Schwierige Suche: Beim Betreuten Wohnen gibt es keine Standards

Von: Bettina Levecke, dpa
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Keine einheitlichen Standards: Die Suche nach einer betreuten Wohnung für das Alter ist nicht einfach. Man sollte in Ruhe und überlegt die Angebote vergleichen. Foto: ddp

Gräfelfing. Selbstständig leben, aber jederzeit Hilfe in Anspruch nehmen können, wenn es nötig ist: So sieht das perfekte Wohnen im Alter aus. Die scheinbar einfache Lösung lautet Betreutes Wohnen.

Doch unter diesem Begriff versammeln sich die unterschiedlichsten Angebote, einheitliche Standards fehlen. Deshalb reicht es nicht, bei der Auswahl eines Objektes auf den Namen zu schauen. Wer ein gutes Angebot sucht, muss auch das Kleingedruckte gründlich lesen.

„Kaum jemand möchte gerne aus den eigenen vier Wänden ausziehen”, sagt Hans-Herbert Holzamer, Geschäftsführer der Bayerischen Stiftung für Qualität im Betreuten Wohnen in Gräfelfing. Dennoch entstehe bei vielen irgendwann das Gefühl, dass es so nicht mehr weitergeht - sei es wegen Schwierigkeiten mit Treppenaufgängen, gesundheitlichen Problemen oder der Angst vor Vereinsamung.

Die Entscheidung für eine Betreute Wohnanlage sollte aber keinesfalls spontan erfolgen. „Handeln Sie nicht aus dem Jetzt heraus, denken Sie an die Zukunft„, rät Nicole Böwing, Geschäftsführerin des Vermittlungsservice Seniorplace in Berlin. Ehepaare müssten bedenken, dass ein Partner irgendwann sterben wird. „Reicht die Rente dann noch?”, nennt Böwing eine zentrale Frage.

Eine andere lautet: „Was leistet die Wohnung und die angebotene Betreuungsform im Falle einer Pflegebedürftigkeit?” Denn auf dem Markt tummeln sich die unterschiedlichsten Angebote. „Das geht von reiner Vermietung bis zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung wie im Hotel”, erklärt Böwing. Auch die Preise variieren: „Man bekommt eine Wohnung für 600 Euro, kann aber auch 3500 Euro zahlen.”

Hans-Herbert Holzamer empfiehlt, zunächst im direkten Umfeld nachzufragen: „Oft können Bekannte oder Verwandte einen guten Tipp geben.” Auch Sozialämter und kirchliche Beratungsstellen wie die Caritas unterstützen Senioren bei der Suche nach einer Einrichtung.

Am Anfang steht immer der finanzielle Check, sagt Holzamer: „Was können Sie sich überhaupt leisten?” Auch wenn dreiste Wuchermieten mittlerweile die Ausnahmen sind, sollten Interessierte trotzdem genau schauen, was im angebotenen Preis enthalten ist. „Zahlen Sie nur für die Wohnung oder auch für ein Service-Paket? Ist der 24-Stunden-Notruf inklusive?”

Viele Anbieter Betreuten Wohnens schlagen auf die Grundmiete eine Service- und Betreuungspauschale auf: „Vergleichen Sie die Preise und Angebote verschiedener Häuser”, rät Uwe Braun, Pflege-Experte bei der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein in Kiel. „Wir empfehlen als Minimum, dass immer ein Notruf zur Verfügung steht und die Senioren eine feste Ansprechperson haben, die sich um alle Fragen kümmert.”

Was kostet das Betreute Wohnen im Fall der Pflegebedürftigkeit? Die Versorgung mit Mahlzeiten, die Reinigung der Wohnung, die tägliche Körperpflege und andere Dienstleistungen müssen zusätzlich bezahlt werden. „Das fängt der Zuschuss aus der Pflegekasse nur begrenzt auf”, warnt Böwing. „Betreutes Wohnen setzt in den allermeisten Fällen einen guten finanziellen Hintergrund voraus.” Wer den nicht hat, muss im schlimmsten Fall wieder ausziehen.

Ohne eine Besichtigung sollte keine Entscheidung getroffen werden: „Nehmen Sie Angehörige oder gute Freunde mit, um sich die Wohnung anzuschauen”, rät Braun. „Und nehmen Sie auch das Umfeld unter die Lupe!” Liegt die Seniorenanlage zentral? Gibt es Gemeinschaftsräume? Sind Arzt und Supermarkt in der Nähe? Fahren Busse oder Bahnen? „Diese Kriterien erleichtern die Teilhabe am Leben und die Selbstständigkeit”, sagt Holzamer.

„Lesen Sie den Vertrag genau durch”, empfiehlt der Experte. Denn dort lauerten echte Stolperfallen. Ausgeschlossen werden sollte ein Eigenbedarfskündigungsrecht des Vermieters: „Und die Versorgung bei Pflegebedürftigkeit muss innerhalb der Wohnung garantiert sein.” Am besten werden alle weiteren Fragen in einem persönlichen Gespräch mit dem Vermieter und dem sozialen Dienstleister geklärt: „Der erste Eindruck zeigt im besten Fall auch, wie die Menschen in Zukunft mit Ihnen umgehen.”

Um eine Entscheidung zu erleichtern, bieten die meisten Häuser ein Wohnen auf Probe an. „Drei Monate lang kann die Wohnung getestet werden, erst dann kommt der Vertrag zustande”, erklärt Holzamer. Diese Möglichkeit gebe vielen Interessenten Sicherheit. Denn mit dem Wissen, jederzeit zurück zu können, sinke die Angst vor einer falschen Entscheidung. „Zudem können Senioren nun ausführlich die Nachbarn nach ihren Erfahrungen befragen und selbst einen umfassenden Eindruck gewinnen.”

Alternativen zum Betreuten Wohnen

Jeden Morgen kommt das Frühstück, die Wohnung wird gereinigt und die Hausdame steht zur ständigen Verfügung: Betreutes Wohnen kann ein Leben wie im Hotel sein. „Dieser All-Inklusive-Service setzt aber ein relativ hohes Budget voraus”, sagt Nicole Böwing vom Vermittlungsservice Seniorplace in Berlin.

Wer nur eine kleine Rente bekommt, könne sich oft nur das Anmieten der Wohnung, aber keinerlei Service leisten. „Manchmal ist es sinnvoller, zu Hause wohnen zu bleiben und auf ambulante soziale Dienste zurückzugreifen.”
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