Mütter und Töchter: Spielregeln für eine ganz besondere Beziehung

Von: Maria da Silva, dapd
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Bern/Bremen. Mütter und ihre erwachsenen Töchter verbindet oft ein eher zwiespältiges Verhältnis. Einerseits beratschlagen sie sich über alle möglichen Alltagsfragen miteinander, lieben gemeinsame Einkaufsbummel und telefonieren bei jeder Gelegenheit miteinander - andererseits geraten sie häufig und oft schon wegen Kleinigkeiten in Streit.

„Viele Mutter-Tochter-Beziehungen sind einfach zu eng, es gibt zu wenig Freiräume”, sagt Katharina Ley, Psychoanalytikerin aus Bern.

Vielen Müttern falle es schwer, ihrem Kind zuzugestehen, dass es ein anderes Leben führen möchte als sie selbst. „Sie sind daran gewöhnt, sich in das Leben ihrer Tochter einzumischen, und hören damit auch im Erwachsenenalter nicht auf”, sagt Ley. Vom Kleidungsstil bis zu den Beziehungen der jungen Frau werde alles kommentiert - und oft auch abgewertet.

„Hinzu kommt, dass ältere Generationen oft noch ein ganz anderes Frauenbild haben”, sagt die Autorin des Ratgebers „Versöhnung lernen - Versöhnung leben”. Die Mütter seien geprägt von einer Gesellschaft, in der Frauen längst nicht so selbstbewusst waren wie heute, in denen ihre Bildungswünsche ignoriert wurden und der Ehemann das Sagen hatte. Oft bewerteten die Frauen das Verhalten ihrer Töchter von diesem Standpunkt aus.

Die Töchter hingegen bemühen sich, selbstständig zu werden - und nach Möglichkeit nicht alles so zu machen wie die eigene Mutter. „Aber natürlich übernimmt man viel von seinen Eltern”, sagt Marieluise Bierbaum, Autorin des Ratgebers „Mütter und Töchter”. Das könne mitunter eine frustrierende Erfahrung sein. „Schwierig ist für Mütter und Töchter auch oft, dass sie sich so gut kennen und bereits im Voraus genau sagen können, wie die andere in bestimmten Situationen reagieren wird”, sagt die Pädagogin aus Bremen.

Oft ist das Verhältnis zwischen den beiden Frauen aber auch deshalb so schwierig, weil die Töchter ihre Mütter und deren Erziehungsstil für ihre eigenen Probleme im Leben verantwortlich machen. „Wenn solche Vorwürfe im Raum stehen, sollte man sich mal zusammensetzen und das besprechen”, empfiehlt Katharina Ley. Wichtig sei, dass die Mutter sich nicht hinter der Aussage „Ich hab es ja nur gut gemeint” verschanze.

„Auch wenn man gute Absichten hatte, kann das eigene Verhalten falsch gewesen sein”, betont die Autorin. Vielmehr sollte man sich eingestehen, dass man vermutlich Fehler gemacht hat, aber dass solche Fehler absolut menschlich sind. „Es geht darum, gut zu sich zu sein, mit sich ins Reine zu kommen - das gehört zum Älterwerden dazu”, sagt Ley.

Gleichzeitig müsse die erwachsene Tochter sich darüber klar werden, dass sie irgendwann die Verantwortung für ihr eigenes Leben und ihre Entscheidungen übernehmen muss, betont Marieluise Bierbaum. „Es gehört zur Selbstständigkeit dazu, dass man nicht alles auf andere schiebt”, betont die Pädagogin. Ein erwachsener Mensch sei für das eigene Wohlergehen zuständig - unabhängig davon, welche Prägung ihm seine Eltern mitgegeben haben.

Um die immer wiederkehrenden Konflikte zwischen Mutter und Tochter einzudämmen, empfehlen beide Expertinnen, mehr Freiheiten in der Beziehung zuzulassen. „Beide Frauen sollten sich darum bemühen, der anderen Raum zu lassen”, sagt Katharina Ley. Dazu gehöre auch, sich abwertende Kommentare zu verkneifen und statt dessen darauf zu achten, gegenseitige Anerkennung zu zeigen.

„Wichtig ist, dass jede das Recht hat, ja oder nein zu sagen - beispielsweise wenn es um das Thema Besuche geht”, sagt Marieluise Bierbaum. Ley ergänzt, dass die Frequenz der Besuche und Telefonate zwischen Mutter und Tochter häufig viel zu hoch sei. „Mehr Distanz kann schon dabei helfen, die Beziehung zu entspannen”, sagt die Psychoanalytikerin.

Manchmal sei es aber auch notwendig, die Auseinandersetzung zuzulassen, sagt Marieluise Bierbaum. „Ein offen ausgetragener Streit, in dem man einander mal ehrlich sagt, was einen nervt, ist oft heilsamer als übellauniges Schweigen”, sagt die Autorin. Es könne bei solchen Diskussionen hilfreich sein, eine dritte, unabhängige Person dazuzuholen, die vermittelnd eingreifen könne.

„Wer diese Konfrontation scheut, kann seine Gefühle auch erst mal in einem Brief ausdrücken”, sagt Bierbaum. Katharina Ley ergänzt, dass Mütter und Töchter durchaus auch gemeinsam einen Psychotherapeuten aufsuchen könnten, um ihre Konflikte zu lösen. „In einer gemeinsamen Therapie ist es oft leichter, offen miteinander zu sprechen”, sagt Ley.
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