität und hat sofort Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit.” Sonst habe man das Gefühl, in einer völlig fremden Umgebung zu sein, in der man nur zu Gast - aber nicht zu Hause - ist. „Das ist dann wie in einem Krankenhaus, wo man sein muss, aber nicht wirklich sein möchte.”

So logisch das klingt: Viele Menschen verzichten beim Einzug ins Heim auf Persönliches. „Es ist meist ein Schock, wenn man das bisherige Zuhause verlassen muss”, sagt Michell-Auli. „Das gilt für die Betroffenen genauso wie für ihre Angehörigen.” In solch einer Situation denken nur wenige daran, eigene Dinge mitzunehmen.

Dabei ist Privatheit für jeden Menschen entscheidend, sagt Silke Haase, Diplom-Psychologin in Berlin. „Das wird auch im Alter nicht weniger.” Gerade bei Pflegefällen sei das jedoch ein Problem, wenn Pflegepersonal ohne anzuklopfen ins Zimmer kommt oder die Menschen ungefragt gewaschen werden. „Dann fühlt man sich schnell ausgeliefert und wie ein Ding.”

Möbel, Bilder und andere Einrichtungsgegenstände allein könnten zwar keine Privatheit schaffen. „Sie können aber helfen, eine eigene Privatsphäre und so ein Gefühl von Vertrautheit zu kreieren”, sagt Haase. Hinzu kämen ganz praktische Gründe für die Mitnahme von Möbeln ins Heim. „Wenn ältere Menschen körperlich eingeschränkt sind, wissen sie meist, wie sie beispielsweise mit ihrem Sessel umgehen können.” Aus einem neuen Sessel kommen sie dagegen möglicherweise nicht mehr so leicht hoch oder erkennen die Lehne nicht genau. Das verunsichert und kann ein schlechtes Gefühl vermitteln.

Wie das jeweilige Heim mit dem Thema Privatsphäre umgeht, sollten Senioren und Angehörige am besten vorab herausfinden. „Bei der Erstbesichtigung sollte ich darauf achten, ob die Bewohnertüren geschlossen sind”, sagt Cathrin Redlin, Sozialarbeiterin der Caritas Altenhilfe in Berlin. Wenn einem bewohnte Zimmer gezeigt werden: Wird angeklopft und werden die Bewohner gefragt, ob es ihnen recht ist, wenn Fremde ihr Zimmer besichtigen? Außerdem könne man danach fragen, ob die Zimmer abgeschlossen werden können beziehungsweise die Bewohner einen Schlüssel erhalten.

„Die Gestaltung des Zimmers liegt in den Händen der Bewohner und deren Angehöriger”, findet Redlin. „Zum Wohlfühlen gehören eigene Möbel, Fotos oder Gegenstände, die dem Bewohner besonders wichtig sind, aber auch Haustiere sind erlaubt, sofern sich deren artgerechte Versorgung regeln lässt.” Allerdings sollte man darauf achten, dass die Zimmer nicht zu voll gestellt werden. Bei zunehmender Pflegebedürftigkeit muss Platz bleiben für Hilfsmittel wie einen Rollator oder Rollstuhl.

Auch in einem Doppelzimmer können es sich Ältere gemütlich einrichten. Dabei komme es darauf an, sich mit seinem Wohnpartner zu einigen. „Man sollte gemeinsam mit seinem Zimmernachbarn einen persönlichen Bereich festlegen, den man so gestalten kann, wie man möchte, oder Absprachen zu Besuchen treffen, damit der andere sich nicht gestört fühlt.” Ein Sichtschutz könne ebenfalls helfen.

Möglicherweise ist das manchmal aber leichter gesagt als getan. „Offiziell erklären die meisten Heime, dass es möglich ist, eigene Möbel mitzubringen - in der Realität sieht das aber oft anders aus”, berichtet Michell-Auli aus seiner Erfahrung. Häufig werde man erstaunt angeschaut, wenn man solche Wünsche äußere. Teilweise gäbe es schlicht logistische Probleme, die Heimmöbel woanders zu lagern.

Michell-Auli rät daher, auf seinem Recht zur eigenen Zimmergestaltung zu bestehen. „Das ist keine Sonderbehandlung, sondern hilft sehr, sich in der neuen Umgebung schnell wohlzufühlen.” Am besten sei es, das Ganze wie einen Umzug in eine kleine Wohnung anzugehen - und möglichst viel mitzubringen. „Im Prinzip kann man das Zimmer nach eigenen Wünschen streichen und tapezieren und alle Möbel hineinstellen, die man haben möchte und die hineinpassen.”

Sei das - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich, sollten Ältere überlegen, was ihnen wichtig ist. „Das können ein Schrank aus der Kindheit oder das Lieblingssofa sein”, sagt Michell-Auli. Unentbehrlich seien meist Bilder von Familienmitgliedern oder früheren Reisen. „Es kann auch helfen, sich das neue Zimmer ähnlich einzurichten wie das bisherige.” Also den Sessel wieder vor den Fernseher zu stellen und daneben die Anrichte mit allen Fotos. „Auch das erleichtert, sich schnell zurechtzufinden - und zu Hause zu fühlen.”

Wichtig ist aber nicht nur das Innere des Zimmers, sondern auch der Eingangsbereich. Der sollte ebenfalls persönlich gestaltet werden. „Ein Klingelschild und eine eigene Fußmatte machen gleich klar: Hier wohnt nicht irgendjemand, hier wohne ich!”, sagt Michell-Auli.
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