Wismar - Licht kann heilen: Aber oft kalte Lampen in Altenheimen und Kliniken

Licht kann heilen: Aber oft kalte Lampen in Altenheimen und Kliniken

Von: Iris Leithold, dpa
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Lichttherapie
Professor Michael Rohde von der Fakultät Gestaltung zeigt in der Hochschule Wismar eine Organic Light Emitting Diod" (OLED). Die vollkommen neuartige und noch in der Entwicklung befindliche Lichtquelle besteht aus einer organischen Schicht auf einem Trägermedium, die durch das Anlegen einer Spannung leuchtet. Foto: dpa

Wismar. Licht kann heilen oder zur Heilung von Krankheiten beitragen. Davon ist Professor Michael Rohde von der Hochschule Wismar überzeugt. Im Büro des Architekten auf dem Campus stapeln sich Bücher über Lichttherapie. Rohde, seit zwei Jahren Professor an der Hochschule, bereitet in Wismar einen neuen Forschungsschwerpunkt zu Lichtgestaltung und Gesundheit vor. „Bis zur Entdeckung wirksamer Medikamente, wie Antibiotika, war Licht als Heilmittel hoch anerkannt”, sagt er.

„1903 erhielt der Skandinavier Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis für Medizin für seine Lichtforschung. Er hatte als erster Tuberkulose mit Sonnenlicht therapiert.” Unter anderem daran will Rohde anknüpfen.

„Mit Licht wird in 90 Prozent der Krankenhäuser und Altenheime in Deutschland unüberlegt umgegangen”, meint er und verweist auf Untersuchungen seiner Studenten. Da leuchte kaltes, weißes Licht auf Patienten, Lampen seien so angebracht, dass sie den im Bett Liegenden blenden oder das Gesicht des Arztes in Schatten tauchen. „Das alles trägt nicht zum Wohlfühlen bei und kann sogar Ängste steigern”, sagt der Professor. „Kein Beitrag, die Genesung zu beschleunigen.”

In einer Ecke von Rohdes Büro lehnt eine mattglänzende, von Lochleisten durchbrochene Aluminiumplatte. An einer Seite sind Leuchtstofflampen in Rot, Grün und Blau angebracht. „Man kann das Licht mischen”, sagt Rohde. „Wenn ich Grün abdrehe, geht die Farbe des Lichts in Richtung Magenta, ohne Rot in Richtung Cyan (Türkis), drehe ich alle drei Farbröhren auf hundert Prozent, kommt weißes Licht heraus - das ist die additive Farbmischung.”

Die Mitarbeiter der Ärztekammer Berlin haben solche Leuchten über ihren Schreibtischen hängen. Rohdes Berliner Lichtplanungsbüro hat sie entworfen. „Die Mitarbeiter mischen sich in der Tat ihr Licht, wie es ihnen am besten bekommt”, berichtet der Professor. „Eine Kollegin dort erzählte, dass sie sich grünes Licht einstellt, wenn sie eine Migräne heraufziehen fühlt. Ihre Kopfschmerzen würden dann verschwinden.” Solche Effekte will Rohde in Wismar wissenschaftlich untersuchen. „Das Thema fängt für die Forschung gerade erst an”, sagt er.

Auch die Orthopädische Klinik Markgröningen (Baden-Württemberg) setzt bereits auf die Kraft des farbigen Lichts. Der Saal für ambulante Operationen ist meist in schwaches rot-blaues Licht getaucht. „Das ermüdet nicht so und auf dem Monitor verstärken sich die Kontraste”, berichtet Schwester Christine Kartal vom Operationsteam. „Das ist fürs Personal deutlich angenehmer.” Das Licht - auch dort stehen die Farben Rot, Grün und Blau zur Verfügung - kann gemischt und gedimmt werden. „Einer unserer Ärzte operiert auch gerne in blauem Licht.” Kommen die Patienten nach der Narkose im Aufwachraum zu sich, blicken auch sie nicht in reinweißes, kaltes Licht. „Wir passen das Licht dem Klima an, so dass es für die Patienten möglichst angenehm ist”, erzählt Schwester Christine. „Im Sommer mischen wir mehr Blau dazu, im Winter mehr Rot.”

Derzeit sucht Rohde Partner in Industrie und Medizin für seinen Forschungsschwerpunkt. Professor Horst Klinkmann von der Biotechnologie-Vereinigung BioCon Valley hat er bereits hinter sich, mit der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm bahnt sich eine Zusammenarbeit an.
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