Fürth/München - „Leute, das ist er”: Den neuen Freund gut in die Clique einführen

„Leute, das ist er”: Den neuen Freund gut in die Clique einführen

Von: Johanna Uchtmann, dpa
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Links liegen lassen darf man die neue Freundin beim ersten Cliquen-Treff nicht. Ständig Händchen zu halten ist aber genauso falsch. Foto: Diagentur

Fürth/München. Mitläufer, Superstar, Hetzer - wenn Psychologen über Cliquen sprechen, verteilen sie gern Rollen. Besonders spannend wird die Typenkonstellation, wenn ein Neuer dazukommt. Erst recht, wenn er „nur” Anhang ist, neuer Partner eines Cliquen-Mitglieds also und Nachfolger des Ex, der doch so gut reingepasst hat in den eingeschworenen Bund. Wie integriert sich der Neuling am besten? Mit dummen Sprüchen sicher nicht.

„Balance” ist das Zauberwort für Beate Martin. Die Pädagogin bei pro familia Münster rät beim ersten Auftritt des Neuen zu einer Mischung aus Zurückhaltung und Aufgedrehtheit: offen sein, Fragen stellen, von sich erzählen, aber Finger weg von einer One-Man-Show mit schrägen Witzen.

Das gilt nicht nur für den Neuen, sondern auch für seinen Partner, sagt Martin. Er muss dem neuen Freund oder der neuen Freundin zur Seite stehen, darf sich im Beisein der Clique aber auch nicht zu sehr auf den Partner konzentrieren, weil die alten Kumpels das schnell übelnehmen.

Zur Seite stehen, Partei ergreifen, den neuen Freund zur Nummer eins erklären: Das alles gilt nicht ohne Einschränkungen, findet auch Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Er rät sogar, sich „nur im Notfall” auf die Seite des Partners zu schlagen, wenn er „ins Abseits gerät”.

Der Neue sollte die Gelegenheit bekommen, sich selbst zu positionieren. „Wichtig ist aber, den Punkt zu erkennen, wo Grenzen überschritten werden. Der Neue ist auf die Solidarität des Partners angewiesen”, so Gerth.

Die erste Begegnung mit der Clique ist oft entscheidend, hat Gabriele Leipold, Paarberaterin in München, beobachtet. Das Unbekannte ist dabei die größte Falle. „Unbekannter Ort, unbekannte Leute, unbekanntes Thema, das ist schlecht”, warnt auch Ulrich Gerth. Er rät, ein Umfeld zu wählen, in dem sich der Neue auskennt.

Bei Höhenangst und Übergewicht entwickelt sich ein Cliquen-Date an der Kletterwand schnell zur Katastrophe. Und wenn es doch unbedingt die Kletterwand sein muss, sei es hilfreich, „wenn der Neue vorher schon Einzelnen vorgestellt wurde, die besonders wichtig sind, bevor er die große Gruppe kennenlernt”, rät Leipold.

Die Vorstellung des Neuen in der Clique hat Zeit. Gabriele Leipold rät, den neuen Partner nicht in der allerersten Aufregung der gesamten Freundesschar vorzustellen: „Man sollte ihn erst in die Clique einführen, wenn die Partnerschaft ein bisschen stabil ist.”

Dann geht man besser nicht mit zu hohen Erwartungen an das Treffen heran. Cliquen sind manchmal gehässig und machen dumme Sprüche: „Da muss er durch. Wenn er ankommt, wird er gecheckt. Man kann niemanden in Watte packen”, sagt Gerth.

Wer dagegen auf Zweier-Idylle hofft, falle schnell auf die Nase. Manchmal erwartet einen stattdessen Konkurrenz, Eifersucht, Revierverhalten - Beate Martin nennt das „die ganz normale Palette von Gefühlen”.

Aber was ist, wenn der Neue auch langfristig nicht gut bei den alten Freunden ankommt? Zwei Wochen Pause, ein Treffen mit Einzelnen, bloß nicht sofort den Kontakt zur Clique abbrechen, rät Gerth. „Schließlich sind nicht immer alle auf seiten des Hetzers”, gibt auch Beate Martin Entwarnung. Freundschaften müssen sich entwickeln. „Was im Moment nicht passt, kann später passen”, beruhigt Leipold. Manchmal hänge die Clique einfach noch am Ex.

Häufig bringen beide eine Clique in die Partnerschaft mit. Könnte man die nicht einfach zusammenlegen? Eine Patchwork-Clique etwa? „Vermessen” nennt Ulrich Gerth ein solches Vorhaben: „Dann muss man schon der Superstar der Clique sein.” Auch Martin hält die Verkupplung im großen Stil für unrealistisch und unnötig, schließlich entwickeln sich Cliquen aus einem gemeinsamen Interesse heraus. Selten genügt eine einzige Person als gemeinsamer Nenner.

Für die Beziehung kann es sogar gut sein, wenn jeder seine Clique behält, erklärt Martin. Sie kann Rückzugsort sein, Wahlfamilie, das eigene. Die erste Liebe kann schon mal die besten Freunde auf Platz zwei verdrängen. Das ist am Anfang okay, findet Martin. „Aber manche schaffen den Absprung nicht”, sagt sie - und meint damit, dass sie ihre alten Freunde dauerhaft vernachlässigen.
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