Neue Stadt, neue Freunde: Nach einem Umzug aktiv Kontakte knüpfen

Von: dapd
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Hamburg/Kaufering. Möbel, Kleider und sogar Omas Klavier - vieles kann man bei einem Umzug in eine andere Stadt oder ins Ausland einfach mitnehmen. Liebe Freunde hingegen muss man meistens in der alten Heimat zurücklassen.

Nach einem Ortswechsel fühlen sich viele daher nicht nur fremd, sondern auch ganz schön einsam. „In dieser Situation sollte man sich nicht verkriechen, sondern aktiv werden, um neue Kontakte zu knüpfen”, sagt die Hamburger Diplom-Psychologin Eva Wlodarek. Dazu gehöre, die neue Wohnung so schnell wie möglich gemütlich einzurichten, anstatt wochenlang zwischen Kisten zu hausen.

„Zum einen fühlt man sich so selbst wohler, zum anderen kann man dann auch Leute, die man kennenlernt, zu sich einladen”, sagt die Autorin des Ratgebers „Wunscherfüllung für Selbstabholer”. Gut sei außerdem, sich im Alltag feste Orte zu schaffen. „Wenn man die Zeitung immer am gleichen Kiosk kauft und den Kaffee immer in derselben Bäckerei holt, wird man nach einer gewissen Zeit erkannt und fühlt sich schnell heimischer”, sagt Wlodarek.

Viele hängen auch nach einem Umzug immer noch sehr an ihrem früheren Freundeskreis. Um offen für Neues zu sein, sei es allerdings wichtig, das Alte hinter sich zu lassen, betont die Expertin. „Am Anfang sollte man deshalb möglichst wenig Kontakt zu seinen alten Freunden pflegen”, empfiehlt Eva Wlodarek. Anstatt in Phasen der Einsamkeit zum Telefonhörer zu greifen, sollte man sich zwingen, neue Menschen für sich zu entdecken.

Der Auswandererberater Jochen Schuppener empfiehlt, sich nach einem Umzug Gedanken darüber machen, was für Leute man gerne kennenlernen würde. Welche Hobbys findet man interessant? Möchte man sich gerne mit Menschen einer bestimmten Alters- oder Berufsgruppe umgeben. „Diese Überlegungen können einem dabei helfen, herauszufinden, wo man am besten ansetzt”, sagt der Experte aus dem bayerischen Kaufering.

Wer in einer neuen Stadt Anschluss sucht, kann beispielsweise bei den örtlichen Vereinen anklopfen. „Dabei sollte man darauf achten, dass das Hobby auch zu einem passt und man es nicht nur macht, um Anschluss zu finden”, sagt Eva Wlodarek. Wer sich gleich engagiere und ein Ehrenamt übernehme, werde auch schnell in den neuen Kreis aufgenommen. Allerdings sollte man darauf achten, nicht alles an sich zu reißen und als Besserwisser aufzufallen, betont Jochen Schuppener.

„Auch im Rahmen von Kursen, beispielsweise in Malerei oder Sprachen, oder bei den Treffen spezieller Netzwerke kann man Kontakte knüpfen”, sagt Eva Wlodarek. Und auch Kontaktbörsen im Internet böten die Möglichkeit, Freunde in einer neuen Umgebung zu finden. „Im Ausland gibt es häufig Treffen für Deutsche oder für Leute, die miteinander Englisch sprechen möchten”, sagt Jochen Schuppener. Allerdings sollte man darauf achten, dass man sich nicht mit seinen Landsleuten abschotte, sondern auch offen für Kontakte zu Einheimischen bleibe.

Eva Wlodarek rät Entwurzelten, sich das Studium des örtlichen Veranstaltungskalenders zur Gewohnheit zu machen. „Auch wenn man keine Begleitung und eigentlich auch keine Lust hat, sollte man sich aufraffen, Veranstaltungen zu besuchen”, sagt die Psychologin. Möglicherweise ergebe sich bei einer Vernissage oder einem Konzert ein netter Kontakt - auf jeden Fall lenke man sich so ein bisschen ab.

Ratsam sei außerdem, sich bei seinen neuen Nachbarn vorzustellen. „Dabei sollte man ein bisschen etwas über sich erzählen, woher man kommt, weshalb man hergezogen ist”, sagt Wlodarek. Wenn die Leute wüssten, dass man neu in der Gegend ist, wecke das bei vielen Hilfsbereitschaft. Und manchmal helfe sogar das alte Netzwerk dabei, ein neues aufzubauen. „Man sollte seine Freunde von früher fragen, ob sie jemanden in der neuen Stadt kennen und einem den Kontakt vermitteln können”, sagt die Autorin. Sie selbst habe auf diese Weise nach ihren Umzügen oft schöne Freundschaften geschlossen.

Eva Wlodarek empfiehlt außerdem, so offen wie möglich damit umzugehen, dass man auf der Suche nach neuen Freunden ist. „Wenn man jemanden trifft, mit dem man auf einer Wellenlänge liegt, sollte man ruhig sagen, dass man neu in der Stadt ist und sich über ein paar Infos freuen würde”, sagt sie. Mit etwas Glück biete einem der Gesprächspartner dann an, doch mal gemeinsam auszugehen. Ansonsten sollte man auch selbst die Initiative ergreifen und sich mit Leuten verabreden, die man nett findet.

„Es braucht Zeit, bis sich tragfähige Beziehungen entwickeln”, sagt Jochen Schuppener. Wer umgezogen sei, müsse daher Geduld aufbringen und auch den Mut, sich immer wieder vorzuwagen - auch wenn man schon auf Ablehnung gestoßen ist. „Die meisten sind netten Menschen gegenüber aber offen und sind gerne mit ihnen zusammen”, sagt der Experte.
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