Niemals ins Altersheim: Alternative Wohnformen für ältere Menschen

Von: Ulrike Steinbach, dapd
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Niemals in Altenheim
Niemals in Altenheim: Inzwischen gibt es viele alternative Wohnformen für Senioren. Doch wer im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt, in vertrauter Umgebung oder in einer selbst gewählten Gemeinschaft leben möchte, der sollte sich rechtzeitig informieren und den letzten Lebensabschnitt gut vorbereiten. Foto: dapd

Köln/Hannover. Den Gedanken an das Leben im Alter schieben die meisten vor sich her. Vor allem die Vorstellung, den Lebensabend in einem Altersheim verbringen zu müssen, ist für viele Menschen abschreckend.

Inzwischen gibt es viele alternative Wohnformen für Senioren. Doch wer im Alter so lange wie möglich selbstbestimmt, in vertrauter Umgebung oder in einer selbst gewählten Gemeinschaft leben möchte, der sollte sich rechtzeitig informieren und den letzten Lebensabschnitt gut vorbereiten. „Je früher man beginnt, umso mehr Wahlmöglichkeiten hat man”, sagt Ursula Kremer-Preiss vom Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln.

Neben betreutem Wohnen, in dem Senioren selbstständig leben und auf Service- und Betreuungsleistungen zurückgreifen können, werden seit einigen Jahren immer wieder neue Konzepte umgesetzt. Pflegebedürftige Menschen können zum Beispiel in eine ambulant betreute Pflegewohngruppe ziehen.

Das Besondere: Die Gruppe mietet gemeinsam eine Wohnung und schließt einen Pflegevertrag mit einem ambulanten Dienstleister ab. „Essen auf Rädern” und der Pflegedienst können so individuell ausgewählt werden. „Diese Wahlmöglichkeit ist ein Vorteil gegenüber einem Pflegeheim”, sagt Ursula Kremer-Preiss.

Leben in der Gemeinschaft

Für jüngere Senioren kann nach der Berufs- und Familienphase gemeinschaftliches Wohnen das Richtige sein. Meist gründen Gleichgesinnte Wohnprojekte, in denen die Hausgemeinschaft ein soziales Miteinander pflegt. „Die Bewohner achten aufeinander, ohne sich gegenseitig zu vereinnahmen”, fasst Josef Bura vom „Forum Gemeinschaftliches Wohnen” in Hannover diese Wohn- und Lebensform zusammen.

Meist schließen sich Familien, Ehepaare und Alleinstehende zu einer Genossenschaft zusammen, die als Wohnungsbauträger fungiert oder suchen einen passenden Träger, der ihr Konzept nach individuellen Vorstellungen umsetzt. Ziel ist es, dank der Gemeinschaft so lange wie möglich eigenständig zu leben.

Allerdings sollte man sich vorher über die Modalitäten verständigen. „Wichtig ist, klare Regeln aufzustellen, die alle akzeptieren”, unterstreicht Josef Bura. Vorab sollten die Mitglieder ein Leitbild formulieren und wesentliche Punkte wie die Hausordnung oder den Umgang mit Finanzen für die Gemeinschaft schriftlich festlegen. „Es muss auch möglich sein, aus dem Projekt auszusteigen, wenn man sich nicht mehr wohlfühlt”, betont der Vorsitzende der Bundesvereinigung. Außerdem sei Distanz genau so wichtig wie Nähe: „Die Bewohner sollten sich umeinander kümmern, aber auch voneinander abgrenzen.” <

Quartiersbezogene Wohnkonzepte

Eine weitere Möglichkeit ist das quartiersbezogene Wohnkonzept. Es bezieht sich auf ein ganzes Wohnviertel, in dem Nachbarschaftshilfe und Kontakte der Bewohner untereinander gefördert werden. Es gibt spezielle Betreuungsangebote für Senioren und pflegebedürftige Menschen sowie soziale Netzwerke.

Die Wohnungsbaugenossenschaft „Freie Scholle” in Bielefeld, der Verein „Miteinander Wohnen” in Berlin oder die „Stiftung Liebenau” in Baden-Württemberg sind hierfür beispielgebend. „Die Umsetzung solcher Quartierskonzepte ist ein langer Prozess und wird gemeinsam mit den Bürgern entwickelt”, sagt Ursula Kremer-Preiss.

Am Beginn der Überlegungen sollten immer die eigenen Bedürfnisse stehen. „Jeder sollte sich darüber Gedanken machen, ob er so lange wie möglich zu Hause leben möchte oder ob eine Veränderung der Wohnsituation für ihn infrage kommt”, sagt Ursula Kremer-Preiss. Wer das vertraute Umfeld bevorzugt, sollte eine altersgerechte Wohnungsanpassung in Betracht ziehen.

Eventuell können obere Etagen eines Hauses abgetrennt und vermietet oder die vorhandene Wohnung barrierefrei umgebaut werden. Auch damit sollten sich ältere Menschen nicht zu lange Zeit lassen, rät die Sozialwissenschaftlerin aus Köln. Nur so kann man gewährleisten, aktiv an den Veränderungen mitzuwirken. „Man sollte nicht so lange warten, bis es nicht mehr geht”, warnt Kremer-Preiss.

Aber auch vor Alten- und Pflegeheimen sollten Senioren nicht zurückschrecken. Es gebe viele moderne und gut ausgestattete Einrichtungen, in denen sich die Bewohner wohlfühlen und die ihnen aus isolierten Situationen helfen. Auch hier gelte es, sich frühzeitig über gute Heime in der Umgebung zu informieren.

Engagierte Pflegekräfte gehören zu wichtigen Prüfkriterien. „Interessierte können Besichtigungstermine und Probewohnen vereinbaren”, sagt Ursula Kremer-Preiss. Zu bedenken ist außerdem, dass es für gute Einrichtungen teilweise lange Wartezeiten gibt.
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