Schüchterne können von vorlauten Mitmenschen lernen

Von: dapd
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Göttingen. Der Begleiter beim Restaurantbesuch ist auffällig gekleidet und lacht laut. Später beschwert er sich vielleicht noch beim Kellner. „Besonders Schüchterne neigen dazu, sich dann unwohl zu fühlen und sich für den anderen Menschen zu schämen”, sagt Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen.

Dahinter stecke oft eine übertriebene Form von sozialer Angst, die man sich bewusst machen könne.

In einer unangenehmen Situation sei etwa die Frage „Was habe ich damit zu tun?” hilfreich. „Natürlich bilde ich mit meinem Begleiter eine Gruppe, doch letztlich ist das Verhalten des anderen seine Sache”, erläutert der Autor von „Das Buch für Schüchterne”. Er nennt so etwas deshalb auch ALP-Situation, kurz für „Anderer Leute Problem”. Er rät Schüchternen, die für sie unangenehme Begebenheit zunächst mit stoischer Ruhe zu ertragen.

Auf keinen Fall sollte man die Freundschaft mit dem „vorlauten” Bekannten aufkündigen. Stattdessen sollte man sich fragen, warum einen dessen Selbstbewusstsein störe. Vielleicht ist man selbst zu zurückhaltend und gerate so ständig in die Harmoniefalle. „Viele Schüchterne sind auf übertriebene Weise auf Anpassung bedacht und wollen auf keinen Fall auffallen”, sagt Bandelow. So würden sie sich zum Beispiel nie trauen, etwas Auffälliges zu tragen, obwohl sie sich oft durchaus nach etwas mehr „Glamour” sehnten.

Ähnliches gelte auch, wenn man sich dafür geschämt habe, dass der andere etwas im Restaurant reklamiert habe. „Schüchterne Menschen lassen sich oft zu viel gefallen”, berichtet Bandelow. Sie könnten versuchen, für zukünftige Situationen vom „Beschwerdeführer” zu lernen. Dann falle es auch ihnen vielleicht etwas leichter, ihre eigene Meinung zu vertreten.
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