Olaf ist alt, Laura ist jung: Vornamen lösen Vorurteile aus

Von: Wolfgang Harms, dpa
Letzte Aktualisierung:
Vornamen
Eine Hebamme hält Namenskettchen mit den Namen Sophie und Maximilian in der Hand. So hießen 2008 die meisten Neugeborenen in Deutschland. Foto: dpa

Wiesbaden. Wer seinem Kind einen modischen Namen gibt, tut ihm nicht unbedingt einen Gefallen. Denn was bei der Taufe noch attraktiv klingt, kann später zur Vorbelastung werden. Vornamen lösen Vorurteile aus, wie der Psychologe Udo Rudolph von der Universität Chemnitz nachgewiesen hat.

Wer einen Namen hört, schließt auf das Alter des Trägers - und dies setzt eine Wirkungskette in Gang: „Je jünger eine Person mit einem bestimmten Namen wahrgenommen wird, desto attraktiver wird diese eingeschätzt; je größer die wahrgenommene Attraktivität, desto intelligenter wird die Person eingeschätzt”, heißt es in Rudolphs Studie „Ein Vorname sagt mehr als 1000 Worte”.

Wie Rudolph feststellte, konnten die 150 Versuchspersonen das Alter der Namensträger sehr realistisch einstufen. Kinder lernten dies aus ihrer Umwelt, erklärt er: „Einen Heinrich oder Herbert finden Sie in heutigen Kindergärten nicht. Unser Gehirn ist darauf eingerichtet, solche Zusammenhänge unbewusst zu erfassen.”

Dies gilt vor allem für Namen, die sich in einer bestimmten Zeit häuften, aber heute selten geworden sind. Frank etwa, 1967 bundesweit auf Platz fünf, gilt heute als ebenso altmodisch wie Sabine, die vor 42 Jahren auf Platz eins rangierte. Weniger einfach ist die Zuordnung bei Namen, deren Beliebtheit andauert: Susanne und Andreas sind solche zeitlosen Klassiker. Modern - und damit attraktiv und intelligent - klingen etwa Leonie (seit 2003 unter den zehn häufigsten Neugeborenen-Namen) und David (seit 2002).

Darin zeigt sich ein feines Gespür für den Wandel der Namensmode. Dessen Gründe sind den Wissenschaftlern noch rätselhaft. Auch bei der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die seit 1977 systematisch die Listen von Standesämtern auswertet, kann man die Trends nur erfassen, aber nicht erklären: „Einen anonymen, kollektiven Massengeschmack” vermutet GfdS-Mitarbeiter Gerhard Müller hinter dem steilen Aufstieg Mias (in diesem Jahr Platz neun), Antons und Noahs. Auch Rudolph muss passen: „Unklar bleibt, unter welchen Bedingungen bestimmte Namen zu "Spitzenreitern" werden und andere über eine Nebenrolle nicht hinauskommen.”

Allerdings fand er heraus, dass Eltern sich heute weniger an familiären und religiösen Traditionen orientieren als noch in den 50er Jahren: „Der am häufigsten genannte Grund bei der Namenswahl für die eigenen Kinder ist Modernität.” 22 Prozent der Versuchspersonen nannten diesen Grund, gefolgt von Klang (17 Prozent) und Seltenheit (15 Prozent). Dies untermauert, was US-Forscher schon in den 40er Jahren ermittelten: Wird ein Name zu oft vergeben, verliert er an Popularität.

Aber Häufigkeit ist im Zusammenhang der Namenskunde ein relativer Begriff geworden: „Vor 1000 Jahren hießen Männer kaum anders als Heinrich, Friedrich, Wilhelm und Johannes”, sagt Rudolph. Heute zählt die GfdS in Deutschland dagegen rund 6000 weibliche und männliche Vornamen - über die Hälfte davon kommen bundesweit nur einmal vor. 1967 hießen sechs Prozent aller neugeborenen Mädchen Sabine - heute ist Sophie mit einer hochgerechneten Quote von gut zwei Prozent einsame Spitze.

Rudolph empfiehlt, Kindern zeitlose Namen zu geben. Nicht etwa wegen der Vorurteile, die in Modenamen lauern - denn die Annahmen über Alter und Intelligenz spielen nur eine Rolle, solange man von der Person nur ihren Vornamen kennt. Doch der Psychologe denkt an die Perspektive der Kinder: „Wir wollen doch, dass sie mit ihrem Namen ihr Leben lang glücklich sind.” Sie wollten weder exotische Namen, die sie stets buchstabieren müssten, noch solche, an denen man noch im hohen Alter ihr Geburts-Jahrzehnt ablesen könne.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert