Nichts als Nudeln: Eltern sollten einseitiges Essen tolerieren

Von: Nicola Menke, dpa
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einseitiges essen
Bloß nichts Gesundes: So denken viele Kinder. Eltern sollten deshalb aber keinen Druck ausüben. Mangelernährt sind die meisten Kinder auch bei einseitigem Essverhalten nicht. Foto: dpa

Fürth. Rosenkohl: Igitt. Spinat: Schmeckt nicht. Brokkoli: Nein danke. Wohl jeder kennt Nahrungsmittel, die er nicht mag. Gerade in der frühkindlichen Trotzphase gibt es aber Kinder, die nicht nur eines, sondern gleich eine ganze Reihe von Speisen verweigern.

Im Extremfall kann es sein, dass diese mäkeligen Esser an jeder Mahlzeit etwas auszusetzen haben und wochenlang nur Nudeln mit Butter und Salz zu sich nehmen.

Verrückt machen müssen sich Eltern deshalb aber nicht. Wie eine Langzeitstudie der Universität Stanford bewies, droht selbst Kindern, die stark selektiv essen, nicht das Schicksal des Suppenkaspers: Über kurz oder lang holten sie sich die Nährstoffe, die sie brauchen. „Nehmen wir an, man würde ihnen die Nahrungswahl überlassen und sie würden nur noch Nutella-Toast essen. Nach einer Weile hätten sie das satt und würden von alleine nach Abwechslung verlangen”, erläutert Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.

Mit anzusehen, wie sich das Kind über Tage hinweg einseitig ernährt, dürfte Eltern trotz Aussicht auf Erfolg schwer fallen. Grundsätzlich ist es nicht einfach, richtig auf die Essensverweigerung zu reagieren. Wichtig zu wissen ist zunächst einmal, wodurch sie bedingt wird. „Ein Stück weit ist es eine Frage des Typs: Das eine Kind isst gerne, viel und alles - das andere ist wählerisch und isst wie ein Spatz”, erklärt Gerth.

Neben der Typfrage spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle. „Oft geht es beispielsweise um Autonomie”, sagt Gerth. Die Nahrungsaufnahme sei etwas Persönliches, und indem sie sie verweigerten, zögen Kinder eine Grenze zwischen sich und ihren Eltern. Damit wird signalisiert: „Da redest du mir nicht rein.” Der Versuch, sich über ihren Willen hinwegzusetzen, sei besonders in der Trotzphase wenig erfolgreich, vielmehr sogar kontraproduktiv, weil er ihre Ablehnung noch verstärkt.

„In vielen Fällen ist es so, dass Kinder durch Herummäkeln am Essen im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen”, erklärt Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie in Göttingen. Dementsprechend verschlimmerten Eltern, die sich Tag für Tag auf Diskussionen einließen, die Situation: Denn dadurch wird das Mäkeln noch zementiert.

„Natürlich spielen auch die Essensgewohnheiten der Eltern eine Rolle. Schließlich haben sie Vorbildfunktion für die Kleinen”, nennt Ute Alexy vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund einen weiteren Aspekt. Wer etwa als Zwischenmahlzeit selbst nie Obst und Gemüse, sondern stets Schokolade und Chips isst, brauche sich nicht zu wundern, wenn sein Kind es ihm nachtut. In umgekehrter Weise könne man sein Essverhalten aber auch positiv beeinflussen: „Zum Beispiel indem man vor ihm oder ihr die gewünschten Lebensmittel einfach mit Genuss isst.”

Wichtig ist zudem die Art und Weise, in der man die Kleinen an Essen heranführt. „Wenn sie etwas nicht kennen, sind Kinder oft sehr skeptisch. Das ist eine ganz normale Reaktion, die evolutionsbiologisch veranlagt ist”, erklärt Alexy. Klappt es beim ersten Mal nicht, sollte man daher nicht gleich aufgeben, sondern es unbedingt mehrfach versuchen. „Leider gibt es Kinder, die für die Gewöhnung an neue Lebensmittel etwas länger brauchen.”

Tatsächlich greift manch kindlicher Teilnehmer ernährungswissenschaftlicher Studien erst beim 18. Mal zu. Beschleunigen kann man den Prozess teils, indem man variiert - etwa Karottenbrei anbietet, wenn Karottensalat verschmäht wurde. Oder indem man das betreffende Lebensmittel fantasievoll anrichtet: Kinder tendieren nicht selten dazu, Gemüse und Obst in Tieroptik oder als lachendes Gesicht eher zu probieren als in normaler Form.

Schaffen Eltern es nicht, sie auf diese Weise zu überlisten, gibt es weitere Tricks: zum Beispiel die Kombination der ungeliebten mit geliebten Lebensmitteln - wie Gemüse mit einem Klecks Ketchup, gemeinsames Kochen oder regelmäßige Essenseinladungen an den allesessenden besten Freund.

Mehr als kontraproduktiv sind hingegen Aussagen wie „Jetzt iss schon, das ist gesund”. „Auf diese Weise verknüpfen Kinder gesund mit der Erfahrung schmeckt sowieso nicht”, erläutert Ellrott.

Woher die ablehnende Haltung auch rührt: Bleibt ein Kind bei vielen Lebensmitteln stur, kostet das die Eltern oft Nerven. Zu etwas zwingen sollten sie es dennoch nie. „Es ist wichtig, die Freude am Essen immer zu fördern und keinen Druck auszuüben”, erklärt Alexy. So sei es an den Eltern, ihren Kindern eine ausgewogene Ernährung zu bieten - was und wie viel sie essen, sollten sie aber selbst entscheiden dürfen. Denn schlimmstenfalls hat ein Essenszwang in ein gestörtes Essverhalten zur Folge.
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