Schon zu Lebzeiten für die Beerdigung vorsorgen

Von: Maria Hilt, ddp
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Man sollte schon zu Lebzeiten Vorsorge treffen, damit die Beerdigung im eigenen Sinne gestaltet werden kann. Foto: dpa

Dresden/Stuttgart. Viele Menschen verdrängen Gedanken an ihren Tod. Auch in Gesprächen unter Freunden und Verwandten wird das Thema ausgeklammert. Stirbt ein Angehöriger, sind für die Hinterbliebenen daher oft noch viele Fragen offen.

„Im Todesfall müssen innerhalb weniger Tage viele wichtige Entscheidungen getroffen werden. Wenn das alles noch ungeklärt ist, fühlen sich die Hinterbliebenen in dieser Situation völlig überfordert”, sagt Dittmar Rostig vom Zentrum für Trauerbegleitung und Lebenshilfe in Dresden, einer staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtung für Palliativ- und Hospizpflege. Es sei daher hilfreich, sich schon zu Lebzeiten mit seiner Bestattung zu befassen und eigene Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen.

„Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod ist eine Aufgabe für das Leben”, sagt auch der Stuttgarter Diplom-Psychologe Roland Kachler, Autor mehrerer Bücher zum Thema Trauer. Durch die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit lerne man, das Leben noch einmal intensiver wahrzunehmen. „Auch für das Umfeld ist es oft hilfreich, wenn das Thema Tod angesprochen wird”, sagt Kachler. Denn oft blendeten Angehörige aus, dass beispielsweise Vater oder Mutter eines Tages sterben werden - und was das für ihr eigenes Leben bedeutet.

Dittmar Rostig empfiehlt zudem, mit nahen Angehörigen über deren Wünsche für ihre Beerdigung ins Gespräch zu kommen - auch wenn das nicht immer leicht fällt. „Wichtig ist dabei, zu vermitteln, dass man diese Fragen aus Sorge um den anderen stellt”, sagt Rostig. Es sollte deutlich werden, dass es einem ein tiefes inneres Bedürfnis ist, die Bestattung und die Trauerfeier ganz in seinem Sinne zu gestalten.

Bei der Planung des eigenen Abschieds gibt es verschiedenste Aspekte zu bedenken. „Man sollte unter anderem entscheiden, ob man beispielsweise auf einem Friedhof oder in einem Friedwald bestattet werden möchte, oder ob man vielleicht eine Seebestattung bevorzugt”, sagt Rostig.

Auch die Frage, ob man eine kirchliche Beerdigung wünscht oder einen freien Trauerredner engagieren will, könne man für sich klären. „Auch Musikstücke, Gedichte oder Bibeltexte, die bei der Trauerfeier vorgetragen werden sollen, kann man selbst auswählen”, schlägt Roland Kachler vor.

Um die Details festzulegen, könne man eine schriftliche Vereinbarung mit einem Bestattungsinstitut treffen. „Eine andere Variante ist, seine Überlegungen einfach für sich zu notieren und den Angehörigen zu sagen, wo sie die Liste im Notfall finden können”, sagt Kachler.

Dittmar Rostig empfiehlt, die Angebote verschiedener Bestattungsunternehmen in Ruhe zu prüfen, um für sich selbst eine gute Entscheidung zu treffen. „Wer vorher plant, hat diese Möglichkeit - Trauernde hingegen müssen oft unter Zeitdruck eine schnelle Entscheidung treffen”, sagt Rostig. Zur Bestattungsvorsorge gehöre außerdem auch, für die Beerdigung finanziell vorzusorgen, um die Angehörigen zu entlasten.

Wer sich mit seinem Abschied vom Leben beschäftigt, sollte auch bedenken, welches Wissen er seiner Familie und seinen Freunden hinterlassen möchte. „Möglicherweise gibt es Tagebücher, Fotos oder Briefe, die nicht für die Augen anderer bestimmt sind”, gibt Kachler zu bedenken. Es sei wichtig, bewusst zu entscheiden, ob man möchte, dass die Hinterbliebenen solche Informationen nach dem eigenen Tod finden. „Wenn man das verhindern möchte, sollte man die Dokumente wenn möglich sofort vernichten.”

Die Wünsche des Verstorbenen sind bei einer Beerdigung zwar wichtig - aber auch die Hinterbliebenen haben Bedürfnisse. „Man sollte nicht ganz für sich alleine entscheiden, wie man verabschiedet werden möchte, sondern auch diejenigen mit einbeziehen, die am Grab stehen werden”, betont Roland Kachler.

Wichtig ist außerdem, die Hinterbliebenen in die Abläufe rund um die Bestattung mit einzuplanen. „Alles, was Trauernde hier selbst tun können, hilft ihnen, ihre Trauer auszuleben und Abschied zu nehmen”, betont Dittmar Rostig. Anstatt alles an Profis abzugeben, sei es daher gut, auch den Angehörigen Aufgaben zu überlassen - wie beispielsweise das Verfassen der Traueranzeige, das Gestalten von Abschiedsritualen oder die Auswahl der Kleidung für den Toten bewusst zu treffen.

Auch, wenn man seine Beerdigung bis ins Detail vororganisiert hat, lässt sich im Ernstfall allerdings vielleicht nicht jeder Wunsch verwirklichen. Ist der Pfarrer krank oder das gewünschte Musikensemble ausgebucht, brauchen Angehörige die Freiheit, die Pläne des Verstorbenen anzupassen.

„Damit man seine Lieben in so einem Fall nicht in Gewissenskonflikte stürzt, sollte man ihnen klar sagen, dass man ihnen das Recht zugesteht, den Abschied situationsgemäß zu gestalten”, sagt Roland Kachler. Maßgeblich sei schließlich, dass die Angehörigen die eigene Intention kennen und eines Tages nach ihr handeln können.
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