Nervkram Hausarbeit: Ein gemeinsamer Plan verhindert Streit

Von: Nina Apin, dpa
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Hausarbeit / Spülmaschine
Küchendienst oder Putzen: Jugendliche sollten bei lästigen Hausarbeiten nicht außen vor bleiben.

Berlin. Für den Haushalt hat Lea Donner wenig übrig. Das eigene Zimmer in Ordnung halten geht gerade noch. Doch Wischen oder Staubsaugen findet die 14-Jährige aus Berlin „voll nervig”. Lea geht es so wie vielen Gleichaltrigen. Mithilfe im Haushalt ist in den meisten Familien ein Reizthema.

Jugendliche finden tausend Ausreden, um sich zu drücken - und die Eltern sind genervt. „Wenn zwei sich eine Wohnung teilen, sind auch beide dafür verantwortlich”, findet Leas Mutter. Sie fühlt sich manchmal ausgenutzt.

„Erst nach mehrmaliger Aufforderung kann ich meine Tochter zur Mithilfe bewegen. Von alleine erledigt sie nichts, obwohl sie sonst sehr selbstständig ist”, beklagt sich Gudrun Donner. Eigentlich mag Lea keine Unordnung, sagt sie. Doch das Wohnzimmer rührt sie trotzdem nicht an. „Sachen, die mir nicht gehören, räume ich nicht auf.”

Lea weiß, dass ihr Verhalten nicht wirklich fair ist: „Ich sollte öfter das Katzenklo saubermachen oder mal einkaufen”, gibt sie zu. „Aber es ist so schwer, sich aufzuraffen, wenn man keine Lust hat.”

Der Kreislauf aus Unlust, Verweigerung und Elternfrust lässt sich aber durchbrechen, sagt Heidemarie Arnhold. Die 56-Jährige ist Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) in Berlin und selbst Mutter einer 19-jährigen Tochter. Dafür brauchten die Eltern einen langen Atem. Und sie müssten ihre eigenen Ansprüche runterschrauben, wenn ihre Kinder Hausarbeiten erledigen.

Doch was kann man tun, wenn die Haushaltsfrage den Familienfrieden gefährdet? „Gerade in Familien mit mehreren Geschwistern gibt es immer wieder Streit um die gerechte Verteilung von Aufgaben”, sagt Raafat Matar von ANE. Er rät, dass Jugendliche selbst entscheiden dürfen, welche Aufgaben sie übernehmen.

Lea beschloss schon früh, für das eigenen Zimmer selbst verantwortlich zu sein. Es nervte sie, dass ihre Mutter sich dort so gut auskannte. „Mir wurde klar, dass ich selbst aufräumen muss, um Geheimnisse zu haben”, sagt sie. Seitdem ist Leas Zimmer für ihre Mutter tabu.

Sind alle Aufgaben verteilt, erstellt Matar mit der Familie einen Aufgabenplan, an den sich alle halten müssen - ohne Wenn und Aber, mit Strafen, wenn etwas nicht erledigt wird. „Natürlich muss es Ausnahmen geben, etwa bei dringenden Schularbeiten oder Krankheit”, erklärt er.

Das eigene Zimmer aufräumen, Pflanzen gießen und jeden Dienstag den Flur wischen ist für einen 14-Jährigen absolut zumutbar, findet Matar. Immer wieder muss er aber Eltern davor warnen, ihren Kindern zu früh zu viel aufzubürden.

„In arabischen Familien ist es nicht unüblich, dass eine 15-Jährige Geschwister betreut, kocht und einkauft oder ein gleichaltriger Junge Amtsgänge erledigt.” Müssen Jugendliche aber zu viel ran, kommen sie möglicherweise mit ihren Schulaufgaben nicht mehr hinterher. Und außerdem gebe es ein Recht auf Kindheit und Jugend.

Dieses Recht nimmt Lea gern in Anspruch. Vor allem, wenn es darum geht, das Bad nicht putzen müssen. Denn das findet sie „eklig” - obwohl es noch vor zwei Jahren ihre Lieblingsaufgabe war. Zur Zeit mag sie Fensterputzen und Backen. „Lea hat wechselnde Vorlieben”, sagt ihre Mutter. „So wird es zwar nie richtig sauber, aber auch nicht langweilig.”

Wichtiger als Perfektion im Haushalt ist ohnehin das Familienklima, finden die Experten. „Man sollte da nicht zu verbissen sein”, rät Heidemarie Arnhold. Wie oft Fenster geputzt werden müssen, sei ohnehin Ansichtssache. Und manchmal gebe es für die Haushaltsfrage eine für alle angenehme Lösung, sagt Matar: Eine Haushaltshilfe.


Die Gesetzeslage

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) verbietet Kinderarbeit, erlaubt aber ausdrücklich die „Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt”. Kinder über 13 Jahre und Jugendliche, die zur Schule gehen, dürfen unter anderem beschäftigt werden mit „Tätigkeiten in Haushalt und Garten, Botengängen, der Betreuung von Kindern und anderen zum Haushalt gehörenden Personen” und „Einkaufstätigkeiten”. Kinder und Jugendliche, die sich zu Hause ausgenutzt fühlen, haben laut dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) das Recht, sich an das Jugendamt zu wenden.

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