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Nur Gassigehen reicht nicht: Vierbeiner brauchen Herausforderungen

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Gassi
Wenn Hunde unterfordert sind, werden sie depressiv - und im schlimmsten Fall aggressiv. Deshalb sollten Herrchen mit ihren Vierbeinern ausreichend spielen. Hunde können etwa Familienmitglieder suchen oder Tricks wie „Toter Hund” lernen. Foto: Monique Wüstenhagen, dpa

Dortmund. Jeden Tag ein bisschen rausgehen, Futter hinstellen und mit dem Hund kuscheln - das allein reicht meist nicht. Dann kann es bald passieren, dass der Vierbeiner unterfordert ist und sich langweilt. Allerdings gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Hunde bedarfsgerecht zu beschäftigen.

„Im Prinzip kann jeder Hund unterfordert sein”, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen aus Dortmund. Das hänge auch mit dem Temperament jedes einzelnen Tieres zusammen. In jedem Fall tritt Unterforderung immer dann auf, wenn die Bedürfnisse des Hundes nicht ausreichend befriedigt werden.

Die Folge: Der Hund sucht sich selbst eine Beschäftigung. Und das muss dem Halter nicht immer gefallen. „Die Tiere fangen zu Hause mit Schabernack an”, berichtet Kopernik. Sie nagen also Möbel an, kratzen die Tapete von den Wänden oder versuchen, Kabelsalat zu entwirren - was sehr gefährlich werden kann. „Es kommt auch vor, dass der Hund einem andauernd auf die Pelle rückt und zum Spielen auffordert.”

Unterforderung könne außerdem in Aggression umschlagen, auch gegen den Halter. „Das ist wie bei Menschen, die frustriert sind”, so der Experte. „Die Tiere reagieren nicht mehr mit kühlem Kopf, und während der eine nur ständig kläfft, schnappt ein anderer auch mal zu.”

Ulrike Falbesaner, Fachtierärztin für Verhaltenskunde aus dem bayerischen Maisach, ergänzt: „Unterforderung kann Hunde unter Umständen richtig krank machen.” Das gelte zwar nicht für alle Hunde. Gerade bei älteren Hunden könne die Langeweile aber irgendwann auch in Depressionen umschlagen.

So weit muss es aber nicht kommen. „Die Faustregel ist: Man muss den Hund beschäftigen”, sagt die Hundetrainerin Mareike Stolpmann aus Hameln. „Was für den einzelnen Hund das Richtige ist und was ihm und dem Halter Spaß macht, muss man ausprobieren”. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

„Arbeiten, bei denen der Hund seine Nase einsetzt, sind zum Beispiel sehr geeignet”, berichtet Stolpmann. Die Nase sei das wichtigste Sinnesorgan der Hunde. „Deswegen freut sich jeder Hund, wenn er die Nase gezielt einsetzen kann.”

Das Training werde häufig Man Trailing - also Suche nach Menschen - genannt. „Die Hunde spüren dabei eine bestimmte Person auf, zum Beispiel aus der Familie”, sagt Stolpmann. Dafür gibt man ihnen ein Kleidungsstück dieser Person zum Riechen und fordert sie dann auf, die Person zu suchen.” Die Strecke bis zur versteckten Person dürfe am Anfang aber nicht zu lang sein, das müsse nach und nach trainiert werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dass das Tier Futter suchen muss. „Man kann es im Haus verstecken oder in einem Säckchen, das der Hund apportieren muss”, erklärt Ulrike Falbesaner, die bei der Bundestierärztekammer Vorsitzende des Ausschusses Hundehaltung ist. Auch das bekannte Agility-Training biete sich an.

„Dabei müssen Hindernisse überwunden werden oder schnelle Richtungswechsel geschafft werden”, so Falbesaner. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Besitzer sei dabei wichtig. „Außerdem muss man sich dafür nicht unbedingt Gruppen anschließen, sondern kann es alleine mit dem Hund üben.”

Auch das Trickdogging ist derzeit modern, wie Fachmann Kopernik weiß. „Das heißt, dass man dem Tier Tricks beibringt.” Dazu könnten Übungen gehören, bei denen der Hund auf dem Bauch liegt und sich um die eigene Achse drehen muss. Oder Pfötchen geben soll. Oder auf Kommando „toten Hund” spielt.

Allerdings kann zu viel Beschäftigung auch schaden. „Ein Hund kann sich generell nicht lange konzentrieren. Ist er zudem überfordert, kann es beispielsweise sein, dass er sich kratzt, häufig über das Maul schleckt oder unruhig ist”, berichtet die Tierärztin Falbesaner. Typische Signale seien auch, wenn das Tier gähnt oder nicht mehr richtig mitmachen will. Mareike Stolpmann ergänzt: „Ein Hund braucht auch mal Ruhe, sonst ist es wie mit Kindern, die irgendwann total überdrehen.”

Das kennt Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen ebenfalls. „Man sollte die Übungen auf kurze, aber nicht feste Zeiten begrenzen, denn sonst fiebert der Hund ihnen entgegen”, sagt er. „Und wenn die Übungen jeden Tag immer weiter gesteigert werden, dann kann ein Hund eine gewisse Sucht entwickeln und immer mehr einfordern.” Da sei Augenmaß notwendig. „Sonst wird man zum Animateur des Hundes, das ist wie 365 Tage im Club Med.”

Wer mit seinem Hund trainiert, sollte stets die Kontrolle behalten. „Man muss über das Spiel, die Übungen und den Zeitpunkt selbst bestimmen, nicht das Tier”, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen. „Wenn nämlich der Hund bestimmt, kann das Auswirkungen auf die Rangordnung zwischen Mensch und Tier haben.”
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