Licht ins Dunkel bringen: Technische Hilfen für die Wohnung

Von: Carina Frey, dpa
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Familie
War da was? Verwirrte Menschen vergessen leicht den Topf auf der heißen Herdplatte. Schutz vor einem Brand bietet dann eine eingebaute Sicherung. Foto: dpa

München/Detmold. Nachts lauern in der Wohnung viele Stolperfallen: Wer im Dunkeln schlaftrunken herumtappt, fällt leicht über den achtlos abgestellten Wäschekorb. Das endet schlimmstenfalls im Krankenhaus.

Solche Risiken lassen sich leicht vermeiden - etwa durch einen Bewegungsmelder im Flur, der nachts für gute Beleuchtung sorgt. Und wer fürchtet, dass ein Topf auf dem Herd stehen bleibt und Feuer fängt, kann eine Herdsicherung einbauen. Technische Hilfsmittel bieten Sicherheit - so lange Bewohner nicht zu alt und verwirrt sind.

Technik im Haus wird oft gleichgesetzt mit voll vernetzten Häusern: In ihnen bestellt der Kühlschrank selbstständig Milch, und Rollläden fahren abends automatisch herunter. Daneben gibt es aber viele Hilfsmittel, die mit wenig Aufwand eingebaut werden können, im Hintergrund arbeiten und das Leben dennoch sicherer machen.

Der Bewegungsmelder im Flur ist ein Beispiel. Das Bügeleisen, das sich ausstellt, sobald es nicht mehr bewegt wird, ein anderes. Temperaturbegrenzer für Wasserhähne verhindern, dass sich die Bewohner an zu heißem Wasser verbrühen. Herdsicherungssysteme schalten den Herd entweder nach einer vorgestellten Zeit oder beim Überhitzen der Kochfelder automatisch ab. „Die sind vorrangig für sehbehinderte oder vergessliche Menschen gedacht”, erklärt Bernhard Reindl von der Beratungsstelle Wohnen in München.

Rauch- und Gasmelder geben Alarm, wenn es brennt oder Gas austritt. Wer Angst vor einem Wasserschaden hat, kann vor der Badewanne einen Sensor anbringen, der Alarm auslöst, erklärt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Solche Geräte melden aber lediglich die Gefahr. Sie setzen voraus, dass jemand in der Nähe ist oder schnell gerufen werden kann, der sie beseitigt.

Das ist bei Hausnotrufsystemen gewährleistet. Sie sind inzwischen weit verbreitet. Der Bewohner trägt ein kleines Gerät am Körper, mit dem er eine Notrufzentrale benachrichtigen kann. Manche Geräte verfügen über eine Zusatztaste, mit der sich der Bewohner einmal am Tag bei der Zentrale melden muss. Tut er es nicht, fragt sie nach, ob alles in Ordnung ist oder organisiert Hilfe.

Manche Hausnotrufe verfügen über einen Sturzdetektor, erklärt Oliver Klingelberg von der Wohnberatung für ältere und behinderte Menschen im Kreis Lippe in Detmold. Er registriere die Erschütterung bei einem Sturz und gibt dann Alarm. Die Geräte funktionierten gut, doch gebe es noch wenige Anbieter, die dann auch zur Stelle sind.

Wichtig ist, dass die Geräte von den Bewohnern gewollt werden, sagt Reindl. Es bringe nichts, wenn der Sohn den Vater mit einem Notruf versorgt sehen will, der sich aber überwacht fühlt und ihn deshalb nicht trägt. Vor jeder Anschaffung stelle sich deshalb die Frage: „Ist die Technik für den Bewohner eine erträgliche Lösung?”

Ideal sind Geräte, die im Hintergrund arbeiten und nicht auffallen. Dazu gehört beispielsweise die Herdsicherung. Wichtig ist außerdem, dass sich die Handhabung von Herd und Co. nicht ändert. „Sonst kommen die Leute möglicherweise in ihrer eigenen Küche nicht mehr klar”, warnt Günther Schwarz von der Alzheimer-Beratungsstelle der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart.

Muss ein neues Gerät aktiv bedient werden, darf der Bewohner davor keine Scheu haben. Und er muss in der Lage sein, damit umzugehen. „Sie tun jemandem mit kognitiven Einschränkungen keinen Gefallen, wenn sie ihm ein Notfallhandy kaufen, er es aber gar nicht bedienen kann”, erklärt Klingelberg.

Bei allen Hilfsmitteln gilt: Sie sollten eingebaut werden, so lange die Bewohner sie noch verstehen. Denn sonst stellen sie unter Umständen mehr Risiko als Schutz dar. Das gilt etwa bei einem Bewegungsmelder für das Licht: „Der kann bei Leuten mit Demenz Panikattacken auslösen”, warnt Reindl. „Die erschrecken, weil sich plötzlich in ihrem Umfeld etwas verändert, das sie sich nicht erklären können.”

Wird neue Technik angeschafft, muss klar sein, wer sich um sie kümmert. Rauchmelder müssen regelmäßig kontrolliert werden und brauchen ab und zu neue Batterien. Ein mobiles Telefon sei durchaus sinnvoll, weil man es bei sich trägt und schnell Hilfe rufen kann. Ist die Batterie aber leer, funktioniere das Telefon im Notfall nicht, sagt Reindl.

Längst nicht jedes Hilfsmittel auf dem Markt ist auch wirklich notwendig. Einige Geräte sind teuer, und in der Regel müssen die Bewohner die Kosten tragen. Deshalb lohnt es, über Alternativen nachzudenken. Ansprechpartner sind Wohnberatungsstellen, die bei der Umgestaltung der Wohnung helfen. Und sie kennen Fachbetriebe, die manchmal ausgefuchste Lösungen anbieten.

Ein Elektriker habe statt einer teuren Herdsicherung eine Zeitschaltuhr über der Küchentür eingebaut, erzählt Schwarz. Verließ der Bewohner die Küche, stellte sie nach einer bestimmten Zeit einfach den Herd aus.


Ansprechpartner und Broschüren

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gibt im Internet Tipps zu Technischen Hilfen (http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=27). Bei der Beratungsstelle Wohnen in München kann die Broschüre „Kleine Technik - große Wirkung” für acht Euro bestellt werden (Tel.: 089/359 59 47, http://dpaq.de/beratungsstellewohnen). Eine Übersicht der Wohnberatungsstellen gibt es bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung in Berlin (Tel.: 030/47 53 17 19, http://dpaq.de/beratungsstellen).

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