Modernen Frauen gehen die Männer aus: Verzicht auf Ehe und Kind

Von: Susanne Gabriel, dapd
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Berlin. Moderne junge Frauen haben nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann immer mehr Schwierigkeiten, die passenden Männer zu finden.

Sie verzichteten im Zweifelsfall auf Ehe und Kinder, wenn sie keinen Partner hätten, der seinen Teil der damit verbundenen Aufgaben übernehme, sagte Hurrelmann im dapd-Gespräch. Dieses Problem werde viel zu selten berücksichtigt, wenn es um die demografischen Folgen der Kinderlosigkeit gehe.

Das Rollenbild der jungen Frauen und Mädchen habe sich deutlich verändert, erklärte der Wissenschaftler. Zu den drei „K” - Kinder, Küche, Kirche - sei ein viertes dazugekommen: Karriere. Diese sei für viele inzwischen selbstverständlich.

Jungen und junge Männer seien dagegen viel stärker dem traditionellen Rollenbild verhaftet. Ihnen stünden nun starke Frauen mit großen Ansprüchen in Bezug auf Kinder und Familie gegenüber. Deshalb zögerten vor allem Männer oft, eine Bindung einzugehen.

Den Grund für die unterschiedliche Entwicklung der Rollenbilder sieht Hurrelmann unter anderem darin, dass es kaum entsprechende Vorbilder bei Männern gebe. Innerhalb der Familie habe sich das Bild des Vaters nur wenig verändert, sagte er. Ganz anders das der Mütter: Deren Vorstellung von ihrer Lebensgestaltung habe sich spürbar bewegt, und die Töchter hätten dies mit großer Selbstverständlichkeit übernommen. Zugleich würden Mädchen von der Gesellschaft in der Regel ermutigt und belohnt in ihrem Bestreben, Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu wollen.

Ein starker Selbstbefreiungsimpuls

Jungen Männern fehle diese Ermutigung. Sie verspürten noch zu wenig Anreize, sich von ihrem Rollenbild zu lösen. Und auch wenn Beziehungen scheiterten, weil die Partnerin andere Erwartungen habe: Der Leidensdruck sei nicht groß genug, werde nicht als Anstoß wahrgenommen, die eigenen Vorstellungen zu verändern - möglicherweise auch, weil es noch Ausweichmöglichkeiten gebe.

Grundsätzlich aber sieht Hurrelmann Männer und Frauen auf dem richtigen Weg: Junge Männer ahnten bereits, dass sie sich verändern müssten, sagte er. Beide Geschlechter müssten hier Neuland betreten, könnten sich nicht mehr an vorgefertigten Rollenmustern orientieren. Das erfordere harte Arbeit an sich selbst und sei ein langer Prozess.

Dass Frauen hier weiter seien als Männer, habe zum einen wirtschaftliche Gründe - „bei zwei Verdienern kommt mehr Geld in die Haushaltskasse”. Zum anderen habe es bei Frauen einen starken Selbstbefreiungsimpuls gegeben. Viele überlegten sich inzwischen dreimal, einen Schritt zurück zu gehen; sie verzichteten lieber auf Kinder.

Politisch seien mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Arbeitsplatz und ein Ausbau der Kinderbetreuung wünschenswert, sagte der Sozialwissenschaftler. Er sprach sich außerdem gegen Ehegatten-Splitting aus, die Besteuerung solle auf die einzelne Person abgestellt werden, ob verheiratet oder nicht.
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