Mädchending: Der selbstbewusste Umgang mit Sexualität

Von: Annabel Trautwein
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Gemischte Gefühle: Die Pubertät ist für Mädchen eine aufwühlende Zeit. Die Entdeckung, auf Jungs attraktiv zu wirken, ist spannend, kann aber auch anstrengend sein, weil Mädchen konkret lernen müssen, Grenzen zu setzen. Foto: dapd

Köln/Leipzig. Wenn aus Mädchen Frauen werden, verändert sich nicht nur ihr Körper. Auch das Umfeld reagiert: Jungs machen Witze, Männer drehen sich um, und manchmal gibt es Stress mit den Eltern. Welche Blicke, welche Sprüche sind okay?

Mädchen müssen ihre neue Rolle als Frau erst lernen. Nur wenn Eltern ihnen zugestehen, sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln, finden sie einen selbstbestimmten Umgang mit ihrer Sexualität, sagen die Experten Eckhard Schroll und Oliver Wolf.

Die Pubertät ist für Mädchen eine Zeit der gemischten Gefühle, sagt Schroll, Abteilungsleiter für Sexualaufklärung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Die Entdeckung, auf Jungs attraktiv zu wirken, sei für viele aufregend und schön. „Es kann aber auch anstrengend sein, weil Mädchen dann konkret lernen müssen, Grenzen zu setzen. Sie müssen deutlich machen: Mein Körper gehört mir, und ich bestimme selbst darüber.

Das ist ganz wichtig”, sagt Schroll. Meist machen heranwachsende Mädchen die ersten Erfahrungen mit ihrer neuen Weiblichkeit in der Schule. „Dass sich der Körper verändert, merken sie zum Beispiel beim Sport, wenn sie sich vor ihren Freundinnen umziehen. In der Schule merken sie auch, dass die Jungen sie vielleicht anders ansehen als früher”, sagt der Leipziger Sexualtherapeut Oliver Wolf.

Ihre Rolle als Frau und potenzielle Sexualpartnerin erproben Mädchen meist in einer sicheren Gruppe, meint Eckhard Schroll - zum Beispiel, wenn sie mit mehreren Freundinnen zusammen in die Disco gehen. Oder sie sprechen mit der Mutter oder der besten Freundin über ihre Erlebnisse.

„Unsere Untersuchungen zeigen: Fast alle Mädchen schaffen es, in diese Rolle hineinzuwachsen”, berichtet Schroll. Die landläufige Vorstellung ängstlicher Eltern - das Mädchen geht in die Disco und hat dann zum ersten Mal Sex - habe mit der Realität wenig zu tun. „Ganz im Gegenteil: Wenn Mädchen überhaupt Sexualität erleben, dann tun sie das erst in einer langen, festen Beziehung.”

Ein Drittel der Mädchen habe vor der Vollendung des 17. Lebensjahres noch gar keine sexuellen Kontakte, sagt der BZgA-Experte. Erwacht die Sexualität ihrer Tochter, reagieren auch viele Eltern unsicher. Was tun, wenn das Mädchen mit seiner neuen Rolle überfordert ist? „Brenzlige Situationen können theoretisch überall entstehen: In der Disco, in der Schule, auf der Straße”, sagt Oliver Wolf. Fernhalten könnten und sollten Eltern ihre Töchter davon jedoch nicht.

„Die Frage ist: Wie können Mädchen lernen, mit bedrängenden Situationen umzugehen? Das lernen sie von Eltern, die Grenzen setzen, aber vor allem Vertrauen zu ihrer Tochter signalisieren”, sagt Wolf. „Gefahren sind eindeutig da, wo es keine Gleichberechtigung beim sexuellen Kontakt gibt”, sagt Eckhard Schroll. Das sei oft dann der Fall, wenn der Junge älter und deutlich bestimmender ist. „Da ist es wichtig, als Eltern sensibel zu reagieren und frühzeitig aufzuklären”, sagt der Experte.

Will der Partner mehr als sie selbst, müsse das Mädchen zu den eigenen Gefühlen stehen können. Die gute Nachricht: „Mädchen werden immer selbstbewusster darin, deutlich Ja oder Nein zu sagen.” Zwtl.: Jugendliche müssen sich ausprobieren Mit dieser Selbstbestimmung müssen Eltern oft erst umgehen lernen. „Eltern haben oft die Angewohnheit, ihre Kinder vor allem schützen zu wollen”, sagt Wolf. Der Nachteil: Kinder, die überbehütet sind, könnten oft nicht selbst entscheiden, was sie für richtig und falsch halten.

„Eltern müssen in der Pubertät loslassen können”, sagt auch Schroll. „Und Jugendliche müssen ihren eigenen Weg gehen können, damit sie Erwachsensein lernen. Es gibt keine Alternative dazu, dass Jugendliche sich ausprobieren.” Eltern sollten zwar durchaus auch Sorgen äußern - jedoch als Vertrauenspersonen, nicht als Erziehungsberechtigte. „Sie sollten von sich erzählen, wie sie verhütet haben, welche Regeln sie sich gesetzt haben - ohne das mit der Erwartung zu verknüpfen, dass ihre Kinder das auch so machen”, sagt Schroll.

Einen selbstbestimmten Umgang mit dem Körper könnten Eltern auch unabhängig von Sexualität vermitteln. „Vor der Pubertät bestimmen meist die Eltern über den Körper der Kinder”, sagt Schroll. Hier bestimmen Heranwachsende die Grenzen neu - durch Kleidung, Make-up oder Körperschmuck. „So zeigen Jugendliche: Mein Körper gehört mir und nicht meinen Eltern, die zum Beispiel sagen: Du schminkst dich nicht oder So gehst du nicht aus dem Haus”, sagt der Experte. Damit müssten Eltern umgehen lernen.
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