Kosmetiker dürfen keine Berührungsängste haben

Von: Marc Herwig, dpa
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Augenbrauen zupfen ist nicht alles: Small Talk gehört auch zum Job von Kosmetikerin Jasmin Sailer. Foto: dpa

Tübingen/Rastatt. Schminken und Wimpern färben ist nur das eine - wenn Kundinnen ins Kosmetikstudio zu Jasmin Sailer kommen, wollen sie vor allem verwöhnt werden. Die 18-Jährige macht in Tübingen seit knapp einem Jahr eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Für viele junge Frauen ist das ein Traumjob.

Dabei hat der Beruf wenig mit Glanz und Glamour zu tun. Kosmetiker müssen vor allem gute Dienstleister sein.

„Man darf keine Berührungsängste haben. Pickel ausdrücken gehört eben auch zum Job”, sagt Jasmin Sailer. „Und man muss immer relaxt und höflich bleiben - auch wenn Kundinnen mal zickig sind.” Die 18-Jährige macht ihre Ausbildung in einem Friseursalon, zu dem auch ein Kosmetik-Studio gehört. Ihr gefällt vor allem der direkte Kontakt zu den Kunden. Während der Behandlung ist viel Zeit zum Reden, und ein bisschen Seelsorge ist bei jeder Gesichtsmaske inklusive.

Lehre oder Kosmetik-Schule?

Wer sich für den Beruf interessiert, muss sich zwischen zwei Ausbildungswegen entscheiden. Der eine ist eine dreijährige Ausbildung in einem Betrieb, kombiniert mit ein oder zwei Tage pro Woche in der Berufsschule. Die längere Tradition in der Branche haben aber Kosmetikfachschulen. Beide Wege haben Vor- und Nachteile.

„Jüngere Mädchen, die gleich nach dem Schulabschluss Kosmetikerin werden wollen, tendieren in der Regel zur Ausbildung in einem Betrieb”, sagt Monika Ferdinand, Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Kosmetikerinnen im saarländischen Bexbach. Vor allem das Geld spiele dabei eine Rolle, denn die privaten Berufsfachschulen kosten mehrere hundert Euro im Monat. Lehrlinge bekommen hingegen von Anfang an eine Ausbildungsvergütung. Als Richtwerte hierfür gibt das Bundesinstitut für Berufsbildung zwischen 214 und 359 Euro im ersten und 341 bis 542 Euro im dritten Lehrjahr an.

Ein wichtiger Punkt ist für viele junge Frauen aber auch, dass sie nach dem Schulabschluss erst einmal arbeiten wollen und nicht wieder in die Schule. So war es auch bei Jasmin Sailer. „Hier im Betrieb kann ich nicht nur an Modellen arbeiten, sondern an Kunden”, erzählt die Auszubildende. „Und ich lerne auch viel besser, wenn ich etwas selber mache.” Allerdings ist eine Ausbildungsstelle gar nicht so leicht zu finden, hat Verbandschefin Ferdinand beobachtet. Die meisten Kosmetikerinnen arbeiten in ihrem eigenen Ein-Frau-Betrieb - da ist für Lehrlinge oft kein Platz.

Bafög in der Fachschule

An den staatlich anerkannten Kosmetikfachschulen dauert die Ausbildung meist zwei Jahre. Das erste Jahr besteht aus Unterricht in der Schule, im zweiten Jahr machen die Schülerinnen dann ein langes Praktikum. „Wir haben Fachlehrer, die alle Inhalte des Berufs vermitteln können”, sagt Sevgi Schäfer, Vorsitzende des Zentralverbands Deutscher Kosmetikfachschulen im nordbadischen Bruchsal. Allerdings fallen für die Ausbildung an einer privaten Schule Kosten von insgesamt mehreren tausend Euro an. Dafür können die Schüler Bafög beantragen.

Die Ausbildungsinhalte sind bei der dualen Ausbildung und an den Fachschulen ähnlich: Die Nachwuchskräfte lernen, wie man Hautprobleme erkennt und behandelt, Füße und Hände pflegt, Gesichtsmasken anwendet, typgerecht schminkt oder störende Körperbehaarung entfernt.

Kosmetikerinnen sind keine Prinzessinnen

Bewerberinnen sollten einen Realschulabschluss oder einen guten Hauptschulabschluss haben. „Aber man braucht vor allem Soft Skills wie gute Umgangsformen und Zuverlässigkeit”, sagt Schäfer. „Und auch wenn es sich altmodisch anhört: Man muss dienen wollen. Eine Kosmetikerin ist nicht die Prinzessin.” Ein dickes Fell sollte man für den Beruf auch noch mitbringen. „Man begegnet als Kosmetikerin vielen Vorurteilen. Da heißt es dann: Die sieht ja ganz nett aus, aber das ist bestimmt auch alles”, sagt die Schulleiterin.

Die Verdienstmöglichkeiten sind allenfalls mittelmäßig. Zwischen 1622 und 2066 Euro können angestellte Kosmetikerinnen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen. Die meisten machen sich deshalb selbstständig. „Das ist auch familienfreundlich, weil man seine Arbeitszeiten selbst gestalten kann”, sagt Schäfer.

Außerdem entstehen im Moment neue Berufsfelder für gelernte Kosmetikerinnen. Die Branche boomt, und gerade im Wellness-Sektor suchen Schönheitsfarmen, Kur- und Rehabilitationseinrichtungen nach qualifiziertem Personal. Auch Parfümerien und Hautarztpraxen stellen Kosmetikerinnen ein.

Hin und wieder entscheiden sich auch Männer für eine Ausbildung zum Kosmetiker. Das seien allderings eher „Paradiesvögel”, sagt Schäfer. Aber freuen würden sich die vielen Frauen in der Branche schon über ein paar männliche Kollegen.

Seine eigene Behandlungsmethode finden

In der Kosmetik gibt es unzählige Anwendungen - keine Kosmetikerin kann alle perfekt beherrschen. Zwar lernen Auszubildende erstmal die ganze Bandbreite kennen, sie sollten sich aber bald spezialisieren. Das passiert in der Praxis automatisch, denn jedes Kosmetik-Studio hat seine Schwerpunkte. Wer einen Ausbildungsbetrieb oder ein Studio für sein Jahrespraktikum sucht, sollte darauf achten, dass dort die eigenen Lieblingsmethoden auch zum Angebot gehören.
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