Pflege-Policen: Markt um dritte Versicherungsvariante erweitert

Von: Oliver Mest, ddp
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Hamburg. Die gesetzliche Pflegeversicherung steht oft in den Schlagzeilen. Es ist klar, dass ihre Leistungen im Ernstfall niemals ausreichen, um die tatsächlichen Kosten bei Pflegebedürftigkeit zu decken.

Denn die gesetzliche Versicherung übernimmt nicht alle tatsächlich anfallenden Kosten, sondern zahlt nur bestimmte Sätze. In der Folge muss oft das eigene Vermögen angegriffen werden, oder Familienmitglieder müssen einspringen. Als Alternative bietet sich eine private Zusatzversicherung an.

Bislang wurden entsprechende Policen in zwei Varianten angeboten - als Beteiligung an den Pflegekosten und als Tagegeld. Bei der Tagegeld-Variante wird ein fester Tagessatz gezahlt, egal wie hoch die Kosten später sind. Bei der Pflegekostenpolice erhalten die Versicherten einen Teil der Differenz zwischen gesetzlicher Leistung und den tatsächlichen Kosten oder bekommen einen Zuschlag zu den festgesetzten gesetzlichen Leistungen.

Eine dritte Variante hat nun die Gothaer Versicherung auf den Markt gebracht. Diese ist fondsbasiert und definiert die Pflegebedürftigkeit neu. Dabei richtet sich die Pflegebedürftigkeit nicht mehr nach der Pflegestufe. Vielmehr wird ein Fähigkeitenkatalog erstellt, der die sechs Fähigkeiten „Fortbewegen im Zimmer”, „Aufstehen und Zubettgehen”, „An - und Auskleiden”, „Einnahme von Mahlzeiten und Getränken” sowie „Waschen” und „Verrichten der Notdurft” umfasst.

Können Versicherte vier der sechs Fähigkeiten voraussichtlich länger als ein halbes Jahr nicht ausüben, liegt Pflegebedürftigkeit im Sinne der Versicherungsbedingungen vor. Ferner ist die Pflegebedürftigkeit gegeben, wenn eine voraussichtlich dauerhafte „Einschränkung der Alltagskompetenz” vorliegt und der Versicherte beaufsichtigt werden muss. In diesen Fällen erhalten die Versicherten eine monatliche Rente, eine Einmalleistung in Höhe einer Jahresrente und sind von den Beitragszahlungen befreit.

Die Ausrichtung der PflegeRente Invest als fondsbasierte Versicherung birgt Chancen durch mögliche Kursgewinne. Zugleich aber bestehen auch Risiken, da bei einer schlechten Börsenentwicklung das Kapital unter Umständen nicht ausreicht, um den vereinbarten Pflegeschutz zu leisten. Dann besteht die Möglichkeit, den Versicherungsschutz nach fünf Jahren anzupassen - entweder durch Reduzierung der Versicherungsleistung oder durch Anpassen der Beiträge. Darin liegt dann auch das Risiko der Police, weil der Versicherungsschutz reduziert werden muss oder teurer wird.

Anders als bei herkömmlichen Pflegezusatzversicherungen bekommen die Hinterbliebenen im Todesfall des Versicherten die eingezahlten Beiträge erstattet. Dabei wird bei einem Todesfall vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit das angesparte Fondsvermögen, mindestens jedoch die eingezahlten Beiträge erstattet. Bei einem Todesfall nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit werden die gezahlten Beiträge unverzinst zurückgezahlt.

Ein weiteres Plus der neuen Pflegeversicherung gegenüber den bisherigen Policen ist die Leistungsanpassung - entweder dynamisch während der Beitragszahlungsdauer oder im durch eine Nachversicherungsgarantie.

Letztlich verschafft die Pflegeversicherung der Gothaer Versicherten einen leichteren Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung, weil die Bindung an die Pflegestufen abgeschafft wurde. Zudem bietet die Police die Sicherheit, dass die Beiträge im Todesfall nicht verloren sind und dass der Schutz durch eine Dynamisierung und Nachversicherungsgarantie anpassbar ist.

Dagegen steht die Unsicherheit, dass ein schlechtes Börsenumfeld den Versicherungsschutz reduziert oder teurer macht. Wer dieses Risiko aber tragen kann, der findet mit dieser Pflegeversicherung ein interessantes Produkt.
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