Motorische Probleme: Viele Kinder unsicher auf dem Rad

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:
Kind Fahrrad
Angeblich verlernt man es nie, das Radfahren. Doch um es erst einmal zu beherrschen, bedarf es einiger Übung und einigen Wissens. Die Stuttgarter Sachverständigenorganisation Dekra hat deshalb Eltern aufgerufen, die Radfahrausbildung ihrer Kinder aktiv zu unterstützen. Foto: ddp

Mannheim. Zackig fahren die fünf Kinder mit ihren Rädern auf die Fahrbahnmarkierung zu und legen eine Vollbremsung hin. Die Polizisten der Mannheimer Verkehrswacht nicken zufrieden. Die zehn Jahre alte Grundschülerin Alina freut sich über das Lob der Beamten. „Ich glaube, es war ganz gut”, sagt sie und schnallt ihren Helm ab. Ihr Großvater ist froh.

Längst nicht alle Kinder sind fit auf dem Rad. Polizei und Verkehrsexperten beobachten mit Sorge, dass Kinder zunehmend Schwierigkeiten haben, sich auf Zweirädern sicher zu halten.

So stellte die Verkehrswacht Mannheim fest, dass nach einer ersten Übungseinheit etwa ein Drittel der zur Radfahrprüfung anstehenden Schüler nicht in der Lage war, das Fahrrad sicher zu lenken. Auch der ADAC beobachtet bei seinen Fahrradturnieren vermehrt motorische Schwierigkeiten der Kinder. Wie ADAC-Sprecher Frank Hahn sagt, wird derzeit darüber beraten, wie sich die Fertigkeiten der Kinder verbessern lassen. „Wir bieten zwar schon heute Programme zur Unterstützung an, aber möglicherweise müssen diese ausgeweitet werden”, sagt Hahn.

Die Mannheimer Verkehrswacht hat ihre Übungsangebote für Kinder verstärkt. Wie der Leiter der Verkehrsschule, Thomas Jenne, sagt, wurden in den vergangenen Wochen Intensivtrainingskurse auf Schulhöfen angeboten. Es nahmen über 400 Grundschüler an Geschicklichkeitstrainings teil. „Ein großer Teil konnte dadurch tatsächlich die Radfahrfähigkeiten erheblich steigern”, sagt er. Ohne zusätzliche Übungseinheiten sieht es aber offenbar schlecht aus mit der Sicherheit. „Viele Kinder haben beispielsweise Probleme beim Geradeausfahren. Auch einhändig zu fahren, um Handzeichen zu geben, fällt vielen Mädchen und Jungen schwer”, sagt Jenne.

An einer Schule in Mannheim hätten 68 Prozent aller Grundschüler zu Beginn der Übungseinheiten große Probleme beim Radfahren gehabt. Weil manche Kinder nicht fahren konnten, bekamen sie erst einmal Laufräder zugeteilt, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren.

Der Beamte zitiert zwei Befragungen, die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bundesweit bei dem Mitarbeitern von Verkehrsschulen unternommen wurden. Demnach gab es schon 1997 die Einschätzung, dass 44 Prozent der Kinder durch „mangelhafte Radfahrfähigkeiten” auffallen. 2009 ergab die gleiche Umfrage einen Wert von 72 Prozent. „Das ist problematisch und wir müssen gegensteuern”, sagt Jenne.

Hauptgrund für die Misere sei, dass vielen Grundschülern schlicht die Routine fehle. Anders als früher führen immer mehr Kinder gar nicht mit dem Fahrrad. Die Gründe seien vielschichtig. „Zum einen sind viele Eltern sehr besorgt und wollen ihre Kinder keinem Risiko aussetzen, zum anderen sitzen sie immer öfter vor dem Computer oder dem Fernseher”, schlussfolgert der Polizist.

Viele Eltern brächten ihre Kinder auch mit dem Auto in die Schule. Soziale Probleme spielten ebenfalls eine Rolle. So hätten längst nicht alle Kinder ein Fahrrad, auf dem sie üben könnten. Das sei im Übrigen mitnichten nur ein Problem in Städten, sondern genauso auf dem Lande.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert