Frankfurt/Main/Berlin - Kurzer Blick in andere Welten: Für drei Monate ins Ausland

Kurzer Blick in andere Welten: Für drei Monate ins Ausland

Von: Lea Sibbel, dpa
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Beim Gepäck macht es kaum einen Unterschied, ob man drei oder sechs Monate ins Ausland geht. Foto: dpa

Frankfurt/Main/Berlin. Nichts ist langweiliger als die eigenen vier Wände. Warum sonst zieht es jedes Jahr eine Schar von jungen Leuten ins Ausland? Ob England, Indien oder Peru - das Ziel kann gar nicht weit genug entfernt liegen.

Hauptsache raus, dachte sich auch Magdalena aus Tübingen: „Ich wollte neue Erfahrungen machen und die Welt entdecken.” Wäre da nicht die viel kritisierte Verkürzung der Schulzeit - Stichwort G8 -, die dem Abenteuerdrang manchmal einen Strich durch die Rechnung macht.

Das Problem: Nicht alle Schulen erkennen ein Austauschjahr an und lassen ihre Schüler im Anschluss nahtlos weiterbüffeln. Stattdessen müssen sie das Schuljahr im Ausland in Deutschland wiederholen. Der Kurzzeitaustausch scheint da eine perfekte Alternative. Magdalena war nur für drei Monate in Argentinien. Aber verspricht die kurze Zeit in der Ferne die gleichen Vorteile wie das komplette Jahr im Ausland?

Claus Kunze sieht den Kurzzeitaustausch skeptisch: „Er ist nicht das Gelbe vom Ei.” Die Motivation, für ein Trimester ins Ausland zu gehen, liege in der hiesigen Schulsituation, sagt der Sprecher des Deutschen Fachverbandes High School (DFH) in Frankfurt. Wenn der Kurzzeitaustausch schon zu Ende geht, beginnt der Schüler erst, sich im Gastland einzuleben. „Es braucht einige Wochen und Monate, um sich zu akklimatisieren. In dieser Einlebephase hat man an vielen Baustellen zu kämpfen: Freunde, Schule und Gastfamilie.”

„Besser kurz als gar nicht”, ist dagegen das Fazit von Klaus Krimmel. Der Repräsentant des Arbeitskreises gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen, kurz AJA, in Berlin ist Anhänger des Langzeitaustauschs, kann aber auch dem verkürzten Auslandsaufenthalt etwas Positives abgewinnen. „Der Schüleraustausch hat nicht als Hauptziel, die Sprache zu erlernen, sondern interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Der Spracherwerb ist ein Nebenprodukt.”

Denn die Sprache des Gastlandes kann in der kurzen Zeit nicht fließend erlernt werden. „Es dauert zwei bis drei Monate, um richtig hineinzukommen”, schätzt Kunze. Für Magdalena, die schon in der Schule Spanischunterricht hatte, war der dreimonatige Aufenthalt in Argentinien trotzdem auch sprachlich ein Gewinn: „Ich konnte ein Sprachgefühl entwickeln. Ich musste mich zwar erst an den argentinischen Akzent gewöhnen, aber irgendwann hört man sich rein.”

„Werde ich die Einheimischen verstehen?” ist aber nur eine Frage, die Jugendliche vor der Abreise beschäftigt. „Wie wird die Gastfamilie sein? Werde ich Freunde finden? Komme ich mit dem anderen Schulsystem zurecht?” Magdalena hatte Glück: Bevor sie nach Argentinien ging, hatte ihre argentinische Gastschwester drei Monate in Magdalenas Familie gelebt. „Das hat mir etwas Angst genommen, weil ich so schon jemanden kannte”, erzählt die Schülerin.

Um eine möglichst schöne Zeit im Ausland zu verbringen, „sollte man nicht mit einem Anspruchskatalog rübergehen”, empfiehlt Kunze. Auch Magdalena rät, nicht zu viele Erwartungen zu haben, „weil eh alles ganz anders kommt”. Wer stattdessen aufgeschlossen ist, die Landessitten akzeptiert und bereit ist, sich anzupassen, wird in dem fremden Land gut zurechtkommen. Rick aus Emden, der im vergangenen Jahr drei Monate in Portugal verbracht hat, sagt: „Die Zeit ist so schnell vorbei, man muss sie von Anfang an voll ausnutzen.”

Wer einige Zeit im Ausland verbringt, erweitert seinen Horizont und wird selbstständiger. „Man bekommt auch einen ganz neuen Blick für sein Heimatland. Dabei sollte man Gastland und Heimatland aber nicht vergleichen und beurteilen, sondern nur feststellen: Es ist anders”, rät Krimmel.

Wichtig ist, sich für den Austausch eine gute Organisation auszusuchen. Bessere Organisationen legen viel Wert darauf, ihre Teilnehmer intensiv vorzubereiten und zu betreuen. Läuft alles glatt, kann es passieren, dass ein Kurzzeitaustausch später in längeren Auslandaufenthalten mündet: Magdalena wird nach ihrem Abitur für ein Jahr als Freiwillige nach Ecuador gehen.

Auch zwei Wochen Austausch lohnen

Zwei Wochen mit der Schule nach Frankreich - ist das sinnvoll? Annette Mönning ist davon überzeugt. Denn die Schüler - meist Achtklässler - lernten schon sehr früh, auf andere Kulturen zuzugehen, sagt die Lehrerin aus Lüdinghausen, die seit vielen Jahren solche Austausche organisiert. Sprachlich brächten die Wochen in Frankreich zwar nicht viel. Sich im Land aufzuhalten und dort verständigen zu müssen, könne aber die Motivation erhöhen, die Sprache weiter zu lernen.
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