Langzeitgedächtnis reicht unterscheidlich weit zurück

Von: dapd
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Otago. Kinder speichern Erinnerungen schon mit zwei Jahren: Langzeitgedächtnis reicht bei einigen Menschen weiter zurück als bei anderen. In unserem Gedächtnis sind schon Erfahrungen gespeichert, die wir im Alter von zwei Jahren machten.

Obwohl sich die meisten Menschen bewusst erst an Dinge erinnern, die sie im Alter von drei bis vier Jahren erlebten, können die Erinnerungen noch weiter in die Kindheit zurückreichen. Das haben neuseeländische Forscher in einer Langzeitstudie an 46 Kindern herausgefunden.

Die Kinder, die mit zwei Jahren ein ungewöhnliches Spiel kennenlernten und spielten, konnten sich sechs Jahre später noch daran erinnern und davon berichten. „Dies ist der bisher überzeugendste Beleg dafür, dass solche frühen Erfahrungen nach langer Zeit noch erinnert werden können”, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Child Development”.

Bisherige Studien zeigen, dass die frühesten autobiografischen Erinnerungen der meisten Erwachsenen im Alter von dreieinhalb Jahren einsetzen. Doch einige wenige Menschen können auch Erlebnisse beschreiben, die sehr viel früher stattfanden. Bisher sei umstritten gewesen, ob diese ungewöhnlich frühen Erinnerungen real seien oder nachträglich von Erzähltem beeinflusst, sagen die Forscher.

„Unsere Ergebnisse bestätigen die Theorien, nach denen wir bereits mit zwei Jahren die grundlegenden Fähigkeiten besitzen, um uns unsere Erfahrungen langfristig zu merken”, sagt Erstautorin Fiona Jack von der University of Otago. Das habe Bedeutung für medizinische und rechtliche Untersuchungen. Denn häufig sei es dabei wichtig zu wissen, ob eine bestimmte Erinnerung aus dieser Zeit tatsächlich real sein könne.

Verkleinerungsmaschine als einzigartige Erinnerung

Für ihre Studie zeigten die Wissenschaftler 46 zwei- bis vierjährigen Kindern den Umgang mit einer „Magischen Verkleinerungsmaschine”. Legten die Kinder einen größeren Gegenstand oben auf einen Kasten und betätigten dann einen Hebel an der Seite, läutete eine Glocke. Öffnete das Kind daraufhin eine Klappe, lag darin der gleiche Gegenstand in verkleinerter Form. Hatte das Kind den Umgang mit der Maschine gelernt, erhielt es als Erinnerung ein buntes Abzeichen.

Sechs Jahr später testeten andere Forscher, ob sich die Kinder an das Abzeichen und an die Maschine erinnerten. Neun der Kinder konnten dabei noch von ihren Erlebnissen mit der Verkleinerungsmaschine berichten - das entspricht 20 Prozent. Man habe dabei keinen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit sich zu erinnern und dem Alter der Kinder zum Zeitpunkt ihrer Begegnung mit der Maschine festgestellt, schreiben die Forscher.

Ursachen für Unterschiede noch unklar

Noch ist unklar, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass sich einige Menschen weit zurück erinnern können und andere nicht. Das allgemeine Gedächtnis beispielsweise habe dafür keine Rolle gespielt. „Es könnte aber sein, dass Faktoren, die wir nicht erfasst haben, wie die allgemeine Intelligenz, das Aufrufen früher Erinnerungen fördern”, sagen Jack und ihre Kollegen.

In jedem Falle zeige das Experiment, dass auch Kleinkinder im Alter ab zwei Jahren einzigartige Ereignisse für lange Zeit behalten, betonen die Forscher. Das stimme auch mit neurobiologischen Studien überein, nach denen in diesem Alter die für das Gedächtnis wichtigen Gehirnstrukturen den nötigen Reifezustand erlangten. Auch der Beginn des Sprechens und damit die Fähigkeit, Ereignisse mit Worten zu beschreiben, spiele wahrscheinlich eine wichtige Rolle für die frühen Erinnerungen.
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