Mehr als nur Geld verdienen: Babysitter müssen einfühlsam sein

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Berlin. Schon morgens früh geht es los: Die Kinder sind wach, wollen spielen, müssen ihr Frühstück bekommen. So geht es den ganzen Tag über weiter - bis die Eltern abends oft erschöpft auf dem Sofa zusammensacken. Ein Babysitter kann den Erwachsenen helfen, mal wieder Zeit für sich zu haben.

Doch manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtige Person zu finden.

„Eltern müssen nicht unbedingt auf gemeinsame Aktivitäten verzichten”, erklärt auch das Bundesfamilienministerium in Berlin in seinem „Familien Wegweiser”. „Wenn daheim ein zuverlässiger Babysitter das Kind betreut, können sie, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, zu Freunden, zum Essen, ins Kino oder zum Sport gehen.”

Manchmal gibt es Großeltern, die aushelfen können. Vielleicht wohnt in der Nachbarschaft auch ein älteres Mädchen oder ein älterer Junge, die gerne als Babysitter arbeiten würden. „Dabei muss man aber schauen, ob der- oder diejenige wirklich der richtige Babysitter für das eigene Kind ist”, sagt Marita Ackermann, Sachbearbeiterin Ausbildung beim Kreisverband Berlin Schöneberg-Wilmersdorf vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). „Denn wer nur Geld verdienen, sich aber nicht mit dem Kind beschäftigen will oder sich nicht der Verantwortung eines Babysitters bewusst ist, ist möglicherweise ungeeignet.”

Deswegen sollten Eltern einen potenziellen Babysitter erst einmal zu einem Gespräch zu sich nach Hause einladen. „Hilfreich für die Zufriedenheit aller ist es, bereits in einem ersten Gespräch zu klären, wann der Babysitter kommen soll und welche Aufgaben er übernimmt”, erläutert das Bundesfamilienministerium. Wichtige Fragen sind: Kann er das Kind allein wickeln oder füttern? Soll er das Essen zubereiten?

Marita Ackermann vom DRK ergänzt: „Gerade bei jüngeren Babysittern um die 14 Jahre würde ich fragen, ob das Arbeiten mit deren Eltern abgesprochen ist.” Zudem gebe es die Möglichkeit, von den Eltern des Babysitters eine Einverständniserklärung zu bekommen.

Beim ersten Gespräch sollten Eltern auf ihr Bauchgefühl achten, sagt Ackermann. Sie organisiert beim DRK auch Kurse für Babysitter. Neben den Formalia wie „Könnte der Babysitter überhaupt, wenn ich ihn brauche?”, sind auch andere Aspekte wichtig: Geht der Babysitter auf mein Kind zu - und wie? Wie reagiert mein Kind auf ihn?

Kann man sich eine Zusammenarbeit vorstellen, empfiehlt Ackermann ein weiteres Treffen, zum Beispiel an einem Nachmittag zum Spielen mit dem Kind. „Das ist auch für das Kind wichtig, damit es die Person kennt, die am Abend zum Ins-Bett-Bringen kommt.”

Das betont auch das Bundesfamilienministerium: „Kinder brauchen in der Regel einige Zeit, um sich an neue Betreuungspersonen zu gewöhnen.” Sollten sie den Babysitter nicht sofort akzeptieren, sei das zunächst noch kein Grund aufzugeben.

Darüber hinaus müssen auch die Regeln des Babysittens besprochen werden. „Der Babysitter muss über die Schlafrituale des Kindes genau Bescheid wissen”, sagt Erika Keuthen-Derks, stellvertretende Leiterin des Familienzentrums Fronhof, das im nordrhein-westfälischen Meerbusch bei der Vermittlung von Babysittern in der Region hilft. Dazu gehören Fragen wie: Nimmt das Kind einen Schnuller? Hat es ein Schmusetuch? Hört es ein bestimmtes Einschlaflied? Wann wird vorher gegessen? Darf da etwas Süßes bei sein? Und wie sieht es mit Fernsehen aus?

„Außerdem sollte der Babysitter wissen, wo in der Wohnung gefährliche oder wertvolle Sachen sind, an die die Kinder nicht ran dürfen”, sagt Keuthen-Derks. Wichtig sind auch Telefonnummern, die der Babysitter im Notfall schnell parat hat. „Das sollten die eigene Handynummer oder die eines anderen Ansprechpartners sein, genauso wie die des Giftnotrufs, eines Arztes und eventuell die eines Taxiunternehmens.”

Wichtig für den Babysitter ist nicht zuletzt die Bezahlung. Sie hänge davon ab, wie alt und wie viele Kinder zu betreuen sind, sagt Keuthen-Derks. „Da gibt es keine festen Sätze, das ist verhandelbar und liegt zwischen etwa 5 und 10 Euro pro Stunde”, sagt Ackermann. Neben der Bezahlung sollte außerdem geregelt werden, wie der Babysitter wieder nach Hause kommt. „Wohnt er weiter weg und ist erst 14 oder 15 Jahre alt, sollte man anbieten, den Babysitter nach Hause zu fahren.” Ist er dagegen schon älter oder wohnt in der Nähe, ist das nicht zwingend nötig.

Babysitten kann man lernen

Auf Kinder aufpassen will gelernt sein. Deswegen gibt es bundesweit verschiedene Angebote für Babysitterkurse. Dazu gehören viele Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes. „Wir klären Fragen der Aufsichtspflicht, üben das Wickeln und Brei kochen, zeigen Bastelspiele und geben Hinweise für die Erste Hilfe”, erklärt Ausbildungsorganisatorin Marita Ackermann aus Berlin. Außerdem gibt es eine Checkliste, mit deren Hilfe die Babysitter wichtige Dinge für die Betreuung abfragen können. Die Kosten für den zweitägigen Kurs liegen bei 35 Euro.
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