München/Bad Homburg - Partner sollten auf Schuldzuweisungen und Racheakte verzichten

Partner sollten auf Schuldzuweisungen und Racheakte verzichten

Von: dapd
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Getrennt lebende Eltern sollten sich in wichtigen Erziehungsfragen auf eine gemeinsame Linie einigen. Foto: dapd

München/Bad Homburg. Als Wiebke Landau (Name von der Red. geändert) und ihr Mann sich trennten, lösten sie die gemeinsame Wohnung auf. Das gemeinsame Presse-Büro nicht. Selbst Jahre nach ihrer Trennung treffen sie sich auch noch manchmal in der Freizeit.

„Neulich waren wir mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt, das war schön”, erzählt die 45-Jährige. „Wir verstehen uns sehr gut. Uns ist einfach nur die Liebe abhandengekommen. Aber das haben wir akzeptiert.” Selten läuft es so harmonisch, wenn ein Paar sich trennt. Viele erleben die Trennung als zermürbenden Kleinkrieg, bei dem viel Porzellan zerschlagen wird und ein Scherbenhaufen zurückbleibt.

Doch es gebe eine Alternative zur „Katastrophe Trennung”, sagt Mathias Voelchert, Coach und Autor des Buches „Trennung in Liebe”. Dazu müsse man sich die entscheidende Frage stellen, ob man wirklich nie wieder etwas mit dem Ex-Partner zu tun haben wolle. „Man kann den anderen nicht ausknipsen wie ein Auto, das man verkauft”, betont der Paarberater aus München: „Der Mensch ist kein Idiot geworden. Vielmehr hat sich eine Fantasie, eine Forderung an den anderen nicht erfüllt, zum Beispiel die, ein Leben lang zusammenzubleiben, und vieles andere, was man erwartet hatte.”

Eine faire Trennung setze deshalb den Verzicht auf Schuldzuweisen und Vorwürfe voraus. Das könne man schaffen, indem man Verantwortung übernehme, selbst in Fällen, wo es leicht erscheine, dem anderen die volle „Schuld” zu geben, etwa nach jahrelanger Untreue. „Zu sagen: Seit 20 Jahren betrügt er mich, ist dumm und hält einen in der Opferrolle”, sagt Voelchert.

Ebenso hätten Racheakte und haltlose Wutausbrüche in einem fairen Trennungsprozess nichts zu suchen. „Eine Trennung in Liebe geht nicht auf Kosten eines Beteiligten und ist keine Rache”, betont Voelchert, der in seinem Buch auch viele seiner eigenen Scheidungserfahrungen verarbeitet hat. Der Coach rät dazu, auf das Gemeinsame zu blicken, das man als Paar hatte, nicht auf das Trennende. Doch was soll man tun, wenn Wut und Rachegelüste in einem brodeln? „Hinter der Wut steht immer die Trauer”, sagt Voelchert: „ Und um die muss ich mich kümmern.”

Zu den konkreten Schritten einer fairen Trennung gehört es nach Ansicht des Coachs, offen mit dem Partner zu reden, bevor man mit Dritten spricht. Es falle vielen sehr schwer, ein derartiges Gespräch zu eröffnen. Doch es sei in Ordnung, ungeübt zu sein. Man könne das dem anderen gegenüber ruhig zugeben: „Das macht auch Eindruck auf den Partner, denn hier spricht mich eine Seele an und nicht eine Mail.”

Hilfe bei neutralen Vermittlern suchen

Im Gespräch zu bleiben und Achtung zu zeigen, ist auch für Nicole Bienkowski, Gründerin von „Die Trennungsexperten” aus Bad Homburg, ein Zeichen von Fairness. „Wenn man es geschafft hat, sich nach einer Trennung mit Respekt und Achtung in die Augen zu schauen und man miteinander reden kann”, habe man sich fair getrennt, sagt sie. Allerdings sei in den meisten Fällen ein neutraler Vermittler nötig, da es gefühlsmäßig für die Partner schwierig sei, eine Lösung zu finden, wie die Beraterin, die ihren Kunden eine professionelle Trennungs- und Scheidungsorganisation anbietet, in vielen Gesprächen und anhand ihrer eigenen leidvollen Scheidungsgeschichte festgestellt hat. „Jeder steckt in seinen eigenen Ansichten und Vorstellungen fest. Kleinkriegs-Schauplätze gibt es fast immer in einer emotional gelagerten Phase.”

