Ruhige Nacht: So leuchtet der Weihnachtsbaum sicher

Von: Gian-Philip Andreas, dpa
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Berlin/Hamburg. Sanft schlummert der Hausherr vor dem Fernseher, während hinter ihm die vertrockneten Zweige des Weihnachtsbaums zu glimmen beginnen.

Trotz aller Warnungen passiert das noch allzu oft: „In der Adventszeit entstehen in deutschen Haushalten jedes Jahr um die 36 Millionen Euro Schaden in etwa 15.000 Fällen”, schätzt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin.

Meist seien Brände die Ursache, die von Weihnachtsbäumen oder Kränzen aufs Mobiliar übergreifen. Wer aber ein paar grundsätzliche Regeln einhält, kann eine solche Katastrophe leicht verhindern.

Wichtig ist zunächst der sichere Stand des Weihnachtsbaums. Dafür muss niemand mehr unter die Tanne kriechen und mühsam den Baumstamm mittels Flügelschraube festklemmen. „Heute sind auf dem Markt fast nur noch Christbaumständer mit Seiltechnik erhältlich”, sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest in Berlin.

Damit lässt sich der Baum bequem fixieren. Es genügt, per Fußhebel einen Seilzug zu betätigen, der den Stamm in mehrere Halteklammern spannt.

Teuer müssen diese Ständer nicht sein. „Auch im Discounter-Bereich kann man da heute Schnäppchen machen”, sagt Beckmann. Es lasse sich aber darüber streiten, ob die Ein-Seil- oder die Vier-Seil-Variante besser ist.

Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion „Das Sichere Haus” (DSH) in Hamburg, empfiehlt das einzügige Verfahren: Die Ein-Seil-Technik, bei der das Seil direkt durch alle Spannkrallen verläuft, könne auch unregelmäßige Stämme perfekt senkrecht stellen. Und sie sei sicherer als die Variante mit vier Seilen, bei der jede Kralle von einem Seil gefasst wird - allerdings nur, wenn die auf der Verpackung abgedruckten Angaben für Maximalhöhe und -Durchmesser beachtet werden. Überschreitet der Weihnachtsbaum diese Maße, sei Standfestigkeit nicht mehr garantiert.

Die meisten Weihnachtsbaumständer sind mittlerweile mit einem Wassertank kombiniert, der den Baum stabilisiert und bewässert. „Wenn der Baum in die beheizte Wohnung kommt, geht es ihm dort wie einem Blumenstrauß”, erklärt Beckmann: „Ohne Bewässerung trocknet er schnell aus, nadelt und ist viel brennbarer.”

Daher sollten Verbraucher den Stamm beim Händler nicht anspitzen lassen, sondern am besten selbst frisch ansägen - so nehme der Baum das Wasser optimal auf. Käufer eines Ständers mit Wassertank überprüfen am besten noch im Geschäft, ob die Wasserstandsanzeige auch dann noch gut erkennbar ist, wenn der Baum festgezurrt ist.

Für selbst gebastelte Christbaumständer, „bei denen man sich zwei Holzlatten nimmt und mal eben ein Gestell draufschraubt”, hat Woelk nicht viel übrig. Und auch der mit Sand gefüllte und mit Glanzpapier umwickelte Eimer hat laut Beckmann einen wichtigen Nachteil: „Brennende Kerzen sind dann abgehakt, weil der Baum so nicht bewässert werden kann.”

Um ein Umkippen zu vermeiden, sollte der Baum nicht im Luftzug zwischen Tür und Fenster stehen. Im Zweifelsfall ist es besser, den Baum zusätzlich an der Wand zu befestigen, etwa mit Blumendraht - allerdings nur so, dass er für Kinder nicht zur Stolperfalle wird.

Ist der Baum mit echten Wachskerzen geschmückt, müssen auch Vorhänge, Gardinen, Papier und Polstermöbel außer Reichweite sein. Wer verspielte Haustiere hat, hängt das Lametta besser nicht an die untersten Zweige oder stellt den Baum samt Ständer auf ein stabiles Tischchen.

Beim Anzünden gilt die Faustregel, an der Spitze zu beginnen und sich nach unten vorzuarbeiten. Beim Löschen der Kerzen geht es andersherum. Rüter de Escobar empfiehlt zudem Rauchmelder: „Die gibt es in Baumärkten, sie sind leicht an der Decke zu befestigen.”

Wer Lichterketten lieber mag als Kerzen, sollte auf jeden Fall zu Qualitätsprodukten greifen, rät Stefanie Drückler vom TÜV Rheinland Product Safety in Köln. Nur Ketten mit dem GS-Zeichen für „geprüfte Sicherheit” seien von neutralen Prüfern getestet und freigegeben worden. Auch Name und Adresse des Herstellers sollten in deutscher Sprache auf der Verpackung angegeben sein.

Seriöse Hersteller legen zudem Reservelämpchen bei. Geht ein Lämpchen an der Kette kaputt, sollte es nicht nur aus ästhetischen Gründen schnell ausgetauscht werden. Denn sonst erhitzen sich die übrigen Lämpchen umso mehr, die Brandgefahr steigt.

„Baumschmuck aus Filz oder Stroh gehört deshalb nicht in die Nähe von Lichterketten”, warnt Beckmann. TÜV-Sprecherin Drückler empfiehlt vor allem Familien Ketten mit LED-Leuchtdioden oder mit Transformatoren, die im Niedrigstrombereich arbeiten und damit sicherer sind.

Was aber, wenn nun doch etwas passiert und das Sofa abbrennt? In solchen Fällen greift die Wohngebäude- oder die Hausratversicherung, erklärt GDV-Referentin Rüter de Escobar. Nur bei grob fahrlässigem Handeln könnten die Versicherer die Deckungssumme drastisch kürzen: „Zum Beispiel, wenn jemand stundenlang in der Küche verschwindet, während im Wohnzimmer unbeaufsichtigt die Kerzen lodern.”

Wer noch einen alten, schmiedeeiserne Weihnachtsbaumständer mit Drehmechanik und eingebauter Spieluhr besitzt, muss diesen nicht in den Müll werfen. „Die alten Ständer machen sich doch bestens unter kleineren Bäumen in Küche, Wintergarten oder Kinderzimmer”, sagt Susanne Woelk von der Aktion „Das sichere Haus”. Ohne brennende Kerzen natürlich.
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