Nicht einschüchtern lassen: Gegen Stalker hilft schnelles Handeln

Von: Anja Gladisch, dpa
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Stalking
Dauernde Bedrohung: Stalking-Opfer fühlen sich oft selbst in ihrer eigenen Wohnung nicht mehr sicher. Foto: dpa

Berlin. Meist beginnt es mit nervigen Telefonanrufen, Briefen, E-Mails, SMS. Stalker lassen sich nicht leicht abwimmeln, sie bestellen im Internet im Namen des Opfers und lauern ihm auf. Die Angst durchdringt das Leben der Betroffenen wie schleichendes Gift, sie fühlen sich nicht mehr sicher, nicht in ihrer eigenen Wohnung, nicht auf dem Weg zur Arbeit, nicht in ihrem Lieblingscafé.

Doch die Opfer können sich wehren. Wichtig ist, die Annäherungsversuche zu protokollieren - und gegebenenfalls die Polizei einzuschalten.

„Die Opfer fühlen sich durch das Verhalten belästigt oder gar bedroht”, sagt die Rechtsanwältin Patricia Stark in Berlin. Teilweise nämen Stalker auch über Dritte wie den Arbeitgeber Kontakt auf, erklärt Claudia Meng von der Deutschen Stalking-Opferhilfe (DSOH) in München.

Seit dem Frühjahr 2007 ist Nachstellung gemäß Paragraph 238 des Strafgesetzbuches in Deutschland strafbar. Dadurch wurde der Schutz der Opfer verbessert. „Stalking-Opfer sollten sich frühzeitig an die Polizei wenden”, rät Eva Wiedemann von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Das schnelle Handeln der Polizei gegen den Stalker sei häufig sehr wirksam. Die Strafanzeige kann auch gemeinsam mit einem Anwalt gestellt werden. Bei der Vernehmung kann eine weitere Vertrauensperson anwesend sein, weibliche Opfer haben das Recht, mit einer Polizistin zu sprechen.

Die Polizei sichert im Anschluss die Beweise. Am besten ist es, das Verhalten des Stalkers aufzuschreiben. „Jeder Vorfall sollte genau mit Datum, Uhrzeit und gegebenenfalls Zeugen notiert werden”, rät Wiedemann. „SMS des Stalkers, Briefe oder Anrufe auf einem Anrufbeantworter sollten ebenfalls abgespeichert und gesammelt werden.” Die Polizei spricht danach mit dem Stalker und macht ihm klar, dass sein Verhalten nun bekannt ist. Strafrechtlich drohe dem Täter im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, erklärt Meng.

Wichtig ist, dass die belästigte Person dem anderen so schnell wie möglich klar macht, dass der Kontakt unerwünscht ist. Danach sollte das Opfer möglichst keine Reaktion mehr zeigen. „Nur noch mit juristischer Hilfe”, erklärt Rechtsanwältin Stark. Jeder neue Kontakt könnte den Stalker ermutigen, wieder aktiv zu werden.

Meng empfiehlt, nach dem Besuch bei der Polizei einen Antrag gemäß des Gewaltschutzgesetzes beim zuständigen Familiengericht zu stellen. Das Gericht kann dem Stalker verbieten, die Wohnung des Opfers zu betreten, sich der Wohnung in einem bestimmten Umkreis zu nähern, bestimmte Orte aufzusuchen, Kontakt zum Opfer aufzunehmen oder ein Treffen herbeizuführen.

Dazu kann ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden, nötig ist das aber nicht. „Für den Antrag genügt es zunächst, dass das Opfer den zugrunde gelegten Sachverhalt glaubhaft macht, das heißt, den geschilderten Sachverhalt eidesstattlich versichert”, erklärt Meng.

Der Stalker erhält den Beschluss meist kurze Zeit später. Er hat dann die Chance, einen Antrag auf eine mündliche Verhandlung zu stellen. Bei solch einem Termin bekommt das Familiengericht einen Eindruck von beiden Parteien. Sollten jedoch ausreichend Beweise vorliegen, kann es laut Meng genügen, wenn nur der Anwalt den Termin wahrnimmt. „Missachtet der Stalker diese gerichtliche Anordnung, macht er sich strafbar, und die Polizei kann einschreiten”, erläutert Wiedemann.

Stalking-Opfer sollten offensiv mit ihrer Situation umgehen und ihr persönliches Umfeld informieren. „Öffentlichkeit kann schützen”, sagt Wiedemann. So könne dem Stalker beispielsweise erschwert werden, Informationen durch Dritte zu bekommen.

„Stalker sind meist an einer Liebesbeziehung gescheitert”, sagt Stark. Es gebe aber auch Bekannte wie Arbeitskollegen, Nachbarn oder Geschäftspartner, die nachzustellen beginnen. Häufig sind betroffene Personen durch den Stalker eingeschüchtert und benötigen nicht nur rechtliche, sondern auch psychische Hilfe: „Je nach Dauer und Intensität des Stalkings kann daher durchaus eine Psychotherapie erforderlich werden”, sagt Meng.
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