Freiburg/Recklinghausen - Podologen sind mehr als Fußpfleger

Podologen sind mehr als Fußpfleger

Von: Angelika Röpcke, dpa
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Sind die Fußnägel verhornt oder missgebildet, ist das ein Fall für den Podologen. Foto: dpa

Freiburg/Recklinghausen. Fußprobleme hat fast jeder einmal in seinem Leben. Kinder klagen über eingewachsene Nägel, viele Jugendliche haben wegen ihrer Turnschuhe Schweißfüße, und mancher Erwachsener leidet unter Diabetesfüßen.

Solche Fälle sind nichts für den gemeinen Fußpfleger, der etwa in einem Kosmetikstudio arbeitet. Hier ist der Podologe gefragt. Er kümmert sich um alle Beschwerden, die ohne Operation zu behandeln sind.

Wer Podologe werden will, braucht nach Angaben der Berufsfachschule für Podologie in Freiburg die Mittlere Reife. Ein Hauptschulabschluss reicht in Kombination mit einer fertigen Berufsausbildung, die mindestens zwei Jahre gedauert hat.

Gelernt wird nicht wie bei vielen Berufen im Betrieb und an einer Berufsschule. Podologie wird an privaten, staatlich anerkannten Fachschulen gelehrt. Die Ausbildung dauert zwei Jahre, erklärt Annett Ullrich, Vizepräsidentin des Zentralverbandes der Podologen und Fußpfleger Deutschlands (ZFD) in Recklinghausen.

An der Berufsfachschule beschäftigen sich die Schüler mit Themen wie Hygiene und Mikrobiologie sowie Anatomie und Physiologie. Außerdem geht es um die Prävention von Fußleiden - etwa durch Bäder, eine Elektrotherapie oder durchblutungsfördernde Massagen.

Darüber hinaus ist Krankheitslehre ein wichtiges Gebiet. Darin befassen sich angehende Podologen zum Beispiel mit Diabetes. Sie lernen, wie verbreitet die Krankheit ist und dass sie Nerven und Gefäße der Füße schädigen kann. Verhornungen, Entzündungen und offene Wunden sind mögliche Folgen.

Podologen hätten oft Diabetespatienten mit offenen Füßen, erzählt Andreas Sanders, Vorsitzender des Deutschen Podologen-Verbandes in Büren bei Paderborn. „Der Podologe nimmt dann die Wundversorgung und Wundreinigung vor.” Allerdings sei er kein Arzt - Operationen seien tabu, Betäubungen auch. Hühneraugen dürfe er behandeln, Warzen ebenfalls. „Warzen werden vereist, das zählt aber nicht als Betäubung”, erläutert Sanders.

Für manchen dürfte der Job eines Podologen etwas eklig klingen, wenn er an Füße denkt, die unangenehm riechen oder an denen sich Schuppenflechte breitmacht. Sanders sieht das anders: Erstens trügen Podologen Handschuhe und Mundschutz. Zweitens kämen die Patienten in der Regel mit frisch gewaschenenen Füßen zur Behandlung. „Manche Hände sind dreckiger als die Füße”, stellt Sanders klar. „Das ist bei weitem nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt.” Der Job mache vor allem Spaß, wenn man gerne mit Menschen zusammenarbeitet.

„Podologen arbeiten in eigener Praxis, in Krankenhäusern oder diabetischen Fußambulanzen”, erklärt Annett Ullrich. Ganz wichtig sei die enge Abstimmung mit den angrenzenden Berufsgruppen wie Orthopäden, Internisten und Orthopädieschuhmachern.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Fortbildungen für Podologen. Die Kurse müssen sie in aller Regel selbst bezahlen. Weiterbildungen etwa zur Hygienefachkraft oder zum Wundmanager sind eine Möglichkeit, sich über neue Behandlungsmethoden und Produkte sowie über aktuelle gesetzliche Bestimmungen zu informieren. „Ob sich mit Zusatzqualifikationen immer und überall gleich mehr verdienen lässt, ist natürlich nicht pauschal zu sagen”, dämpft Ullrich die Erwartungen. Um auf dem Markt langfristig erfolgreich zu sein, sei aber ein individuelles Profil wichtig, um Kunden an sich zu binden.

Der Titel „Podologe/Podologin” ist geschützt. Man darf sich Ullrich zufolge nach der Ausbildung aber auch „Medizinischer Fußpfleger” nennen. Wer sich nur Fußpfleger nennt, arbeitet im kosmetischen Bereich. „Die Ausbildungszeiträume für die Fußpflege schwanken von drei Tagen bis zu circa sechs Monaten in Teilzeit”, sagt Ullrich. Eine solche Ausbildung reiche aber nicht aus, um zum Beispiel den Fuß eines Diabetikers behandeln zu können.

Wer also medizinische Probleme am Fuß hat - Nagelmissbildungen, Verhornungen oder verpilzte Nägel - sollte sich nicht an normale Fußpfleger, sondern an Podologen wenden. Für diese Experten gibt es noch Bedarf. Laut Andreas Sanders gibt es derzeit 6000 bis 7000, 20.000 könnten es allein gemessen an den vielen Diabetespatienten sein. „Der Markt ist bei weitem noch nicht gedeckt.”

Was Podologen verdienen

Während der zweijährigen Ausbildung an einer Schule werden die angehenden Podologen nicht vergütet, wie Andreas Sanders erklärt. Im Gegenteil: „Dafür müssen sie bezahlen”, sagt der Vorsitzende des Deutschen Podologen-Verbandes in Büren bei Paderborn. In die Ausbildung müssten im Schnitt 10.000 Euro investiert werden - das umfasst Schulgebühren und Materialkosten. Fertige Podologen können dann als Einstiegsgehalt mit etwa acht Euro Bruttoverdienst in der Stunde rechnen.

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