Notfallpläne und Arbeitsteilung: Rückkehr in den Job früh vorbereiten

Von: Carina Frey, dpa
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Notfallpläne und Arbeitsteilung: Rückkehr Job Familie
Zwischen Kinderbetreuung und Job: Damit der berufliche Wiedereinstieg klappt, müssen Frauen gut organisieren. Foto: dpa

Köln. Es fängt mit der Krippe an: Wird der Platz erst zehn Tage vor der Rückkehr in den Job frei, sorgt das bei Müttern für innerliche Qualen.

Steht ihr Kind nämlich weinend und nach der Mama schreiend an der Tür, weil die Eingewöhnung fehlte, zerreißt es ihnen das Herz. Sich dann auf den Job zu konzentrieren, fällt schwer. Wer die Rückkehr in den Job rechtzeitig plant, kann solche Dramen verhindern - alle Katastrophen aber nicht.

Die Vorbereitung fängt schon mit dem Ausstieg aus dem Job an. „Sagen Sie klar, wie lange Sie - wenn alles wie geplant läuft - in Elternzeit gehen wollen”, rät Eike Ostendorf-Servissoglu vom Verband berufstätiger Mütter in Köln. Das gebe der Firma Planungssicherheit. Wer außerdem im Betrieb präsent bleibt und sich ein Helfernetzwerk aufbaut, hat es später einfacher. Die wichtigsten Tipps im Überblick:

KONTAKT ZUR FIRMA HALTEN: „Zum Kaffeetrinken bei der Firma vorbeizugehen, ist wenig zielführend”, sagt Ostendorf-Servissoglu. Das halte die Kollegen nur vom Arbeiten ab. Wer dagegen bei wichtigen Konferenzen dabei ist, bleibe inhaltlich auf dem Laufenden. Gut sei außerdem, als Urlaubsvertretung einzuspringen. „Das signalisiert, dass man gedanklich bei der Firma ist.” Auf ihr Konto schauen Frauen dann aber besser nicht. Denn eine Erwerbstätigkeit reduziert das Elterngeld: „Finanziell lohnt sich das nicht.” Langfristig zahle sich das Engagement aber in der Regel aus.

Wer stundenweise mitarbeitet, tritt bei der Rückkehr in den Job meist sicherer auf, hat Julia Lübberstedt beobachtet. „Außerdem sieht man so, ob es Weiterbildungsbedarf gibt”, erläutert die Expertin von Worklife, der Koordinierungsstelle Frau und Beruf in Hamburg. Ein weiterer Vorteil: Bei der Rückkehr ist die Einarbeitung kürzer.

KINDERBETREUUNG ORGANISIEREN: Viele Mütter fühlen sich schlecht, wenn sie Kleinkinder betreuen lassen. „Das gesellschaftliche Idealbild ist immer noch die Mutter, die drei Jahre zu Hause bleibt”, sagt Frauke Greven aus Köln, die Beratungen rund um Elternzeit und Karriere anbietet. Und immer noch müssten viele Frauen mit äußeren Widerständen kämpfen, wenn sie arbeiten wollen. Julia Lübberstedt rät, das Kind schon frühzeitig für ein paar Stunden abzugeben. „Das gibt Frauen Luft, zum Beispiel in Ruhe nach einer Stelle zu suchen.”

Rund drei Monate vor der Berufsrückkehr sollte Lübberstedt zufolge mit der Eingewöhnung in der Krippe begonnen werden. „Dann kann man die Zeiten langsam ausdehnen, und das Kind merkt das gar nicht.” Der frühe Kontakt zur Krippe hat noch einen anderen Vorteil: „Man sieht, ob sie den eigenen Vorstellungen entspricht. Ist das nicht der Fall und man arbeitet schon, lässt sich das Ruder kaum rumreißen.”

ALTERNATIVEN ZUR KRIPPE SUCHEN: Frauen mit flexiblen Arbeitszeiten stoßen bei den festen Abläufen in Krippen oft an ihre Grenzen. Und auch für Ferien in der Einrichtung oder einen Streik muss vorgesorgt werden. „Es ist hilfreich, wenn es eine Zusatzbetreuung gibt, etwa eine Tagesmutter”, sagt Ostendorf-Servissoglu. Dabei bringe es wenig, wenn das Kind die Notfallbetreuerin nur einmal im Monat sieht. „Dann will es nicht hin, weil sie fremd ist.” Besser sei, wenn das Kind die Betreuerin mindestens einmal pro Woche sieht.

MORGENDLICHEN STRESS VERMEIDEN: „Die Hektik entsteht oft, weil Mütter ihre Zeitplanung zugrunde legen”, sagt Ostendorf-Servissoglu. Die passe aber nicht zu den Kleinen. „Und je gestresster die Mutter ist, desto weniger geht es voran.” Sie rät, üppige Zeitpuffer einzuplanen. Außerdem helfen Routinen: „Wenn die Taktung morgens immer gleich ist, gewöhnt sich das Kind daran”, erklärt Greven. Gut sei, wenn die Mutter selbst schon angezogen ist, bevor sie ihr Kind weckt. „Dann kann sie sich voll auf das Kind konzentrieren.” Mit dem Chef über eine Gleitzeit am Morgen zu sprechen, sieht sie eher kritisch: „Es signalisiert, dass man eine Sonderrolle haben will.” Und das sei nicht karriereförderlich.

KATASTROPHEN VORBEUGEN: Kind krank, Betriebsausflug in der Kita, überlange Konferenz im Job: Für solche Katastrophen muss es einen Notfallplan geben. „Morgens ist man selbst auch nicht sofort fit. Mit einem Notfallplan weiß man, wenn man anrufen kann”, sagt Lübberstedt. In manchen Städten gebe es eine Notfallbetreuung. Besser ist es natürlich, wenn sich eine vertraute Person um das Kind kümmern kann. Und da sei auch der Vater gefragt, findet Greven: „Man muss mit dem Partner immer wieder besprechen, wer wann zu Hause bleibt oder das Kind abholt.”

ARBEITSTEILUNG ORGANISIEREN: Mit der Geburt des ersten Kindes geraten Mütter oft in die traditionelle Frauenrolle: Sie sind zu Hause und kümmern sich um Haushalt und Kind. „Das schleicht sich langsam ein und bleibt dann so, wenn die Frauen wieder anfangen zu arbeiten”, sagt Ostendorf-Servissoglu. Wer das nicht will, sollte spätestens vor der Rückkehr in den Job die Aufgaben mit dem Partner neu verteilen. Dabei könne es hilfreich sein, wenn der Vater nach der Mutter in Elternzeit geht - und die Verantwortung trägt. „So kann sich die Frau besser auf den Wiedereinstieg konzentrieren.”

Frauke Greven rät, schon viel früher anzusetzen. „Viele Frauen lassen die Männer kaum an das Kind heran. Dann müssen sie sich nicht wundern, wenn sich die Väter zurückziehen”, sagt sie. Wenn sich der Vater von Anfang an auch ums Wickeln und Trösten kümmert, fühle er sich verantwortlicher. „Väter sorgen sich dann manchmal mehr, dass sie das Kind pünktlich aus der Kita holen, als Mütter.”

(Internet: ) dpa/tmn cf to cr
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