Pflegefall in der Familie: Welche Kosten das Finanzamt anerkennt

Von: Oliver Mest, ddp
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Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, ist das mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Foto: ddp

Berlin. Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, kommt auf die Familien eine erhebliche finanzielle Belastung zu. Und das nicht nur, wenn der Pflegebedürftige in ein Pflegeheim kommt - auch häusliche Pflege kann teuer werden und zu einer finanziellen Belastung für alle Beteiligten werden.

Zwar zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung einen Anteil auch zur häuslichen Pflege, die gesamten Kosten werden dadurch jedoch selten abgedeckt, denn das Pflegegeld liegt derzeit bei maximal 685 Euro im Monat. Das ist nicht viel, wenn zum Beispiel ein Pflegedienst sich um den Pflegebedürftigen kümmern muss. Doch es gibt zumindest steuerliche Vorteile.

Die häusliche Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Personen gehört zu den haushaltsnahen Dienstleistungen. Damit sind die Kosten für Pflegedienste oder Pflegekräfte steuerlich absetzbar. Das Finanzamt erkennt dabei bis zu 20.000 Euro mit 20 Prozent an, so dass 4000 Euro jährlich von der Steuerschuld absetzbar sind. Wichtig dabei: Wenn Angehörige die Kosten für Pflege und Betreuung übernehmen, können sie selbst die beschriebene Steuerermäßigung in Anspruch nehmen.

Das Problem dabei: Wenn Kosten für Pflegeleistungen entstehen, sind diese in aller Regel vorrangig als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. In diesem Fall sind dann aber die Steuerermäßigungen wegen haushaltsnaher Dienstleistungen ausgeschlossen und die Kosten müssen als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Sie werden dann zwar unbegrenzt anerkannt, nach unten gibt es aber durch die zumutbare Belastung einen Sockelbetrag, der sich steuerlich nicht auswirkt. Für diesen Restbetrag ist dann allerdings eine Absetzbarkeit als haushaltsnahe Dienstleistung gegeben. So ist unter dem Strich der Restbetrag als haushaltsnahe Dienstleistung absetzbar.

In vielen Fällen zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung den Pflegebedürftigen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Diese Leistungen werden angerechnet, wenn sie ausschließlich und zweckgebunden für Pflege- und Betreuungsleistungen bestimmt sind. Dazu zählen zum Beispiel Pflegesachleistungen oder Kostenersatz für zusätzliche Betreuungsleistungen. Das Pflegegeld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung muss dagegen grundsätzlich nicht auf die Aufwendungen angerechnet werden, die steuerlich geltend gemacht werden. Denn das Pflegegeld wird nicht zweckgebunden für professionelle Pflegedienste gezahlt.

Wichtig ist für Betroffene auch, dass die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung mit der Bewilligung von bestimmten Pauschbeträgen kollidieren kann. Wenn Pflegebedürftige einen Behinderten-Pauschbetrag in Anspruch nehmen, kann für die haushaltsnahen Dienst- und Pflegeleistungen keine Steuervergünstigung mehr beantragt werden. Und wer selbst einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut, hat Anspruch auf den Pflege-Pauschbetrag von 924 Euro.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Pflegetätigkeit nicht bezahlt wird. Und das heißt: Leitet der Pflegebedürftige das Pflegegeld an den Pflegenden weiter, kann der den Pauschbetrag nicht mehr in Anspruch nehmen, weil es dann an der dafür erforderlichen Unentgeltlichkeit der Pflegeleistung mangelt.
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