Rezeptfreie Schmerzmittel: Alltagspillen sind nicht harmlos

Von: Eva Neumann, dpa
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Migräne Kopfschmerzen
Auch wenn Schmerzmittel nicht rezeptpflichtig sind, haben sie durchaus ernstzunehmende Nebenwirkungen. Im Zweifel sollte man den Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen und sich nur sehr kurzfristig selber behandeln. Foto: ddp

Frankfurt/Main. Wenn der Schädel brummt oder der Rücken wehtut, kann ein Schmerzmittel Abhilfe schaffen. Medikamente mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Das heißt jedoch nicht, dass sie harmlos sind.

Werden die vermeintlichen Helfer zu häufig oder in zu hoher Dosierung genommen, können sie selbst chronische Schmerzen verursachen und gravierende Nebenwirkungen haben. Und nicht jedes Mittel ist für jeden Patienten geeignet. Auch frei verkäufliche Schmerzmittel sollten also wohl überlegt angewandt werden.

„Wenn ein Patient mal unter Kopfschmerzen leidet, deshalb zu einem Medikament mit Wirkstoffen wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen greift und damit den Schmerz loswird, ist dagegen überhaupt nichts zu sagen”, betont Günther Egidi von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in Frankfurt. Alle drei Wirkstoffe können bei leichten bis mittleren Kopfschmerzen, bei leichtem Fieber sowie bei Gelenkbeschwerden helfen.

Für bestimmte Personengruppen sind die Präparate allerdings tabu: „Kinder dürfen nicht mit ASS behandelt werden. Ältere Menschen, insbesondere Herzinfarktpatienten, wiederum sollten kein Ibuprofen zu sich nehmen”, warnt Egidi. „Sie werden in der Regel mit ASS dauerbehandelt, welches verhindert, dass die Blutplättchen zusammenkleben. Wird nun parallel zu ASS Ibuprofen genommen, hebt dieses die ASS-Wirkung auf.” Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, ergänzt: „Für Patienten mit Niereninsuffizienz, Gerinnungsstörungen, Leberstörungen oder Magenschutzfunktionsstörungen sind alle diese Medikamente genauso wenig geeignet wie für die meisten Patienten über 60 Jahren.”

Wer nicht zu diesen Risikogruppen gehört, muss dennoch Maß halten. „Auch rezeptfreie Schmerzmittel dürfen nie länger als drei Tage am Stück oder zehnmal im Monat eingenommen werden”, formuliert Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin als Faustregel. Die Gefahr bei zu häufiger Anwendung: „Sie können selbst der Auslöser von Kopfschmerzen sein”, sagt Egidi. Damit beginnt ein gefährlicher Kreislauf: Der Patient hat ständig Kopfschmerzen, glaubt, sie mit dem Schmerzmittel zu bekämpfen, und schluckt deshalb ständig Schmerzmittel.

Dann stellen sich schnell weitere Nebenwirkungen ein. „Alle diese Medikamente greifen in Enzymsysteme ein, die der Körper für zahlreiche regulierende Mechanismen braucht, zum Beispiel für den Salz- und Flüssigkeitshaushalt der Niere”, sagt Müller-Schwefe und verweist auf eine Studie zu stationären Einweisungen. „In mehr als 20 Prozent der Fälle sind Nebenwirkungen von Medikamenten die Ursache für die Einweisung, darunter sind wiederum die von frei verkäuflichen Schmerzmitteln am häufigsten.”

Die möglichen Nebenwirkungen hängen vom Wirkstoff ab. „Dauerhafte Einnahme von ASS kann den Magen schädigen, von Paracetamol die Leber und die Niere, von Iburofen den Magen und ebenfalls die Niere”, zählt Egidi auf. Beispielsweise Patienten mit empfindlichem Magen sollten also ASS-Präparate meiden. „In geringer Dosierung hat Paracetamol das günstigste Wirkungs-Nebenwirkungsprofil”, erklärt Müller-Schwefe. „Allerdings wirkt es nicht entzündungshemmend, sondern nur schmerzhemmend und fiebersenkend.”

Wenn es um die Darreichungsform geht, hat der Patient mehr oder weniger freie Wahl zwischen Pille oder Kapsel, Brausetablette, Saft oder Zäpfchen. Im Blick auf die Nebenwirkungen macht die Form keinen Unterschied. „Wenn die Wirkstoffe dem Körper in gelöster Form, also in Form einer Brausetablette oder als Saft, zugeführt werden, wirken sie etwas schneller”, erläutert Apothekerin Sellerberg. „Darüber hinaus sind jedoch die persönlichen Gewohnheiten entscheidend.„

Wer Pillen oder Kapseln weder mit Flüssigkeit noch mit Speisebrei runter bekommt, wird zu Brausetablette, Saft oder Zäpfchen greifen. Bei Kindern kann Saft eine Alternative zum Zäpfchen sein. Er hat zusätzlich den Vorteil, dass er sich feiner dosieren lässt. Zusammenfassend empfiehlt Egidi: „Bei Kauf in der Apotheke sollten Patienten auf den Preis achten und verschiedene Hersteller vergleichen. Zusätze wie mit Vitamin C sind völlig unwichtig.”

Auch wenn der Griff zum Schmerzmittel manchmal unvermeidbar scheint: Wer häufig unter bestimmten Schmerzen leidet, sollte sich genau beobachten und versuchen, zusammen mit dem Hausarzt die Ursachen zu ermitteln. Nur so ist eine gezielte Therapie möglich.

Alternativen zur schnellen Tablette

Folgende Alternativen zu Schmerzmitteln empfiehlt Gerhard Müller-Schwefe von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie:

- bei Kopfschmerzen Kältepads oder Pfefferminzöl auf die Schläfen legen beziehungsweise reiben,

- bei Spannungskopfschmerz Entspannungsmethoden und Akupunktur, - bei Migräne Bio-Feedback-Verfahren, vorbeugend können regelmäßiger Lebenswandel und Ausdauersport helfen,

- bei Fieber viel trinken, Wadenwickel machen.

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