Probleme mit Berufsunfähigkeitsversicherung nach Ritalin-Behandlung

Von: Carina Frey, dpa
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Hamburg. Eine Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung ADHS mit Ritalin kann später den Abschluss einer Versicherung gegen Berufsunfähigkeit erschweren.

Werden Kinder, die an ADHS leiden, mit Ritalin behandelt, bekämen sie unter Umständen als junge Erwachsene keinen Vertrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung, warnte Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, im „Kölner Stadt-Anzeiger” (Dienstagsausgabe). Die Versicherer fragten bei der Gesundheitsprüfung mindestens fünf, aber manchmal auch zehn oder mehr Jahre rückwirkend ab.

Bei vielen betroffenen Kindern werde die Aufmerksamkeitsstörung in der Grundschule diagnostiziert, erklärte Kirsten Stollhoff von der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte dem dpa-Themendienst. Wie lange eine Behandlung mit Ritalin dauert, sei sehr unterschiedlich: Bei manchen Kindern ende sie nach einem Jahr, andere bekämen das Medikament bis zum Erwachsenenalter. Rund die Hälfte der Betroffenen würden noch im Teenageralter mit Ritalin behandelt, schätzte die in Hamburg praktizierende Kinderneurologin. „Es ist durchaus üblich, dass ein 15-Jähriger es noch bekommt.”

Dann kann der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung schwierig sein. Verbraucherschützer raten üblicherweise, sie schon in jungen Jahren abzuschließen. Denn je jünger und gesünder der künftige Versicherte beim Einstieg ist, desto günstiger fällt sein Beitrag aus. „Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr wichtig”, erklärte Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Eine gute Versicherung frage bei der Gesundheitsprüfung aber nur die letzten fünf Jahre ab. Fordert ein Versicherer Informationen für einen längeren Zeitraum, werde sie vom BdV nicht empfohlen.

Wer in den vergangenen fünf Jahren mit Ritalin behandelt wurde, sollte mit dem Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung besser warten, riet Köster - „die Ablehnung kommt sonst in jedem Fall.” Das Problem: Die Angaben werden in der zentralen Wagnisdatei der Lebensversicherer (HIS) gespeichert.

Lehnt eine Versicherung den Antragsteller wegen einer Vorerkrankung ab, erfahren alle anderen Versicherungen davon, erläutert der Versicherungsmakler Helge Kühl, der unter anderem für die Verbraucherzentralen arbeitet. Dadurch könne es passieren, dass ein Antragsteller überhaupt keinen Vertrag bekommt - nach dem Motto „Einmal abgelehnt, immer abgelehnt”.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, sollte daher vorher mit seinem Arzt sprechen und fragen, ob in der Krankenakte „Verdächtiges” wie die Gabe von Psychopharmaka steht, empfahl Köster. Wer nicht sicher ist, ob es Probleme gibt, könne bei der Versicherung eine anonyme Risikoanfrage über einen Versicherungsmakler stellen. Dabei werden die Unterlagen zwar vollständig ausgefüllt, Angaben zur Person aber geschwärzt.
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