Freunde und Bekannte seien nicht für die Vermittlung geeignet, denn das neutrale Umfeld müsse gewahrt bleiben. Allerdings wird nach Einschätzung von Bienkoswki oft zu spät Hilfe gesucht: „Es wird dann schwer, ein in den Brunnen gefallenes Kind wieder rauszuholen. Man muss frühzeitig die richtigen Schritte einleiten. Das verhindert oft totales Chaos.”

Hauruck-Trennung meist keine faire Lösung

Chaos verhindern will vielleicht auch so mancher, der versucht, sich möglichst geräuschlos und ohne Vorwarnung zu trennen. Beispielsweise heimlich eine neue Wohnung organisiert und dann sofort nach dem Trennungsgespräch auszieht. „Das ist das Gegenteil von fairer Trennung”, sagt Paarberater Voelchert. Allerdings räumt er ein, dass sehr unterschiedliche Bedürfnisse beider Partner aufeinanderprallen können. Der eine wolle sich mit einem Hauruck-Verfahren vielleicht vor einer langen schmerzhaften Trennung in Etappen schützen, während der andere zwei Jahre brauche, um sich zu lösen.

Einen idealen Zeitpunkt oder Ort für das Trennungsgespräch gebe es ebenso wenig, sagt Voelchert. „Wenn ich die aggressive Variante erwarte, ist ein Kaffee vielleicht richtig. Wenn ich Tränen und Trauer erwarte, ist ein intimerer Rahmen besser.” Ein Dritter sollte beim ersten Trennungsgespräch auf keinen Fall dabei sein, findet der Coach. Das sei nicht fair. „Wenn jemand nicht stark genug dafür ist, dann soll er das sagen.” Es helfe auch nicht, praktische Fragen der Trennung vorzuschieben, in der Hoffnung, Gefühlen und möglichen Verletzungen aus dem Weg zu gehen. „Das funktioniere in der Praxis nicht: ”Wenn noch seelische Rechnungen offen sind, sagt man: Du kriegst auf keinen Fall das Klavier.„

Um die Auseinandersetzung mit dem anderen - und letztlich auch mit sich selbst - kommt demnach keiner herum, der sich auf faire Art trennen möchte. Doch das berge auch Chancen für die eigene Persönlichkeit: ”Trennung ist immer Maßarbeit und die Möglichkeit, zu wachsen und sich selbst kennenzulernen„, sagt Voelchert.

Zettel und Stift als Trennungshelfer


Damit das Auseinandergehen fair abläuft, können ein Schreibblock und ein Stift wertvolle Trennungshelfer sein. Denn schriftliche Absprachen und eigene Notizen helfen, einen klaren Kopf zu bewahren und sich nicht von seinen Gefühlen überrennen zu lassen.

Trennungsexperten raten:

- Versuchen Sie, sich zu disziplinieren, indem Sie Überlegungen, Forderungen und Absprachen aufschreiben.

- Wenn Sie zu Papier bringen, was Sie wollen, werden Sie sich möglicherweise besser über ihre eigene Position klar.

- Schreiben Sie auf, was besprochen wurde, um unergiebige „Aber-Du-hast-doch-gesagt”-Gespräche zu verhindern.

- Wenn Gespräche ohne Streit kaum noch möglich sind, treten Sie konsequent schriftlich miteinander in Kontakt.

- Notizen und Briefwechsel sind eine Grundlage für das Gespräch mit einem Anwalt.

- Halten Sie sachlich in einem informellen Vertrag fest, wie Sie Ihre Partnerschaft lösen wollen. Ein Muster zu einer solchen Lösungsvereinbarung kann man im Internet unter paareimwandel.de herunterladen.

Literatur: Mathias Jung, Reiner Taudien: „Trennung als Aufbruch: Bleiben oder gehen? Ein Ratgeber aus der paartherapeutischen Praxis”, Emu Verlag, 1999, 16,80 Euro, ISBN: 978-3891890738

Sandra Lüpkes: „Ich verlasse Dich: Ein Ratgeber für den, der geht”, Krüger Verlag, 2008, 14,95 Euro, ISBN: 978-3810511485

Mathias Voelchert: „Trennung in Liebe ? damit Freundschaft bleibt”, Kösel Verlag, 2006, 19,95 Euro, ISBN: 978-3466307180

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