Pflegekräfte sind gefragter denn je

Von: Angelika Röpcke
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Pflege von alten Menschen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Foto: dpa

Würzburg/Berlin. Der Trend spricht für die Pflegebranche: Die Menschen werden immer älter, Patienten bleiben nicht mehr so lange im Krankenhaus wie früher, brauchen aber wie die Älteren weitere Betreuung.

Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen zieht einen großen Bedarf an Fachkräften nach sich, zumal es immer mehr Ältere und mehr Menschen mit mehreren Krankheiten gleichzeitig gibt. Gesundheitsexperten der Bundesregierung rechnen damit, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 2,1 Millionen auf bis zu 4,4 Millionen im Jahr 2050 steigen könnte. Gesundheits- und Krankenpfleger haben daher beste Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Und sie haben einen Beruf, der hohes Ansehen genießt: Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sind sie sogar angesehener als Ärzte oder Richter. Gesine Hilse leitet am Klinikum der Universität Würzburg die Staatliche Berufsfachschule für Krankenpflege. Nach ihren Worten erkennt die Gesellschaft die Arbeit von Gesundheits- und Krankenpflegerinnen - in dem Beruf arbeiten überwiegend Frauen - mittlerweile an. „Immer mehr Menschen leben in Singlehaushalten”, sagt Hilse. Wer dann plötzlich hilfsbedürftig ist und die Familie nicht am Ort hat, braucht Betreuung. „Der Beruf wird immer mehr geachtet, weil man sieht, was Pflege wirklich bedeutet.”

Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an staatlichen, privaten oder gemeinnützigen Schulen dauert drei Jahre. „Als Pflegefachkraft übernehme ich zunächst grundpflegerische Aufgaben”, erklärt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe in Berlin. Dazu gehören An- und Auskleiden, Bewegung, Essen und Trinken, aber auch das Waschen. „Hinzu kommt die Behandlungspflege, also das Verabreichen von Medikamenten in unterschiedlicher Form” - Tabletten, Einreibungen, Injektionen, Infusionen. Auch die Wundversorgung, künstliche Ernährung, das Vor- und Nachbereiten bei Therapiemaßnahmen oder das Überwachen von Blutdruck und Temperatur gehören zum Job.

„Kranke und Pflegebedürftige befinden sich in Ausnahmesituationen und sind deshalb sensibel und verletzlich. Sie zu betreuen, bedeutet große Verantwortung”, sagt Knüppel. „Man ist derjenige, der die ganzen Emotionen der Patienten erlebt”, ergänzt Gesine Hilse. Pflege bedeute Rundum-Betreuung, zu der auch Gespräche gehörten, auch wenn dafür immer weniger Zeit bleibt. „Der Zeitdruck ist sehr groß”, sagt die Schulleiterin. „Mit zunehmender Berufserfahrung entwickelt man einen Blick dafür, wie es dem Gegenüber geht, wann er oder sie Hilfe braucht und will, und kann sein Erfahrungswissen gezielt anwenden”, erläutert Johanna Knüppel. „Wenn man dann erlebt, dass man durch sein Eingreifen etwas zum Positiven verändern konnte, ist das ein Erfolgserlebnis, das anspornt.”

Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten in der Regel im Team. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus Wiesbaden gibt es bundesweit etwa 527 000 Vollzeit-Beschäftigte in diesem Job, die meisten im Krankenhaus. Hinzu kommen gut 263 000 Teilzeit- oder geringfügig Beschäftigte. Pflegekräfte sind im Schichtdienst tätig, arbeiten also auch am Wochenende und nachts. Wer einen Vollzeitjob ausübt, hat nach einer Erhebung des Bundesamts im Jahr 2007 jede Woche etwa 38,4 Stunden gearbeitet.

Nach Hilses Einschätzung braucht es vor allem soziale Kompetenzen, um als Pflegekraft zu bestehen: „Man muss sensibel bleiben, sich aber auch abgrenzen.” Während der Ausbildung haben die Azubis deshalb Psychologieunterricht. Aber auch medizinische Kenntnisse sind wichtig, um Patienten nach einer Krebserkrankung oder einem Herzinfarkt zu betreuen. „Sie müssen wissen, wie ist der Körper aufgebaut, wie funktioniert er, welche Krankheiten haben welche Auswirkungen”, erklärt Hilse. „Die Rehabilitation gehört auch zur Ausbildung, also das Wissen, wie der Patient wieder in Beruf und Alltag eingegliedert werden kann.” Diese Theorie wird auf verschiedenen Stationen im Krankenhaus wie Kinder- oder Intensivstation, in Sozialstationen oder Pflegeheimen angewandt.

„Traditionell werden die Auszubildenden in den Pflegeberufen recht gut bezahlt”, sagt Knüppel. „Zu den Grundgehältern kommen je nach Einsatzort Zulagen dazu, für Nachtarbeit, Schichtdienste, Einsatz in Infektionsbereichen und auf Intensivstationen.” Hilse zufolge verdienen Azubis im dritten Ausbildungsjahr etwa 970 Euro brutto im Monat, nach fünf Jahren Berufserfahrung kommen Pfleger auf 1460 Euro netto monatlich. Eine Stationsleiterin verdiene rund 1700 Euro netto.

Weitere Informationen: Berufsverband für Pflegeberufe, Salzufer 6, 10587 Berlin, dbfk@dbfk.de
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