Sehen und gesehen werden: Kinder im Herbst besonders gefährdet

Von: Stefan R. Weißenborn, dpa
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Herbst Kinder Straße
Ganz schön helle: Auffällige Kleidung mit Reflektoren lässt Kinder bei Schmuddelwetter strahlen - dunkle macht sie für Autofahrer dagegen beinahe unsichtbar. Foto: dpa

Berlin. Der trübe Herbst macht Straßen und Wege unsicher. Besonders gefährdet sind Kinder. Sie können Risiken nur schlecht einschätzen, weil ihr Wahrnehmungsvermögen häufig noch nicht vollständig ausgebildet ist. Autofahrer sollten deshalb besonders vorsichtig unterwegs sein.

Im Herbst verwandelt feuchtes Laub Asphalt in Rutschbahnen, die Straßen sind vernebelt. Das birgt nicht nur Risiken für Autofahrer: Auch Kinder sind gefährdeter als an klaren Sommertagen - ob auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Mangelnde Sicht ist eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle mit Kindern, so eine Erkenntnis der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Wenn die Tage kürzer werden, sollten Kraftfahrer deshalb ganz besonders auf die Kleinen achten.

Ständige Gefahren für Kinder im Straßenverkehr verschärfen sich im Herbst: „Gerade wenn es dunkler ist, können Kinder Geschwindigkeiten nur schwer einschätzen”, sagt ADAC-Verkehrspädagogin Beate Pappritz. Die Wahrnehmungsfähigkeiten von Heranwachsenden hängen stark vom Alter ab. Das Sichtfeld von Kindern ist vor allem im Vorschulalter noch tunnelförmig eingeschränkt.

Hinzu kommt, dass ein Gefahrenbewusstsein erst mit rund sechs Jahren ausgebildet wird. Das bedeute aber nicht, dass brenzlige Situationen auch in fortgeschrittenem Alter immer erkannt würden, erklärt die Deutsche Verkehrswacht (DVW). Wenn etwa ein Ball auf die Straße rollt, neigen auch ältere Kinder zum Hinterherlaufen, ohne vorher eine Überlegung anzustellen.

Auf der anderen Seite ist es die schlechte Sicht für Autofahrer, die die Kleinen in Gefahr bringt: „Sicherheit durch Sichtbarkeit” fordert deshalb die DVW vor allem für die dunklen Jahreszeiten. So wird zu auffälliger Kleidung geraten. Anoraks, Jacken und Ranzen sollten mit Reflektoren versehen und möglichst hell sein: „Es geht darum, die Kinder zum Strahlen zu bringen”, sagt ADAC-Pädagogin Pappritz. Zum neuen Schuljahr hat der ADAC 750 000 Schulanfänger an 16 000 Schulen bundesweit mit Sicherheitswesten ausgestattet.

Auf dem Schulweg denken jedoch gerade die Jüngsten nicht in erster Linie an ihre Sicherheit. Verkehrspädagogen mahnen deshalb, diesen täglichen Weg gut zu üben. ADAC-Mitarbeiterin Pappritz rät zu wiederholtem Schulwegtraining - und auch zur Kontrolle: Einige Wochen nach Schulbeginn sollten Eltern ihren Nachwuchs ruhig heimlich verfolgen, um das Verkehrsverhalten zu beobachten. Zur Routenwahl gilt der allgemeine Tipp: Nicht unbedingt der kürzeste Weg ist der sicherste, sondern der mit möglichst wenigen Straßenüberquerungen. Und fallen die Blätter von den Bäumen, gilt besondere Vorsicht: Die DVW empfiehlt festes Schuhwerk auf rutschigen Wegen.

„Bei Schmuddelwetter neigen Eltern dazu, ihre Kinder zur Schule zu fahren”, stellt Pappritz fest. Doch dies ist nicht unbedingt ungefährlicher, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt hat: Besonders morgens zu Schulbeginn zwischen 8.00 und 9.00 Uhr würden Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren in Unfälle verwickelt - und zwar als Mitfahrer im Pkw. Die Regeln seien zwar eindeutig, sagt Pappritz: „Bis zum Alter von zwölf Jahren oder einer Körpergröße von 1,50 Meter müssen Kinder in einen Kindersitz.” Doch Eltern bauten den Sitz oft falsch ein oder schnallten Kinder nicht ordnungsgemäß an.

Unfallvorbeugende Wirkung haben laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sogenannte Dialog-Displays, wie sie seit einigen Jahren in Berlin und anderen deutschen Großstädten aufgestellt werden. Vorzugsweise in der Nähe von Schulen und Kindergärten informieren sie am Straßenrand Kraftfahrer nicht nur über deren aktuelle Geschwindigkeit. Sie zeigen auch lachende Kindergesichter und loben mit einem grün unterlegten „Danke!” - solange sich der Fahrer ans Tempolimit hält. Falls nicht, erscheint ein „Langsam!” in Rot.
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