Ludwigshafen - „Oma ist nicht verrückt”: Kindern das Verhalten Demenzkranker immer wieder erklären

„Oma ist nicht verrückt”: Kindern das Verhalten Demenzkranker immer wieder erklären

Von: dapd
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Ludwigshafen. Das Verhalten Demenzkranker wirkt auf andere oft seltsam. Besonders für Kinder ist es nicht leicht zu verstehen, warum ihre Uroma sie plötzlich nicht mehr erkennt oder der Großonkel seine falschen Zähne auf den Esstisch legt.

„Es ist wichtig, dass man Kinder in so einer Situation von Anfang begleitet und ihnen Antworten auf ihre Fragen gibt”, sagt Ulrich Heberger von der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz. Grundsätzlich sollte man ihnen erklären, dass Demenz eine Krankheit des Gehirns ist. „Sonst denken Kinder, ihre Oma sei komisch oder verrückt”, sagt Heberger. Sei ihnen klar, dass der Betroffene krank ist, könnten sie ganz anders mit ihm umgehen.

Die Auswirkungen der Demenz könne man Kindern gut verdeutlichen, indem man ihnen sagt, dass derjenige sich immer weniger an die letzten Jahre erinnern kann. „Man kann auch sagen: Oma wird innerlich also immer jünger, sie lebt in einer anderen Zeit”, empfiehlt Heberger. Vor diesem Hintergrund könnten Kinder begreifen, dass die Großmutter ihre eigenen Enkel nicht mehr erkennt - schließlich denkt sie, sie sei noch eine junge, kinderlose Frau.

Verwirrende Situationen wie diese sollte man offen ansprechen und den Kindern erklären, weshalb die Person gerade so handelt. Dass Opa beispielsweise seine Brille in den Kühlschrank gelegt hat, um sie sicher aufzubewahren. Oder dass der Demenzkranke eben manchmal auch schlecht drauf ist, das aber nicht mehr so gut sagen kann und deshalb ruppig wirkt. „Wichtig ist, dass die Kinder wissen, dass dieses Verhalten nicht böse gemeint ist”, sagt Heberger.

Manche Menschen, die an Demenz erkrankt sind, können mit Kindern nicht mehr viel anfangen. „Kinder kommen einem oft sehr nahe. Ein Mensch mit Demenz, der dieses Wesen vielleicht gar nicht erkennt, wird dadurch schnell verunsichert”, erklärt Ulrich Heberger. Es komme vor, dass ein Enkel seine Oma umarmt und diese darauf sehr abweisend reagiert.

„Man sollte mit Kindern daher vereinbaren, dass sie den Demenzkranken immer erst mal respektvoll und zurückhaltend begrüßen, indem sie ihm die Hand geben”, empfiehlt der Experte. Das nehme den Betroffenen die Angst vor den kleinen Wirbelwinden. „Es gibt aber auch Menschen mit Demenz, die es lieben, mit Kindern zusammen zu sein”, betont Heberger.

Kindgerechte Informationen zum Thema Demenz liefert beispielsweise die kostenlose Broschüre „Demenz - Was ist denn das?” der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (Download im Internet).
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